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StartseiteInformationen am MorgenKindheit im weißrussischen Präsidententross13.10.2015

Lukaschenkos SohnKindheit im weißrussischen Präsidententross

Trips nach Rom, New York oder in den Nahen Osten gehören für Nikolaj Alexandrowitsch Lukaschenko fast schon zum Alltag. Denn: Der elfjährige Sohn des weißrussischen Autokraten muss seinen Vater stets begleiten - nicht zuletzt um das Image des letzten Diktators in Europa aufzupolieren.

Von Sabine Adler

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko mit seinem Sohn Alexander. (Imago)
Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko mit seinem Sohn Alexander bei der Stimmabgabe zur Präsidentenwahl. (Imago)
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Wenn andere Kids vor dem Fernseher lümmeln und Multiki, also Trickfilme, schauen, jettet Nikolaj Alexandrowitsch Lukaschenko um die Welt. Der jüngste Spross des jetzt wiedergewählten Autokraten ist reif für das Guinness-Buch der Rekorde. Kaum ein Elfjähriger dürfte es auf so viele Staatsbesuche und Auslandsvisiten bringen wie Lukaschenko junior.

Eine Kindheit in Anzug und Krawatte

Koljas Kindheit findet im Anzug und Krawatte statt, wie bei der vergangenen Wahl hat er auch dieses Mal unter Blitzlichtgewitter den Wahlzettel für Papa in die gläserne Urne geworfen. Trips nach Italien, in die USA, Indonesien, in den Nahen Osten und gleich zwei Mal Venezuela - der Junge kommt um die Welt. Nicht nur weil der Vater ihn auf Händen trägt, sondern weil Imageberater empfohlen haben sollen, das hässliche Bild vom letzten Diktator in Europa zu korrigieren. Da darf der Präsidentensohne in der Schule ruhig mal fehlen, allein in diesem Schuljahr war der die Hälfte der Tage abwesend.

Kolja hat wichtigere Pflichten. Ein paar Tage später begleitete er den Vater nach China, wohnte der Militärparade bei anlässlich des 70. Jahrestages des Endes des chinesisch-japanischen Krieges und des Endes des Zweiten Weltkrieges. Ende des Monats wurde er in New York von US-Präsident Obama nebst Ehefrau Michelle begrüßt.

Als später sein Erzeuger in der UN-Vollversammlung auftrat, saß der Kleine mit heißen Wangen in Schlips und Kragen inmitten der Staats- und Regierungschefs.

Dass Lukaschenko mit Sohn Nikolai schon den Nachfolger präsentiert, glaubt der Politologe Valeri Karbalewitsch allerdings nicht, wenngleich es bislang mit einem demokratischen Machtwechsel in Weißrussland tatsächlich noch nicht weit her war und die Verlockung, eine Dynastie zu gründen, groß sein dürfte.

Die älteren Brüder arbeiten längst im Staatsapparat

Ähnlich wie die Kadyrows in Tschetschenien, die Alijews in Aserbaidschan oder die Assads in Syrien. Kolja ist mit elf allerdings selbst in Weißrussland zu jung, die älteren Söhne Dmitri und Viktor dagegen arbeiten längst im Staatsapparat, weiß der Lukaschenko-Biograf Valeri Karbalewitsch.

"Es gibt aber keine Anzeichen, dass das politische Gewicht des ältesten Lukaschenko-Sohnes Viktor zunimmt. Er erfüllt seine Funktion, die er 2006 bekommen hat, also die Geheimdienste zu kontrollieren. Öffentlich tritt er praktisch nie in Erscheinung."

Lukaschenkos erwachsene Söhne stammen aus erster Ehe, das Paar trennte sich, als Lukaschenko 1994 Präsident wurde. Mit der Mutter seines Sohnes Nikolaj ist der Herrscher nicht verheiratet, auf den Kleinen soll er viel stolzer sein als auf die Großen. Ernähren kann er alle.

Der nächste Präsident

"Solang Lukaschenko an der Macht ist, steht ihm das ganze Land zur Verfügung und davon macht er reichlich Gebrauch. Er hat zwölf Residenzen, große Autos, eine moderne Boeing, Hubschrauber. Für seine Kinder hat er vorgesorgt."

Im vorigen Jahr um diese Zeit war Kolja in den Herbstferien mit dem Vater in den Vereinigten Arabischen Emiraten, durfte dort Eishockey mit der Präsidentenmannschaft spielen. Das alles lässt die Weißrussen kalt. Angewidert waren sie, als der damals Siebenjährige 2011 mit in die Metro in Minsk kam, wo kurz zuvor bei einem Terroranschlag mehrere Menschen getötet wurden. Ob der Blondschopf tatsächlich einmal den Vater im Amt beerbt, weiß niemand, dass der sich das wünscht, verriet er in Venezuela.

In einer Diktatur einen Nachfolger zu benennen ist äußerst gefährlich, denn dann orientiert sich die Nomenklatura nur noch an ihm, warnt der Lukaschenko-Biograf Karbalewitsch.

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