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Aufarbeitung des Olympia-Attentats von 1972
Makkabi-Präsident: "Ein Zeichen der Einsicht"

Makkabi Deutschland ist der Verband der jüdischen Sportvereine. Das Attentat bei Olympia 1972 in München und die deutsche Reaktion darauf bezeichnet Makkabi-Präsident Alon Meyer im Dlf als "Makel" in der deutschen Geschichte. Die genaue Aufarbeitung ist für ihn auch deshalb jetzt besonders wichtig.

Alon Meyer im Gespräch mit Marina Schweizer | 04.09.2022
Ein Mann mit Sturmmaske auf dem Balkon im Olympischen Dorf München 1972.
Bei dem Olympia-Attentat 1972 in München wurden elf israelische Sportler ermordet. (imago / Sammy Minkoff )
Für Alon Meyer steht die Versöhnung mit den Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags von München im Zentrum der nun erzielten Einigung: "Das war auch den Hinterbliebenen und damit den Opfern dieses Terroranschlags ganz wichtig: Dass eine genaue Aufarbeitung vollzogen wird, dass eine Entschuldigung vollzogen wird und als letzten Punkt dann auch eine entsprechende Entschädigung. Dass die hier so in den Vordergrund geschoben wird, tut der Sache ganz sicherlich nichts Gutes."
Positiv ist für Meyer, dass nun aufgearbeitet werde. Den Zeitpunkt findet er dagegen problematisch. „50 Jahre lang ist äußerst lange, viel zu lange.“ Wichtig auch, dass eine offizielle Entschuldigung des deutschen Staates zu erwarten ist, auch wenn es „nur“ Worte seien: „Es ist ein Zeichen der Einsicht, der bedingungslosen Einsicht, die ganz wichtig ist, um es in Zukunft besser machen zu können, zu müssen.“
Alon Meyer, Vorsitzender des TuS Makkabi Frankfurt und Präsident von Makkabi Deutschland, gestikuliert während eines Interviews.
Alon Meyer (dpa, Roland Holschneider)

"Ein Makel in unserer deutschen Geschichte"

Aufarbeitung ist für Meyer etwas, das Deutschland stark mache. Das Attentat spiele bis heute eine wichtige Rolle für den Verband Makkabi Deutschland, weil der Anschlag bei internationalen Treffen immer wieder Thema sei. „Das ist ein Makel in unserer deutschen Geschichte, den wir jetzt versuchen zu verbessern, aufarbeiten, damit es in Zukunft besser läuft“, sagt Meyer. „Das ist ein Punkt, der bereinigt werden musste für uns als Juden in Deutschland.“
Die Aufmerksamkeit zum Jahrestag des Attentats solle man auch nutzen, meint Meyer, um Besserung zu bewirken – zum Beispiel für jüdische Sportlerinnen und Sportler in Deutschland, die angefeindet oder angegriffen werden. Jüdische Einrichtungen und Veranstaltungen müssten auch heute noch besser geschützt werden: „Aber es ist der Tatsache geschuldet, das eben wir immer noch viel zu oft Opfer von Terroranschlägen sind und uns insofern darauf vorbereiten müssen“, sagt Meyer.