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StartseiteInformationen am MorgenDroht der Flugbranche ein neuer Chaos-Sommer?28.03.2019

Luftfahrt-GipfelDroht der Flugbranche ein neuer Chaos-Sommer?

Verspätungen, Flugausfälle, Personalmangel. Es gibt genug Themen, wenn sich Spitzenvertreter aus Politik, Flugsicherung, Airlines und Flughäfen zum Luftfahrt-Gipfel treffen. Mehr Mitarbeiter sollen für einen reibungsloseren Ablauf sorgen. Am Boden sollen die Sicherheitskontrollen effizienter werden.

Von Brigitte Scholtes

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Lange Schlangen am Flughafen Hamburg. (picture alliance / dpa / Bodo Marks)
Ob es für die Fluggäste in der kommenden Reisesaison besser wird, steht keineswegs fest (picture alliance / dpa / Bodo Marks)
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Steht den Passagieren auch in diesem Jahr wieder ein Chaos-Sommer bevor? Vor dem heutigen Luftverkehrsgipfel, zu dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Vertreter der Branche nach Hamburg geladen hat, sind sich da auch die Beteiligten nicht sicher, so wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr:

"Er wird besser, glaube ich, aber nicht gut. Der Gipfel direkt zu Beginn des Sommerflugplans ist von Herrn Scheuer die richtige Maßnahme, um noch mal die Attention aller Beteiligten auf dieses Problem des nächsten Sommers zu lenken."

Und Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, gibt sich ebenfalls vorsichtig:

"Wir werden uns auch in diesem Jahr wieder mit den Herausforderungen herumschlagen müssen und sind hoffentlich gut darauf vorbereitet. Aber es bleiben Herausforderungen."

Mehr Reserveflugzeuge geplant

Zu Beginn des Sommerflugplans jedenfalls zeigten sich wieder Probleme - vor allem bei der Deutschen Flugsicherung, die nach wie vor unter Personalmangel leidet. Hinzu kamen aber in den letzten Tagen auch noch Software-Probleme.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, und die Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne sprechen am 17.03.2016 bei der Bilanz-Pressekonferenz der Lufthansa in Frankfurt am Main.  (picture alliance / dpa / Arne Dedert)Carsten Spohr (re.), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Etwa ein Drittel der Verspätungen des vergangenen Sommers seien auf die Flugsicherungen zurückzuführen, diagnostizierte Lufthansa-Chef Spohr vor einigen Tagen, ein Drittel auf die Infrastruktur am Boden und ein Drittel auf die Fluggesellschaften:

"Wir sind aber auch überzeugt, dass wir in Europa kein blindes Wachstum um jeden Preis, sondern ein qualitatives Wachstum im Luftverkehr brauchen, das heißt die Infrastruktur muss mit der Nachfrage mit wachsen. Wir haben unser geplantes Wachstum für den Sommer 2019 von schon reduzierten 3,8 Prozent auf nochmals auf 1,9 Prozent halbiert."

Lufthansa als auch Tuifly und Condor wollen zudem mehr Reserveflugzeuge vorhalten, um bei Problemen schnell reagieren zu können. Mehr Mitarbeiter sollen in allen Bereichen für einen reibungsloseren Ablauf sorgen. Am Boden sollen die Sicherheitskontrollen schneller werden. dabei hilft zum einen moderne Technik, die nach und nach auch in Deutschland installiert wird. Auch ansonsten lohne ein Blick in Ausland, sagt Fraport-Chef Schulte:

"Dort haben überall die Flughafenbetreiber die Verantwortung bekommen, und sie wissen, dass die Durchsatzzahlen dort doppelt so hoch sind wie die, die wir in Deutschland haben."

Der Frankfurter Flughafen von oben (Stefan Rebscher/Fraport AG)Es wird eng - Der Flughafen in Frankfurt (Stefan Rebscher/Fraport AG)

Hilft die Abkühlung der Konjunktur?

Damit das aber auch in Deutschland möglich ist, müsste die Bundesregierung das Luftsicherheitsgesetz ändern.

Schließlich könnte auch die unerwartet starke Abkühlung der Konjunktur das Wachstum im Luftverkehr etwas bremsen, glaubt Eric Heymann, Luftfahrtexperte der Deutsche Bank Research:

"Von Seiten des privaten Verbrauchs, des privaten Konsumenten, aber auch von gewerblichen Kunden könnte die Nachfrage nach Flugreisen dieses Jahr etwas schwächer wachsen oder zumindest etwas schwächer ausfallen als das im letzten Jahr der Fall war."

Bisher aber erwartet der deutsche Branchenverband BDL in diesem Jahr 2,3 Prozent mehr Flüge. Im vergangenen Jahr lag das Plus bei 4,1 Prozent.

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