Mittwoch, 18. Mai 2022

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McLaren-Report
"Auch im Fußball wurde massiv manipuliert"

Der zweite Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zeigt, wie gewaltig das Ausmaß des Staatsdopings in Russland ist. Auch im Fußball sei getrickst worden, sagte der ARD-Journalist Hajo Seppelt im DLF. Über 30 Proben seien Bestandteil des Vertuschungsapparates gewesen.

Hajo Seppelt im Gespräch mit Philipp May | 11.12.2016

Der Journalist Hajo Seppelt während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro
Der Journalist Hajo Seppelt während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (dpa / picture-alliance / Stanislav Krasilnikov)
Der McLaren-Report zeige, dass auch in der Weltsportart Nr. 1 offensichtlich massiv manipuliert und getrickst worden sei. "Dabei geht es auch um harte Substanzen. All das, was klassisches Doping ausmacht, spielt also auch im Fußball eine Rolle und ist Bestandteil dieses gigantischen Systems gewesen, bei dem Dopingproben unter den Teppich gekehrt wurden", sagte Seppelt.
Von flächendeckendem Doping im russischen Fußball könne man jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sprechen. "Das kann man momentan aus den Unterlagen noch nicht erkennen."
Nach den neuen Erkenntnissen kann sich der ARD-Journalist jedoch nicht vorstellen, dass Russland die Fußball-WM entzogen werde. "Dafür gibt es viel zu viele Interessen, die da mitspielen." Dennoch werde der Druck auf Russland wachsen, auch in Bezug auf die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea.
IOC-Präsident Thomas Bach weiter in der Kritik
Die Kritik einiger Experten, Richard McLaren habe in seinem zweiten Bericht das Russische Nationale Olympische Komitee (NOK) bewusst entlastet, weist Seppelt zurück. "Wenn er keine über den Report hinausgehenden Fakten präsentieren kann, kann er auch nichts anderes erzählen. Es ist jedoch schon interessant zu sehen, dass das NOK immer außen vor gelassen wird." Für IOC-Präsident Thomas Bach sei das eine Steilvorlage, eine Kollektivsperre Russlands weiter auszuschließen. Seppelt hat dafür kein Verständnis: "Wir reden hier vom schlimmsten Szenario, das man sich im Sport vorstellen kann. Das IOC sagt immer noch, dass man Einzelpersonen bestrafen möchte. Die Glaubwürdigkeit des deutschen IOC-Präsidenten im Anti-Doping-Kampf steht mehr denn je für mich auf dem Spiel."
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Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.