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StartseiteUmwelt und VerbraucherVCD: Interessenskonflikt kocht mit den elektrischen Tretrollern hoch04.04.2019

MobilitätVCD: Interessenskonflikt kocht mit den elektrischen Tretrollern hoch

Bald sollen in Deutschland elektrische Tretroller auf Straßen und Gehwegen fahren dürfen. Dazu brauche es grundsätzlich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, sagte Anika Meenken vom Verkehrsclub VCD im Dlf. Sie schlägt vor, Fahrbahnen zu verkleinern oder Parkraum zu streichen.

Anika Meenken im Gespräch mit Georg Ehring

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Drei E-Scooter, auch E-Roller genannt, warten auf Kundschaft (picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)
Drei E-Scooter, auch E-Roller genannt, warten auf Kundschaft (picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)
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Georg Ehring: Die E-Roller kommen! Je nach Geschwindigkeit und örtlichen Verhältnissen sollen elektrisch verstärkte Tretroller künftig auf Straßen, Rad- und Gehwegen erlaubt sein. Das hat das Bundeskabinett gestern beschlossen. Die Politik verspricht sich von diesen neuartigen Fahrzeugen ein großes Potenzial für umweltverträglichen Verkehr. Wo das Potenzial liegt und wie es sich mit anderen Verkehrsteilnehmern verträgt, darüber habe ich vor dieser Sendung mit Anika Meenken vom ökologisch orientierten Verkehrsclub VCD gesprochen, und ich habe sie zunächst gefragt, ob sie schon mal so einen E-Roller ausprobiert hat.

Anika Meenken: Nein, habe ich leider nicht. Ich hätte tatsächlich große Lust dazu, aber nein, ich hatte noch nicht die Möglichkeit.

Ehring: Wie sehen Sie denn das Potenzial dieser Fahrzeuge?

"Für die Fußgänger gibt es einen besonderen Schutzbedarf"

Meenken: Der VCD begrüßt, dass die jetzt rechtssicher zugelassen werden. Das ist, wie auch das Verkehrsministerium sagt, ein Schritt, um die Verkehrswende umzusetzen, indem man eine weitere nachhaltige Mobilitätsoption schafft. Wir sehen das Potenzial im Bereich der Multimodalität. Das heißt, um gut vernetzt mit mehreren Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen.

Ehring: Schnellere E-Roller sollen ja auf Radwegen oder auf der Straße fahren dürfen – solche, die 12 bis 20 Stundenkilometer schaffen -, langsamere gegebenenfalls auf dem Fußweg. Ist das aus Ihrer Sicht sachgerecht?

Meenken: Wir würden uns wünschen, dass es nur eine Kategorie gibt, nur die schnelleren ab zwölf. Das war ja auch der ursprüngliche Entwurf und das macht es natürlich auch leichter, die später zu kontrollieren. Grundsätzlich geht es natürlich darum, den Fußverkehr zu schützen. Das ist ein ganz besonders sensibler Raum. Grundsätzlich brauchen wir überall mehr Platz, wenn die denn jetzt auf Fuß- und Radverkehrsanlagen fahren sollen.

Ehring: Mich hat heute eine Hörermail erreicht. Viele Fußgänger hätten Angst davor, angefahren zu werden von solchen E-Rollern. Schon Radfahrer auf Gehwegen seien ein großes Problem. Wie sieht das aus Ihrer Sicht aus? Gibt es da zusätzlichen Schutzbedarf?

Meenken: Ja, klar! Für die Fußgänger gibt es einen besonderen Schutzbedarf. Das ist ja auch ein Aufenthaltsraum auch für Kinder und Ältere, und wir müssen einfach aufpassen, wenn wir jetzt noch eine weitere Fahrzeugkategorie zulassen, dass wir gucken, wo nehmen wir den Platz her. Der Radverkehr braucht den Platz, der ist schon zu eng, deswegen weichen die ja oft auch auf die Gehwege aus, oder weil sie sich unsicher fühlen. Wenn man den Platz vom fahrenden oder ruhenden Autoverkehr umwidmen würde – der ist ja da -, hätte man natürlich auch die Möglichkeit, dort alle sicher unterzubringen.

E-Roller auf Gehwegen "keine gute Lösung"

Ehring: Das heißt, man müsste Fahrbahnen schmaler machen, oder Parkraum wegstreichen?

Meenken: Beides! Grundsätzlich ist beides eine Option. Vor allem, wenn wir auch über Tempo 30 innerorts nachdenken als Regelgeschwindigkeit – mit Ausnahmen Tempo 50 -, weil durch Tempo 30 brauche ich auch nicht mehr so breite Straßen.

Ehring: Es gibt ja auch den Gedanken, eigene Spuren für solche Verkehrsmittel zu verwenden. Ist das eine Idee?

Meenken: Das wird dann nach wie vor eine Platzfrage sein, und das ist ja gerade der Interessenskonflikt, der jetzt hochkocht. Wir haben eine begrenzte Anzahl an Flächen zu vergeben, und ob das jetzt über eine zusätzliche Spur für diese Fahrzeuge funktioniert, oder ob man dem Fuß- und dem Radverkehr mehr Platz gibt, ist dann die andere Lösung.

Ehring: Sie haben sich gerade dafür ausgesprochen, dass es nur eine Kategorie gibt. Jetzt gibt es zwei Kategorien, die relativ langsamen bis zwölf Stundenkilometer und die schnelleren. Warum sollte man diesen Unterschied nicht machen?

Meenken: Die schnelleren, die kann man aufgrund der Geschwindigkeiten 12 bis 20 Kilometer pro Stunde besser dem Radverkehr zuordnen. Die langsamen, wenn sie bis zwölf Kilometer pro Stunde gehen, sind dann trotzdem noch mal dreimal so schnell als der Fußverkehr. Das heißt, es ist keine gute Lösung, die auf Fußverkehr-Flächen fahren zu lassen. Aber sie sind dann auch wiederum zu langsam für den Radverkehr. Deswegen ist es besser, einfach nur eine Kategorie zu haben, die dem Radverkehr zugeordnet wird, und dann sind die Kontrollen fürs Ordnungsamt oder für die Polizei auch einfacher.

Ehring: Aber das ändert ja nichts daran, dass die langsameren produziert werden und die sich dann auf dem Radweg vielleicht unwohl fühlen.

Meenken: Genau. Wie gesagt, das ist keine optimale Lösung aus unserer Sicht, und um da jetzt irgendwie eine Lösung hinzubekommen – man will dem Fußgänger ja nicht noch weiter auf die Pelle rücken -, muss man dann mehr Flächen für den Radverkehr schaffen.

Ehring: Das Interview mit Anika Meenken haben wir kurz vor dieser Sendung aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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