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StartseiteSprechstunde"Dann heißt es, der ist zum Lehrer gegangen"03.05.2016

Mobbing auf dem Schulhof "Dann heißt es, der ist zum Lehrer gegangen"

Wie umgehen mit Mobbing in der Schule? Selbstbewusst auftreten sei immer noch die beste Strategie, sagen drei Abiturienten. Oder sich mit Schülern aus anderen Klassen anfreunden, um nicht alleine dazustehen. Denn Mobbing betreffe stets nur Einzelne. Zum Lehrer zu gehen oder die Eltern einzubeziehen hingegen mache einen nur noch mehr zum Opfer.

Von Renate Rutta

Schüler an einem Gymnasium sitzen nebeneinander auf einer Tischtennis-Platte.  (dpa/Frank Rumpenhorst)
"Viele wollen sein wie alle", heißt es in der Sinus-Studie "Wie Jugendliche ticken" (dpa/Frank Rumpenhorst)
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Das mündliche Abitur haben sie gerade hinter sich. Wir treffen drei Kölner Schüler. Sie erinnern sich, in welchem Alter Mobbing in der Schule am häufigsten vorkam.

"Zwischen 10,11 und 14 Jahren, dann nimmt es immer weiter ab. Es ist eine Frage der Reifung."

"Er ist wegen seiner Größe angreifbar."

"Ich wurde gemobbt früher, weil ich so klein war. Aber es ist eine generelle Geschichte, ob man selbstbewusst ist oder nicht. Das ist meine Überzeugung. Wer nicht selbstbewusst auftritt, der ist sofort angreifbar."

Am meisten findet Mobbing zwischen der fünften bis siebten Klasse statt

"Also ich würde sagen, fünften bis siebte Klasse, wenn die Fünftklässler neu auf die Schule kommen und sich das so durchmischt, dann haben die meisten Angst, sind schüchtern und da fängt es an, dass man den anderen durch seine Unsicherheit ärgern will. Die Pubertierenden, dann geht es richtig los, denke ich, im siebten, achten Schuljahr."

Kann Mobbing jeden treffen in der Schule? "Es ist schon so, dass sich Leute, die anders sind zwischen der fünften und siebten Klasse, dass man seine Gruppe dann aufputscht, diejenigen runter zu putschen."

"Ja wenn man ein bisschen rausfällt; Leute, die korpulenter sind fallen dann ins Bild." Wie sieht das dann konkret aus, wenn Schüler gemobbt werden?

"Angefangen bei den billigsten Witzen, die keinerlei Bezug hatten, bodenlose Beleidigungen bis zu Bloßstellen vor der Klasse. Ich habe das noch so in Erinnerung, dass man innerhalb seiner Gruppe geschlossen agiert hat, um stärker da zu stehen. Ich meine, das ist nicht immer grundlos. Man hat ja immer etwas, was man quasi anprangert."

Was kann ein Schüler selbst tun, damit das Mobbing wieder aufhört? "Es kommt einfach darauf an, ob man gewisse Intelligenz aufweist, weil wenn man damit gut umgehen kann, dann hört das auch schneller auf."

"Man sollte mit sozialen Kontakten versuchen rauszukommen"

Was sollte man tun, die Lehrer um Hilfe bitten? "Also Lehrer ist immer blöd. Wenn man bei seinem Lehrer Hilfe sucht, dann steht man noch mal mehr, nicht Opfer jugendsprachlich, sondern als Opfer dieses Vorgangs da, wenn das so öffentlich beredet wird. Und das ist auf keinen Fall förderlich für die Situation, denn dann heißt es ja, der ist zum Lehrer gegangen."

"Es ist natürlich nicht so einfach, da einen Weg zu finden. Man kann dann versuchen, in anderen Klassen oder Stufen Leute zu finden, mit denen man sich versteht, weil sobald man als geschlossene Einheit agiert, wird da nichts mehr dagegen gesagt, sag ich mal. Das richtet sich gegen Einzelpersonen."

Und wenn die Eltern eingreifen und mit den Mobbern sprechen, was passiert dann?

"Wenn die Eltern mit einem so persönlich reden, inwiefern nimmt man das ernst? Da stellt man nur zur Schau, dass derjenige wehrlos ist und das macht es noch attraktiver dann für Täter, das zu praktizieren. Ist nicht so einfach. Man sollte mit sozialen Kontakten versuchen, rauszukommen denke ich mal, ja."

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