
Montag, 5. Januar
Maduros Stellvertreterin Delcy Rodriguez ist als geschäftsführende Präsidentin Venezuelas vereidigt worden.
Sie legte ihren Amtseid in der Nationalversammlung in Caracas ab. Der Oberste Gerichtshof hatte sie zur Interimspräsidentin ernannt. Die 56-Jährige gilt als jahrelange Unterstützerin Maduros und prägte dessen Kurs mit. Nach der Festnahme des Präsidenten gab sie sich kämpferisch und wies Ansprüche der USA auf eine Kontrolle Venezuelas zurück.
Der venezolanische Präsident Maduro ist erstmals nach seiner Gefangennahme durch die USA vor einem amerikanischen Gericht erschienen.
Ihm soll dort wegen Drogenterrorismus der Prozess gemacht werden. In der Anhörung vor einem Richter in New York plädierte Maduro auf nicht schuldig. Maduro erklärte, er sei aus seinem Heimatland entführt worden. Auch Maduros Frau Cilia Flores, die ebenfalls angeklagt ist, plädiert auf nicht schuldig. Der nächste Anhörungstermin wurde für den 17. März angesetzt
Der UNO-Botschafter der USA, Waltz, hat den Militäreinsatz in Venezuela verteidigt.
Die Festnahme von Maduro sei ein Akt der Strafverfolgung gewesen, sagte Waltz vor dem UNO-Sicherheitsrat. Die Beweise für Maduros Verbrechen würden in einem Gerichtsverfahren offengelegt. Waltz betonte, dass die USA keinen Krieg gegen Venezuela führten. Washington strebe nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für das venezolanische Volk. In der Sitzung hatten unter anderem die Vertreter Russlands und Chinas die US-Operation kritisiert.
Die mexikanische Präsidentin Sheinbaum glaubt nicht an einen US-Militäreinsatz gegen Drogenkartelle in ihrem Land.
Sheinbaum teilte mit, sie glaube nicht, dass die USA einen solchen Einsatz ernsthaft in Erwägung zögen. Mexiko sei ein souveränes Land, das mit den USA im Kampf gegen den Drogenschmuggel und in Sicherheitsfragen zusammenarbeiteten. Trump hatte am Wochenende einen Militäreinsatz in Mexiko zur Bekämpfung von Drogenkartellen angedeutet.
Der UNO-Sicherheitsrat berät über den US-Militäreinsatz in Venezuela, bei dem Staatschef Maduro festgenommen wurde.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Guterres, kritisierte, dass die Operation nicht im Einklang mit dem Völkerrecht gestanden habe. Zugleich äußerte seine Besorgnis über eine mögliche Verschärfung der Instabilität des lateinamerikanischen Landes. Die Dringlichkeitssitzung in New York war auf Antrag der venezolanischen Übergangspräsidentin Rodríguez einberufen worden. Diese hatte den Angriff verurteilt und die Freilassung Maduros gefordert.
Der gefangen genommene Nicolas Maduro soll im Laufe des Tages einem Bundesgericht in New York vorgeführt werden.
Maduro und seine ebenfalls festgenommene Ehefrau Cilia Flores sollen um 18.00 Uhr deutscher Zeit vor einem Bundesgericht in Manhattan erscheinen. Dem 63-jährigen Maduro wird von US-Anklägern vorgeworfen, ein Kokain-Handelsnetzwerk geleitet zu haben.
Mehrere CDU-Politiker warnen vor einem Streit mit den USA wegen deren Vorgehen gegen Venezuela.
"Wir tun uns alle keinen Gefallen, wenn wir jetzt ein vorschnelles Urteil treffen und damit in Streit mit dem US-Präsidenten geraten, den wir ja gewinnen wollen", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hardt, im Bayerischen Rundfunk. Er räumte ein, es gebe bei dem Vorgehen der USA "völkerrechtlich eine ganze Reihe von Fragezeichen". Im Vordergrund müsse für Deutschland aber stehen, Einfluss zu nehmen auf die US-Politik in Fragen, "wo sie uns unmittelbar angeht". Zur Vorsicht riet auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Laschet. Er fragte rhetorisch: "Wäre es klug, wenn sich die Europäer jetzt zu einer einseitigen Anklage gegen US-Präsident Donald Trump entschließen würden?". Das Ergebnis wäre voraussichtlich ein Einflussverlust in der Ukraine-Politik.
Kolumbiens Präsident Petro hat scharf auf jüngste Drohungen von US-Präsident Trump reagiert.
Die Äußerungen seien eine "illegitime Drohung", schrieb Petro auf X. Sollte nach dem US-Einsatz in Venezuela auch gegen auch ihn selbst vorgegangen werden, werde dies den "Volksjaguar entfesseln". Damit dürfte Petro den Zorn des Volkes meinen. Trump hatte Petro zuvor ebenso wie schon Maduro Drogenhandel vorgeworfen und einen Militäreinsatz in Kolumbien indirekt nicht ausgeschlossen.
Die Bundesregierung will vor einer abschließenden Bewertung des US-Militäreinsatzes in Venezuela zunächst die Begründung Washingtons abwarten.
"Der Bundeskanzler hat unterstrichen, dass alle, auch die USA, das Völkerrecht achten müssen", sagt der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille. "Dies gilt ausdrücklich für staatliche Souveränität und territoriale Integrität." Die Regierung sehe aber, dass es um eine komplexe Lage handele. Ähnlich hatte sich zuvor bereits Bundesaußenminister Wadephul geäußert.
Iran fordert Freilassung Maduros und nennt Beziehungen zu Venezuela unverändert
Der Iran als enger Verbündeter Venezuelas hat nach der US-Militärintervention die Freilassung von Staatschef Maduro gefordert. "Der Präsident eines Landes und seine Ehefrau sind entführt worden. Das ist ein illegaler Akt", sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums. Die Beziehungen des Iran zu Venezuela blieben unverändert, sagte der Sprecher weiter. Die Regierung in Teheran stehe in Kontakt mit den venezolanischen Behörden.
Wadephul: USA müssen rechtliche Grundlage für Einsatz darlegen
Die Regierung in Washington müsse vor der Weltöffentlichkeit präzise darlegen, auf welcher rechtlichen Grundlage die Intervention in Venezuela erfolgt sei, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk (Audiolink). Gleichzeitig sei die Lage hoch komplex. Maduro habe ein Unrechtsregime angeführt, 8 Millionen Menschen seien aus dem Land geflohen. Zudem liefen mehrere Verfahren vor dem internationalen Strafgerichtshof gegen Venezuela und Maduro. All dies müsse bei der rechtlichen Bewertung berücksichtigt werden, erklärte Wadephul.
Linke beantragt Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses
Wegen des US-Militäreinsatzes in Venezuela beantragt Die Linke eine rasche Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. "In dieser Sitzung bitten wir um eine Unterrichtung der Bundesregierung, insbesondere zur völkerrechtlichen Bewertung der US-Maßnahmen sowie zu den diplomatischen Schritten Deutschlands auf europäischer und internationaler Ebene", heißt es in einem Brief der Parlamentarischen Geschäftsführerin Latendorf an Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU). Sollten sich die Angaben zu der US-Aktion bestätigen, läge ein schwerwiegender Verstoß gegen das in der UNO-Charta verankerte Gewaltverbot vor, schreibt Latendorf.
Gold und Silber legen nach US-Angriff auf Venezuela stark zu
Die Preise für Gold und Silber haben von der gestiegenen politischen Unsicherheit infolge des US-Angriffs auf das ölreiche Venezuela profitiert. Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) stieg um mehr als zwei Prozent auf 4.424 US-Dollar. Damit steuert Gold auch am zweiten Handelstag des Jahres auf ein Plus zu.
Politologe Münkler und Rechtswissenschaftler Schiffbauer: Einsatz der USA war völkerrechtswidrig
Die Intervention der USA in Venezuela stößt bei zwei Experten auf einhellige Kritik: Sowohl der Politologe Herfried Münkler als auch der Rechtswissenschaftler Björn Schiffbauer halten den Einsatz für völkerrechtswidrig. Münkler sagte im Deutschlandfunk (Audiolink), Trump gehe es nicht um Rechtsstaatlichkeit oder Demokratie. Der Jurist Schiffbauer sagte ebenfalls im Deutschlandfunk (Audiolink), für eine solche Intervention müsse es entweder ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates geben oder es müsse sich um Selbstverteidigung handeln.
Venezuela signalisiert Kooperationsbereitschaft
"Wir laden die Regierung der Vereinigten Staaten ein, gemeinsam an einer Agenda der Kooperation zu arbeiten, die auf gemeinsame Entwicklung ausgerichtet ist und im Rahmen des Völkerrechts ein dauerhaftes Zusammenleben in der Gemeinschaft stärkt", hieß es in einer von der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf Instagram veröffentlichten Mitteilung. Rodríguez hatte sich zuvor noch unbeugsam gezeigt. "Unsere Völker und unsere Region verdienen Frieden und Dialog, keinen Krieg"», schrieb sie nun an US-Präsident Donald Trump gerichtet. Sie forderte eine von Respekt geprägte Beziehung zwischen den USA und Venezuela, die auf souveräner Gleichheit und Nichteinmischung basiert.
Trump droht Venezuela mit weiterem Militärschlag
Sollten die verbliebenen Mitglieder der Führung in Caracas seine Bemühungen nicht unterstützen, das Land zu stabilisieren, sei dies eine Option, erklärte Trump an Bord der Air Force One. US-Heimatschutzministerin Noem sagte dem TV-Sender Fox News, Interims-Staatschefin Rodríguez könne ihr Land "führen oder Platz machen".
Venezuelas Außenminister: Maduro bleibt Präsident
"In Venezuela gibt es einen verfassungsmäßigen Präsidenten, Nicolás Maduro Moros, der zwar derzeit illegal festgehalten wird, aber weiterhin das Staatsoberhaupt in voller Ausübung seines Mandats ist", sagte Außenminister Yván Gil auf einer Krisensitzung der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) laut dem regierungsnahen Sender Telesur. Trotz des Angriffs herrsche in Venezuela heute "Frieden und Ruhe", die Institutionen funktionierten "uneingeschränkt".
Diese Nachricht wurde am 05.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




