Artemis-Mission
Der neue Wettlauf zum Mond

Mehr als 50 Jahre nach der ersten Mondlandung geht es wieder los: Großmächte wie die USA und China wollen zum Mond und dort Forschungsstationen errichten. Auch private Investoren mischen mit. Was treibt sie an?

    Nachthimmel am 01.02.2026 über Cape Canaveral in Florida. Links im Bild eine senkrecht stehende Orion-Rakete, rechts im Bild ein orangefarbener Vollmond.
    Die Orion-Rakete steht bereit: Anfang 2026 soll sie Richtung Mond abheben und diesen im Rahmen der Artemis II-Mission einmal umrunden. (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Jennifer Briggs)
    Weltraummissionen sind ziemlich teuer. Allein die Kosten für die Artemis II-Mission, die im März 2026 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida starten soll, werden auf rund vier Milliarden Dollar geschätzt. Dennoch planen derzeit viele Nationen, weiter in den Weltraum vorzudringen. Allen voran China und die USA.
    China will bis 2030 Menschen auf den Mond schicken, die USA wollen schneller sein. Die Artemis II-Mission gilt als Generalprobe für die nächste Mondlandung, die frühestens 2027 stattfinden soll. Zuletzt hat im Jahr 1972 ein Mensch den Mond betreten.

    Inhalt

    Was versprechen sich die USA von einer Mondlandung?

    Die NASA begründet ihre neuen Mond-Ambitionen so: „Für wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und um eine neue Generation von Entdeckern zu inspirieren“. Für den Astrophysiker und „Mr. Sternzeit“ Dirk Lorenzen ist das eine vorgeschobene Begründung. Für ihn ist die Wissenschaft nur ein Feigenblatt. 
    „Dahinter steckt das Streben nach politischem Prestige. Die Reise zum Mond wäre eine Machtdemonstration. Wie einst bei Apollo haben Mondflüge nur sehr wenig mit Wissenschaft zu tun“, sagt Dirk Lorenzen. Zwar sei der Mond noch relativ unerforscht, aber man müsse keine Menschen hinschicken, sondern könnte den Erdtrabanten auch mit automatischen Sonden erkunden.   
    Das Artemis-Programm wird von der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA gemeinsam mit internationalen Partnern darunter der europäischen ESA, der japanischen JAXA und der kanadischen CSA sowie mit privaten Raumfahrtunternehmen wie Blue Origin und SpaceX betrieben.

    • Im November 2022 brach ein unbemanntes Orion-Raumschiff zu einer Mondumrundung auf (Artemis I).
    • Im Frühjahr 2026 sollen vier Raumfahrer den Mond umrunden (Artemis II). Der erste Starttermin im Februar musste wegen Kälte und daraus resultierender technischer Probleme verschoben werden.
    • Die Artemis III-Mission sieht eine Mondlandung vor. Zwei Astronauten der vierköpfigen Besatzung sollen 2027 den Südpol des Mondes erkunden.
    • Die vierte Artemis Mission, die ebenfalls eine Mondlandung beinhaltet, ist für 2028 geplant. An Bord des Raumschiffs wird voraussichtlich auch ein deutscher Astronaut sein.
    • Die Artemis V-Mission soll ebenfalls zwei Astronauten auf den Mond bringen. Wann es soweit sein wird, ist noch nicht bekannt.
    Wie dringlich die USA Menschen auf den Mond schicken will, zeigt sich auch daran, dass die NASA für die Mondmissionen eng mit ausländischen Partnern zusammenarbeitet. Das habe es in der Form in der US-amerikanischen Raumfahrt noch nie gegeben, sagt Dirk Lorenzen. Ob die USA ihre ehrgeizigen Pläne erfüllen und China zuvorkommen können, bezweifelt er dennoch. 
    „US-Präsident Trump hat ja fast ein bisschen in Verzweiflung im Dezember ein Dekret unterschrieben, das festlegt: bis 2028 sollten Amerikaner auf dem Mond landen. Das ist ein bisschen naiv. Man kann Raumfahrttechnik nicht per Dekret verordnen. Landen auf dem Mond ist schwierig und die Amerikaner haben eben noch überhaupt keine Landefähre.“ SpaceX hänge mit der Entwicklung der Landefähre viele Jahre hinterher.  
    Drei Astronauten und ein Astronautin in orangefarbenen Raumanzügen der NASA posieren für das Foto. Es handelt sich um Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und Jeremy Hansen.
    Die Besatzung der ersten bemannten Mond-Mission seit Jahrzehnten: die NASA-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman sowie Jeremy Hansen von der kanadischen Raumfahrtbehörde CSA. (picture alliance / abaca / ABACA)

    Welche Rolle spielt Deutschland?

    Auch Deutschland will beim Wettlauf zum Mond nicht an der Seitenlinie stehen. Unter Kanzler Friedrich Merz wurde im Mai 2025 das Bundesministerium für Bildung und Forschung umbenannt in Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Dorothee Bär (CSU) leitet das Ministerium und erklärte im Oktober auf Instagram, dass Deutschland und Europa den Wettlauf zum Mond gewinnen müssen, denn Mondmissionen seien kein Selbstzweck. Sie dienten der Forschung, der Entwicklung neuer Technologien und seien sicherheitspolitisch relevant.
    Innerhalb der europäischen Raumfahrtbehörde ESA ist Deutschland der größte Beitragszahler. Darüber hinaus liefert Deutschland viele technische Komponenten für die Artemis-Missionen. „Ohne europäische Technik könnten die Amerikaner nicht zum Mond fliegen“, sagt Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen.
    Das Servicemodul der Orion-Raumschiffe wird bei Airbus in Bremen hergestellt. Für eine Raumfahrt ist es unverzichtbar: Es treibt das Raumschiff an und regelt die Temperatur im Innern. Darüber hinaus dient es als Lagerraum für Treibstoff, Sauerstoff und Wasser. Aus Jena stammt der Sternsensor von Jena Optronik. Dieser sorgt dafür, dass das Raumschiff seinen Kurs hält. 
    In Köln befindet sich das Mondzentrum LUNA. Es simuliert auf 700 Quadratmetern die staubige Mondoberfläche mit Hügeln und Kratern und die besonderen Lichtverhältnisse, die auf dem Mond vorherrschen. NASA-Astronauten werden sich dort auf ihren Mondspaziergang vorbereiten. 
    Ein deutscher Astronaut ist erst für die vierte Artemis-Mission vorgesehen, die frühestens 2028 zum Mond aufbrechen wird. Alexander Gerst und Matthias Maurer kommen als erfahrene Astronauten für die Mission infrage. Wer mitfliegen darf, ist aber derzeit noch offen.   

    Warum wollen private Investoren das Weltall erobern?

    Die Firmen SpaceX und Blue Origin von den Multimilliardären Elon Musk und Jeff Bezos entwickeln Raketen und Landefähren, mit denen die NASA zum Mond aufbrechen soll. Beide brüsten sich damit, ein neues Weltraumzeitalter eingeläutet zu haben. 
    Dabei gehe es ihnen „um eine Verklärung der privaten Weltraumindustrie und auch der Raumfahrt im Allgemeinen als Lösungs- und Erlösungsprojekt, in dem die Menschheit in eine glorreiche Zukunft geführt werden soll“, sagt Jens Temmen, Professor für Amerikanistik an der Uni Eichstätt Ingolstadt.
    „Da wird sozusagen die menschliche Zukunft im All zunehmend als existenzielle Notwendigkeit inszeniert, also als Voraussetzung für das Überleben menschlicher Zivilisation angesichts der Polykrise auf der Erde.“ Anstatt den Klimawandel auf der Erde zu bekämpfen, soll die Menschheit aufs Weltall ausweichen und den Mars besiedeln. 
    Amerikanist Jens Temme hält es für gefährlich, dass Elon Musk die Abhängigkeit der Menschheit von der Biosphäre auf der Erde herunterspielt. Denn ob Menschen überhaupt auf dem Mars leben könnten, sei aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge völlig unklar. Der Mars sei kein Ersatz für die Erde. 
    Darüber hinaus habe Musk noch eine Vision, der eine „futuristisch-faschistoide Blut und Bodenideologie“ zugrunde liege. „Da geht es darum die richtigen Menschen zu selektieren. Die werden von diesen Tech-Eliten selektiert und die sollen sich dann im Weltraum ausbreiten und dann kommt es irgendwie zu einer kosmischen Evolution der Menschheit.“   

    Online-Text: Kristina Reymann-Schneider