Dienstag, 31. Januar 2023

Jüdisches Sportfest
Makkabi-Winterspiele in Ruhpolding eröffnet

Ein historisches Ereignis: Zum ersten Mal seit 86 Jahren trägt die jüdische Sportbewegung Makkabi Winterspiele aus. Die bisher letzten fanden 1936 in der früheren Tschechoslowakei statt. Jetzt ist Ruhpolding in Bayern Gastgeber. Die Winterspiele sollen jüdisches Leben in Deutschland stärken.

Von Michael Watzke | 02.01.2023

Ein Wimpel mit dem Logo der Makkabi-Bewegung steht auf einem Tisch im Deutschen Fußball-Museum, wo die Dachorganisation der Jüdischen Turn- und Sportvereine in Deutschland ihr 100-jähriges Jubiläum feierte.
Erstmals finden in Deutschland Winterspiele der jüdischen Sportbewegung Makkabi statt. (picture alliance/dpa/Fabian Strauch)
"Es werden große, internationale Spiele mit Teilnehmern aus 20 Nationen", sagt Alfi Goldenberg, Sprecher und Mit-Organisator der Makkabi Winterspiele im oberbayerischen Ruhpolding. "Unser jüngster Teilnehmer kommt sogar aus Australien! Natürlich stellt Makkabi Deutschland die größte anwesende Delegation – als Gastgeberland."
Gastgeber Deutschland – zum ersten Mal seit Naziregime und Holocaust. Für Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer ein Zeichen des zurückgekehrten Judentums. "Das jüdische Leben ist bereits Teil unserer Kultur in Deutschland. Und soll noch stärker mit der deutschen Kultur verwoben werden. Dazu tragen diese Spiele hier bei."
Auch nicht-jüdische Sportler*innen können teilnehmen
Mitmachen kann jeder bei den Makkabi Wintergames – wenn er oder sie Mitglied in einem der weltweiten Makkabi-Sportvereinen mit rund 400.000 Sportlerinnen und Sportlern ist. Egal ob Profi oder Amateur. Auch Religion und Staatszugehörigkeit spielen keine Rolle – auch wenn die meisten Teilnehmer jüdisch sind.
Sie sagen zum Beispiel: "Die Freunde, die man jedes Jahr sehen möchte – das ist das Schönste!" "Für mich war die historische Möglichkeit, überhaupt mal bei den Makkabi Games teilzunehmen, extrem spannend." "Hopefully some snow, that would be nice!"
Wettkämpfe auch in Kitzbühel
Ein bisschen Schnee wünscht sich Joseph Rosenfeld, Wintersportler aus Großbritannien. Leider zeigt sich das 650 Meter hoch gelegene Alpendorf Ruhpolding derzeit nicht gerade von seiner winterlichen Seite. Am Eröffnungstag war es mit 18 Grad Celsius geradezu frühlingshaft warm. Schnee liegt keiner mehr im Ort.
Deshalb werden die Ski- und Langlauf-Wettbewerbe im benachbarten Kitzbühel in Österreich ausgetragen, das höher liegt. Nur das Eiskunstlaufen und Eisstockschießen findet in der Ruhpoldinger Sporthalle statt. Aber darum geht es Bürgermeister Pfeifer nicht, wenn er das Miteinander am Rande der Pisten und Loipen betont: "Ich erwarte mir einen Austausch von jüdischer Kultur, jüdischem Leben und natürlich unserer Dorfgemeinschaft, unserer dörflichen, bayerischen Kultur. Das soll hier geschehen, und ich glaube, das ist auch den Veranstaltern ganz wichtig: ein Miteinander zu gestalten."
Veranstaltung dauert eine Woche
Mit-Organisator Alfi Goldenberg freut sich über die bisher reibungslose Organisation und die herzliche Stimmung im Ort. Die Sportlerinnen und Sportler fühlten sich willkommen. "Diese Spiele symbolisieren ein starkes jüdisches Leben in Deutschland, in Europa, auf der ganzen Welt. Und natürlich die Werte der Demokratie, der Toleranz, der Fairness und der Gemeinsamkeit. Das steht ganz oben."
Wer am Ende ganz oben auf dem Treppchen steht, wird am 8. Januar gefeiert – bei der Abschluss-Zeremonie in Ruhpolding. Nach einer Woche Makkabi Winter Games.