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Startseite@mediasresFreispruch für Unternehmer Kocner für Medien ein Schock03.09.2020

Mord an Jan KuciakFreispruch für Unternehmer Kocner für Medien ein Schock

Der slowakische Millionär Marian Kocner, über den Jan Kuciak vor seiner Ermordung recherchiert hatte, ist vorerst freigesprochen worden. Nach der Tat habe sich das Klima gegenüber Journalistinnen und Journalisten im Land verändert, beobachtet Korrespondent Peter Lange.

Peter Lange im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

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Marian Kocner wird am 13. Januar 2020 von Sicherheitskräften in den Gerichtssaal geführt (imago images/CTK Photo/Vaclav Salek)
Der Millionär Marian Kocner hatte Jan Kuciak laut Staatsanwaltschaft vor dem Mord bedroht (imago images/CTK Photo/Vaclav Salek)
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Kocner war verdächtigt worden, Drahtzieher des Mordes gewesen zu sein, wurde heute aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ein Mitangeklagter wurde hingegen wegen Beihilfe zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft kann gegen die Urteile noch Rechtsmittel einlegen und hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen. Der Täter, der den Auftragsmord begangen und gestanden hatte, war schon im April zu 23 Jahren Haft verurteilt worden.

Kocner ließ den Journalisten beschatten

Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnírová waren im Februar 2018 in ihrem Haus erschossen worden. Der Investigativ-Reporter vom Nachrichtenportal "aktuality.sk" hatte zu Korruption und Mafia-Verbindungen in Regierungskreisen recherchiert - auch rund um den slowakischen Millionär Marian Kocner und seine Geschäfte. Wie sich im Prozess zeigte, hatte der Geschäftsmann dem Reporter daraufhin am Telefon bedroht und ihn beschatten lassen. 

In den Redaktionsräumen von Aktuality.sk erinnert ein Plakat an Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova  (Deutschlandfunk/ Kilian Kirchgeßner) (Deutschlandfunk/ Kilian Kirchgeßner)Nach dem Mord an Jan Kuciak: Investigativ-Ressorts auf Hochtouren
Als eine Ursache für den Mord an dem Reporter und seiner Verlobten sehen viele den verrohten Umgang mit Journalisten in der Slowakei. Doch das Bewusstsein in der Bevölkerung hat sich verändert – ebenso wie die Arbeit in den Redaktionen.

Für die Medien in Bratislava sei das Urteil ein großer Schock, sagte Korrespondent Peter Lange im Dlf. "Alle unterstellen, dass das Urteil Hand und Fuß hat, insoweit dass das Gericht es sich nicht zu leicht gemacht hat." Aber man sei damit dennoch nicht zufrieden.

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen kritisierte das Urteil als verpasste Chance, ein dringend nötiges Zeichen gegen Straflosigkeit und mafiöse Strukturen in Staat und Gesellschaft der Slowakei zu setzen. "Das Urteil sendet ein verheerendes Signal an alle Journalistinnen und Journalisten, die unter großen persönlichen Risiken über korrupte und kriminelle Machenschaften berichten", heißt es in einer heute veröffentlichten Stellungnahme.

Umfangreiche Prozessberichterstattung

Grundsätzlich sei die Medienfreiheit in der Slowakei nicht gefährdet gewesen, betonte Lange. Aber der Ton sei früher rau gewesen, Journalisten seien ständig aus dem politischen Raum beschimpft und bedroht worden: "Das hat sich nach dem Mord an Jan Kuciak geändert."

Die Medien haben dem ARD-Korrespondenten zufolge den Prozess sehr intensiv begleitet und auch sehr viel Material aus den Ermittlungsakten veröffentlich, das ihnen zugespielt worden sei. Zudem gebe es in der Slowakei ein sehr fortschrittliches Informationsfreiheitsgesetz, von dem Journalistinnen und Journalisten auch häufig Gebrauch machen würden.

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