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StartseiteWissenschaft im BrennpunktRasende Evolution im Großstadtdschungel24.03.2019

Menno Schilthuizen: „Darwin in der Stadt“Rasende Evolution im Großstadtdschungel

Viele Tiere sterben in freier Wildbahn aus, während sich andere in der Stadt neue Lebensräume suchen. Der Biologe Menno Schilthuizen berichtet in seinem Buch "Darwin in der Stadt" von anpassungsfähigen Arten, die im Großstadtdschungel neue Fähigkeiten entwickeln oder ihr Aussehen verändern.

Von Michael Lange

Eiun junger Waschbär schaut aus dem Schornstein. (Arco Images GmbH)
Die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume zwingt viele Tierarten, sich den Bedingungen in der Stadt anzupassen (Arco Images GmbH)
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Immer mehr Arten sterben aus. Gleichzeitig schaffen Menschen neue ökologische Nischen, insbesondere in den Städten. Tiere und Pflanzen müssen sich anpassen, um dort zu überleben. Das treibt die Evolution an. Die Vielfalt der Lebensräume in den Städten wirkt wie ein Evolutionsmotor.

Der niederländische Biologe Menno Schilthuizen ist ein guter Beobachter. Mit viel Liebe zur Natur und einer Prise Humor beschreibt er das Überleben von Tieren und Pflanzen in einer scheinbar unwirtlichen, menschgemachten Umwelt. Er stellt klar: Wenn wir die Natur als bedroht oder hilfsbedürftig ansehen, betrachten wir nur einen Teil der Wirklichkeit. Mit vielen Beispielen lenkt er den Blick seiner Leser auf Lebewesen, die durchaus in der Lage sind, sich an widrigste Umweltbedingungen anzupassen. 

Falter passen ihre Farbe an

Das bekannteste Beispiel ist der Birkenspanner. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Schmetterling stets weiße Flügel und war auf hellen Birkenstämmen gut getarnt. Je schmutziger die Luft in den Industriegebieten wurde, umso häufiger fanden Zoologen dunkelgraue Exemplare, die nun besser an ihre Umwelt angepasst waren. Seit etwa 1970 nimmt die Rußbelastung merklich ab, und die Schmetterlinge werden wieder weiß. Ein anderes Beispiel sind Anolis-Echsen in der Karibik. Sie eroberten die Städte, indem sie längere Beine und mehr Haftlamellen an den Füßen entwickelten. Im Gegensatz zu ihren Vorfahren und Verwandten vom Lande können sie nun blitzschnell steile Betonwände emporklettern. 

Das Buch des Biologen Menno Schilthuizen liefert zahlreiche, oft unerwartete Informationen und gute Unterhaltung für Naturinteressierte. Dabei verharmlost es keineswegs den Artenschwund oder die Zerstörung ursprünglicher Lebensräume. Es präsentiert eine Natur, die unter Druck steht, die sich aber nicht so leicht unterkriegen lässt. 

Menno Schilthuizen: "Darwin in der Stadt. Die rasante Evolution im Großstadtdschungel."
Aus dem Englischen von Kurt Neff und Cornelia Stoll
DTV Verlag, 368 Seiten, 22 Euro

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