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Mein Klassiker
Hans Nieswandt: "Ich habe vier Schallplattenspieler zu Hause"

Bereits in den frühsten Kindertagen kam der Kölner Autor, DJ und Musikproduzent Hans Nieswandt in seinem Elternhaus mit Schallplatten in Kontakt. Heute hat er vier Plattenspieler Zuhause. Vinyl-Scheiben aufzulegen, ist für Nieswandt wie eine "kleine heilige Handlung".

Von Christoph Sterz | 25.10.2016

Der DJ und Autor Hans Nieswandt
DJ und Autor Hans Nieswandt (picture alliance / dpa / Foto: Jörg Carstensen)
Hallo, ich bin Hans Nieswandt - DJ, Musikproduzent, Autor und Kölner - und mein Klassiker, mein Lieblingsfetisch ist der Schallplattenspieler. Mein erster Kontakt zu einem Schallplattenspieler befindet sich in jener nebulösen Zone zwischen Baby-Sein und Kleinkind-Werden.
Ich weiß nur, dass meine Eltern einen Schallplattenspieler hatten und ab einem gewissen Alter - ich würde mal sagen, so mit vier, fünf - bin ich wahnsinnig gerne auf dem Boden gelegen und habe mir dann Singles angehört, die meine Eltern da hatten. Ich hatte ein Lieblingslied, das hieß "Der letzte Mohikaner". Da musste ich immer weinen, weil es da eben um den letzten Mohikaner ging und ich war großer Indianer-Fan.

Und ich glaube, diese Qualität, dass man von Musik eben emotional zu Tränen gerührt oder zu totaler Euphorie hingerissen wird, ich glaube, das verbinde ich einfach auch psychologisch sehr stark mit Schallplatten.

Ich habe vier Schallplattenspieler zu Hause. Darunter würde es mir schwer fallen, mein Leben zu leben. Es ist jedes Mal eben so eine kleine heilige Handlung, die man vornimmt in dem Moment. In dem Moment, wo man die Platte schon aus der Hülle nimmt, auf den Teller legt, die Nadel einmal abpustet oder sowas, bevor man sie aufsetzt, und dann bevor man die Musik hört, das charakteristische leise Brutzeln, Knistern oder Knacken hört, das eben das Abspielen von Schallplatten ausmacht.

Die Klangqualität eines guten Schallplattenspielers mit einem guten System, eine gute Pressung damit abzuspielen über hervorragende Lautsprecher, ist überhaupt kein Vergleich mit, sagen wir mal, einem MP3-File, den man auf einem Smartphone auf der Straße plärren hört. Da kann man eine Menge mit machen, also, wenn man einigermaßen mixen kann.