EM 2024
Nach Wolfsgruß: UEFA sperrt türkischen Nationalspieler Demiral

Der türkische Fußball-Nationalspieler Merih Demiral ist von der Disziplinarkammer der UEFA für zwei Spiele gesperrt worden. Demiral hatte im Spiel gegen Österreich den Gruß der "Grauen Wölfe" gezeigt. Der Fall sorgt auch für diplomatische Spannungen.

Von Lukas Thiele | 05.07.2024
Der türkische Nationalspieler Merih Demiral zeigt den Wolfsgruß.
Die UEFA Disziplinarkammer hat den türkischen Fußball-Nationalspieler Merih Demiral für zwei Spiele gesperrt, nachdem er im Spiel gegen Österreich den Wolfsgruß gezeigt hatte. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Ebrahim Noroozi)
Die Disziplinarkammer der UEFA hat den türkischen Nationalspieler Merih Demiral für zwei Spiele gesperrt. Offiziell wegen "unangemessenen Verhaltens", wie die der europäische Fußballverband am Freitag mitteilte.
Demiral hatte im Achtelfinale der Europameisterschaft gegen Österreich (2:1) nach seinem Treffer zum 2:0 den sogenannten Wolfsgruß gezeigt. Der Wolfsgruß ist ein Symbol der rechtsextremistischen Bewegung "Graue Wölfe", die in der Türkei politisch mit der ultranationalistischen MHP verbunden sind. Die MHP ist Bündnispartner der islamisch-konservativen AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Demiral: "Keine versteckte Geste"

Demiral erklärte, der Jubel habe mit seiner "türkischen Identität" zu tun. "Wir sind alle Türken und ich bin sehr stolz darauf, Türke zu sein. Das war keine versteckte Geste. Ich hoffe, es wird noch weitere Gelegenheiten geben, diese Geste zu zeigen."
In Frankreich sind die "Grauen Wölfe" verboten. in Österreich ist das Zeigen des Wolfsgrußes strafbar. In Deutschland in die Organisation nicht verboten, allerdings werden ihre Anhänger vom Verfassungsschutz beobachtet.
Demiral wird der Türkei damit auf jeden Fall am Samstag im Viertelfinale gegen die Niederlande fehlen. Auch bei einem möglichen Halbfinale der Türken dürfte er nicht auflaufen.

Faeser forderte UEFA zu Reaktion auf

Der Fall geht jedoch schon längst über den Fußball hinaus. Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte die UEFA über die Plattform X schon vor der offiziellen Sperre zu einer Reaktion auf: "Die Symbole türkischer Rechtsextremisten haben in unseren Stadien nichts zu suchen. Die Fußball-Europameisterschaft als Plattform für Rassismus zu nutzen, ist völlig inakzeptabel", schrieb sie.

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Türkei bezeichnet deutsche Reaktion als "fremdenfeindlich"

Auch in der Türkei zieht der Fall weite Kreise. Schon am Mittwoch bestellte Ankara den deutschen Botschafter ein. Die "Reaktion der deutschen Behörden gegenüber Herrn Demiral" seien "selbst fremdenfeindlich", teilte das türkische Außenministerium mit.
Präsident Erdogan kündigte sogar an, spontan zum EM-Viertelfinale nach Berlin reisen zu wollen. Erdogan wolle der türkischen Mannschaft den Rücken stärken, hieß es aus informierten Kreisen. 
Türkische Ultras riefen unterdessen die türkischen Fans dazu auf, am Samstag im Stadion den Wolfsgruß zu zeigen. "Wir laden alle unsere Fans auf der Tribüne ein zu zeigen, dass das Zeichen der Grauen Wölfe kein 'Rassismus' ist, sondern 'das nationale Symbol des Türkentums', indem sie während der Nationalhymne das Zeichen der Grauen Wölfe machen", hieß es in einem Aufruf bei X.

Große Herausforderung für die Polizei

Die Partie im Berliner Olympiastadion wird für die Polizei damit zu einer noch größeren Herausforderung als ohnehin schon. "Beim aktuellen Teilnehmerfeld gibt es keine brisantere Partie als Niederlande gegen die Türkei in Berlin", sagte Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei Berlin gegenüber der DPA. Rund 3000 Beamte dürften im Einsatz sein, es sei Unterstützung aus dem Bundesgebiet angefragt worden.

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In Berlin leben rund 200.000 türkischstämmige Menschen, von denen viele mit der türkischen Mannschaft mitfiebern werden - auch Abseits der Fanmeilen. Bei einem Sieg der Türkei ist mit Autokorsos zu rechnen.
Für einige türkische Spieler ist die EM fast so etwas wie ein Heimspiel: "Dass wir Zuhause spielen, pusht uns natürlich nochmal extra", sagte der türkische Kapitän Hakan Calhanoglu, einer von fünf Nationalspielern, die in Deutschland geboren wurden.