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May-Besuch bei Trump
Großbritannien will die "Special Relationship" wiederbeleben

Eine Woche nach seiner Vereidigung empfängt US-Präsident Donald Trump die britische Premierministerin Theresa May als ersten ausländischen Staatsgast im Weißen Haus. Im Vorfeld war May auf Distanz zu Trump gegangen, sie hat aber ein klares Ziel: Ein Handelsvertrag mit den USA.

Von Friedbert Meurer | 27.01.2017
    Die britische Premierministerin Theresa May besuchte in Philadelphia ein Treffen von Abgeordneten und Parteivertretern der US-Republikaner.
    Die britische Premierministerin Theresa May auf Staatsbesuch in den USA. (AFP / Dominick Reuter)
    Es war der Antrittsbesuch von Margret Thatcher beim damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. "So was hat man noch nicht gesehen", scherzte sie und versuchte sich im amerikanischen Englisch. Manche Konservative und die Boulevardpresse in Großbritannien jubeln seit Wochen, dass das legendäre Gespann seine Reinkarnation finde in Theresa May und Donald Trump.
    "Die Persönlichkeiten sind verschieden, die geopolitische Lage auch", wendet Margret Thatchers früherer außenpolitischer Berater Charles Powell gegen den Vergleich ein. "Reagan war ein erfahrener Politiker, Trump überhaupt nicht. Es gibt keine tiefgehende gemeinsame Auffassung über die ganz großen Themen heute. Das kann aber noch kommen, das Treffen jetzt ist ein erster Schritt."
    Theresa May ist für Freihandel, Trump für Protektionismus. May hält eisern an den Sanktionen gegen Russland fest, Trump lobt Wladimir Putin. Trump hält wenig von der NATO, die Briten halten das Atlantische Bündnis ganz hoch.
    Kein Vorbild für Theresa May dürfte Tony Blair sein, wie er hier von George W. Bush im Weißen Haus empfangen wurde. "Wir müssen die Täter des 11. September stellen, die Terroristen besiegen und das Übel des massenhaften Terrorismus ausrotten."
    Ein Erfolg für May
    Saddam Hussein hatte keine Massenvernichtungswaffen, Tony Blair stand als Pudel George Bushs da. Theresa May reklamiert selbstbewusst, das Vereinigte Königreich und die USA wollten ihre "special relationship" erneuern und gemeinsam die Welt anführen. Bis dahin ist noch eine Wegstrecke zurückzulegen. Aber dass sie jetzt die erste ausländische Regierungschefin im Weißen Haus ist, ist ein Erfolg für Theresa May.
    Ihr Ziel ist es, einen Handelsvertrag mit den USA vorzubereiten - nachdem Trumps Vorgänger Barack Obama das vor dem Brexit abgebügelt hatte:
    "In unserem Focus stehen die Verhandlungen mit dem großen Handelsblock der EU. Das Vereinigte Königreich steht am Ende der Schlange."
    Entsetzen über Trumps Überlegungen zum Water Boarding
    Trumps Wahl beflügelt die Fantasien der Brexit-Befürworter. Ein Handelsvertrag mit den USA wäre eine Art Kompensation für die möglichen Verluste beim Handel mit den Europäern. Aber Theresa May wird mit Trump nicht nur über Handel reden können. Das letzte Interview des US-Präsidenten mit seiner Überlegung, das Water Boarding wieder zuzulassen, sorgt auch in Großbritannien für helles Entsetzen.
    "Wird die Premierministerin klarstellen, dass wir auf keinen Fall wieder in Folter hineingezogen werden wollen wie schon einmal nach dem 11. September?", fragte Mays konservativer Parteifreund Andrew Tyrie am Mittwoch unter allgemeinem Beifall.
    "Wir erlauben keine Folter, wir werden damit nichts zu tun haben, und das bleibt unsere Haltung", lautete Mays Antwort. Die Frage ist jetzt also: Wird Theresa May Donald Trump die Werte des Westens vor Augen führen? Oder ist ihr die Aussicht auf einen Handelsvertrag wichtiger? Auch in Großbritannien ist man auf die Antwort gespannt.