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StartseiteWirtschaft und GesellschaftFalsche Tablette, Schere im Bauch16.05.2019

Mehr BehandlungsfehlerFalsche Tablette, Schere im Bauch

Behandlungsfehler kommen in Arztpraxen oder Krankenhäusern immer wieder vor. Die Zahl der festgestellten Fehler ist zuletzt etwas gestiegen. Und es gibt eine hohe Dunkelziffer, meint der Medizinische Dienst der Krankenkassen. Überlastung und Personalmangel sind dabei nicht der Hauptgrund.

Von Carolin Born

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Gestellte Aufnahme: Auf einem Röntgenbild ist eine vergessene OP-Klemme im Bauchraum eines Patienten zu sehen. (dpa / Klaus Rose)
Dieses Foto ist gestellt, aber vermutlich Sinnbild vieler Ängste von Patienten - denn manche Fehler haben schlimme Folgen. (dpa / Klaus Rose)
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Patienten haben das Recht auf eine angemessene und sorgfältige Behandlung. Erhalten sie die nicht, dann spricht man von einem Behandlungsfehler.

Ein Beispiel: Nach einer Darmspiegelung erhält ein Patient die Diagnose: Verdacht auf einen Tumor. Die Ärztin entnimmt keine Gewebeprobe, sondern operiert direkt.

"Es wird ein Stück des Darms entfernt. Es stellt sich dann heraus, dass es doch kein Tumor war, das heißt: die Operation war unnötig und der Patient hat einen Schaden erlitten, der auf einen Fehler zurückzuführen war", sagt Astrid Zobel, Ärztin beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Dieser erstellt Gutachten, wenn Patienten einen Behandlungsfehler vermuten, über 14.000 waren es im vergangenen Jahr. Erhärtet hat sich der Verdacht bei jedem vierten Gutachten.

Behandlungsfehler führen nicht automatisch zu Entschädigung

Doch nur, wenn der Fehler auch einen Schaden verursacht hat, haben Patienten Anspruch auf Schadensersatz-Zahlungen. Das war bei einem Fünftel der Fälle so. Nicht immer ist das so eindeutig feststellbar, wie in diesem Beispiel: Ein Patient bekommt ein Antibiotikum verabreicht, obwohl in seinen Unterlagen steht, dass er dagegen allergisch ist:

"Das war also bekannt, wurde aber nicht gesehen, nicht beachtet. Und die Medikamentengabe hat dann eine schwere allergische Reaktion ausgelöst, die dann auch zu einem verlängerten Krankenhausaufenthalt geführt hat."

Weitere Folgen von Behandlungsfehlern sind bleibende Narben, chronische Schmerzen oder dass die Patientin bettlägerig wird.

Zahlen nur ein Ausschnitt

Die präsentierten Zahlen sagen aber nichts über die Patientensicherheit in Deutschland aus. Denn sie beziehen sich nur auf die Fälle, in denen Patienten den Medizinischen Dienst beauftragt haben, ein Gutachten zu erstellen. Das sei nur ein kleiner Ausschnitt, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Stefan Gronemeyer. Weitere Studien zeigen, "dass auf jeden festgestellten Behandlungsfehler, über den wir hier berichten, etwa 30 unentdeckte Schadensfälle kommen. Die Dunkelziffer ist also hoch, daran besteht kein Zweifel."

Dahinter stünden viele Einzelschicksale, so die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Es brauche daher Pläne für einen Härtefallfonds, der bei tragischen Behandlungsfehlern sofort greife.

Gewissenhaftigkeit entscheidend

Überlastung und Personalmangel können zu Behandlungsfehlern führen. Das sei aber, entgegen der ersten Vermutung, nicht der Hauptgrund. Ganz entscheidend sei die Sicherheitskultur in einer Klinik oder Praxis, so Gronemeyer.

"Ist es wirklich selbstverständlich für diejenigen, die dort arbeiten, die Sicherheitsvorkehrungen, wie zum Beispiel Checklisten oder Zählkontrollen der Instrumente bei Operationen sorgfältig und gewissenhaft auch durchzuführen?"

Solche Sicherheitsmaßnahmen zielen auf leicht zu vermeidende Fehler, zum Beispiel dass Ärzte bei einer Bandscheiben-OP an der falschen Stelle operieren oder Operations-Werkzeug im Körper vergessen.

Meldesysteme wichtig für Vorbeugung

Um das zu verhindern, fordert der Medizinische Dienst eine gezielte Strategie. Doch bereits hier hapert es, weil zu wenig Fehler gemeldet werden. Ein Meldesystem für Ärztinnen und Pfleger sei enorm wichtig - beispielsweise über einen Briefkasten neben dem OP-Saal oder digital. Denn daraus sollen Maßnahmen zur Prävention entstehen. Damit weniger Fehler passieren.

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