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StartseiteWirtschaft am MittagUFO droht mit neuen Streiks20.11.2019

LufthansaUFO droht mit neuen Streiks

Der Tarifstreit bei der Lufthansa geht in die nächste Runde, nachdem der Konzern seine Zustimmung zu dem bereits vereinbarten Schlichtungsverfahren verweigert hat. Nun hat die Gewerkschaft der Flugbegleiter (UFO) mit neuen Streiks gedroht – im Notfall auch in der Weihnachtszeit.

Von Mischa Erhardt

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Zwei Lufthansa Schilder im Flughafen Düsseldorf. (David Young/dpa)
Schon bald könnte die Gewerkschaft UFO ihre Mitglieder wieder zu Streiks bei der Lufthansa aufrufen (David Young/dpa)
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Augenscheinlich ist das Verhältnis zwischen Lufthansa und der Kabinengewerkschaft UFO angespannt. Nach einer Einigung in der vergangenen Woche dachte man, dass beide Seiten auf sicherem Weg in die Schlichtung wären.

"Aber die Verhandlungen waren noch nicht fertig, und die Tinte noch nicht trocken, als wir schon feststellen mussten, dass es aus dem Konzern heraus Störfeuer für diesen Prozess gibt. Wir haben auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der vergangenen Woche die Ergebnisse vorgestellt, hatten da auch das gemeinsame Versprechen abgegeben, dass es für die Kunden dieses Konzerns jetzt etwas ruhiger werden sollte – gerade auch zur Weihnachtszeit – und müssen jetzt leider feststellen dass Herr Spohr mit der gestern über die Öffentlichkeit nachgeschobenen Forderung dieses gemeinsame Interesse scheinbar aufkündigen möchte", sagt die Vorsitzende der Kabinengewerkschaft UFO, Silvia De la Cruz.

Der Stein des Anstoßes

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte die Gewerkschaft gestern zu einem verbindlichen Streikverzicht bei den Lufthansa-Töchtern aufgefordert, solange die Schlichtung dauere. Allerdings betrifft die in der letzten Woche gefundene Einigung eigentlich nur die Kernmarke Lufthansa. Die Gewerkschaft willigte gestern schriftlich ein, zunächst bei den Töchtern auf die Ankündigung von Streiks zu verzichten, um eine Schichtung zu ermöglichen.

Hamburg, 7. November 2019 - Reisende kommen am Morgen bei Nebel am Flughafen Hamburg an. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo streikt bei der Lufthansa. (picture alliance / dpa / Bodo Marks) (picture alliance / dpa / Bodo Marks)Streiks bei Lufthansa / "Wachstum nur möglich durch immer niedrigere Ticketpreise"Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sieht beim Wettbewerb zwischen Fluggesellschaften den Verbraucher in der Pflicht. Niedrige Ticketpreise gebe es nur bei niedrigen Kosten, sagte Großbongardt im Dlf. 

Dieses "zunächst" ist der Stein des Anstoßes, die Lufthansa erwartet von der Gewerkschaft ein absolutes Bekenntnis zur Friedenspflicht in allen Konzerngesellschaften. Die Gewerkschaft meint dagegen, dass sie dem gar nicht zustimmen dürfe, weil es dazu eine gegenseitige Vereinbarung brauche. Daniel Flohr, der Vize-Vorsitzende von UFO:

"Das ist der dritte, vierte, fünfte Versuch gewesen, um uns dazu zu bringen, die Schlichtung platzen zu lassen. Nach dem Motto: Die UFO hat jetzt hier irgendetwas nicht gemacht, was doch selbstverständlich ist; die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die UFO irgendetwas zurückgezogen hat. Das ist eine mutwillige Zerstörung des vereinbarten Prozesses und eine Düpierung derer, auch auf Lufthansa-Seite, die diesen Prozess mit uns vereinbart haben".

Streiks notfalls auch in der Weihnachtszeit

Vereinbart hatte den Kompromiss zwischen dem Konzern und der Gewerkschaft maßgeblich Personalchefin Bettina Volkens. Jedenfalls gibt sich die Gewerkschaft weiter Gesprächs- und verhandlungsbereit, hat der Lufthansa auch eine Frist bis kommenden Donnerstag gesetzt. Sollte man bis dahin nicht wieder an den Gesprächstisch zurückgefunden haben, würde die Gewerkschaft Streiks ankündigen – im Notfall auch in der Weihnachtszeit.

"Wenn diese sieben Tage ergebnislos verstreichen, oder der Konzern mit weiteren Provokationen oder mit dem Schaffen von Fakten das untergräbt, dann sehen wir uns vorher hier. Wir hoffen sehr, und appellieren an die Lufthansa, aber auch an die Gäste, an die Öffentlichkeit und an die Politik, sich diese Situation sehr genau anzuschauen", sagt UFO-Sprecher Nicoley Baublies.

Die Gewerkschaft hat sich heute explizit mit einem Appell an die Politik gewendet, weil beide Seiten von sich aus offenbar nicht aus der Eskalationsspirale herauskämen. Bei der Lufthansa begrüßt man die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft. Nun habe man sieben Tage Zeit, wieder in einen Lösungsmodus zu kommen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Es gelte, nun diese Zeit auch zu nutzen.

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