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StartseiteZwischentöneDer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel15.12.2019

Musik und Fragen zur PersonDer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel

Rudolf Hickel zählt zu den profiliertesten Volkswirten und Finanzwissenschaftlern Deutschlands. Allgemeine Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt durch seine fundierte Kritik am Finanzkapitalismus.

Im Gespräch mit Michael Langer

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Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. (Imago / Ulli Winkler)
Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel (Imago / Ulli Winkler)
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Rudolf Hickel, 1942 in Nürnberg geboren, studierte Wirtschaftswissenschaft an der Universität Tübingen. Er war Stipendiat des Cusanuswerks. 1974 wurde er Professor für Politische Ökonomie, später bekam er den Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen und wurde Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft (IAW). 

Er ist Mitbegründer der "Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik", die seit 1975 jedes Jahr alternative Gutachten zum "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" vorlegt. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac.

Zu seinen populärsten Buchveröffentlichungen gehört die 2012 erschienene Streitschrift "Zerschlagt die Banken - Zivilisiert die Finanzmärkte". 


Immer weniger sozialer Zusammenhalt

Der Wirtschaftswissenschaftler Hickel hat beklagt, dass Ökonomen soziale Probleme wie Armut zu wenig untersuchen.

Es gebe immer weniger sozialen Zusammenhalt, sagte Hickel im Deutschlandfunk. Der Mitbegründer der "Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik" betonte, Wissenschaftler hätten eine ethische Verpflichtung denjenigen gegenüber, denen es in der Gesellschaft sehr schlecht gehe.

Homo Oeconomicus ist "asozial"

Hickel beklagte, dass den heutigen Wirtschaftswissenschaften die Offenheit und Pluralität fehle sowie die Bereitschaft, Theorien auch widerlegen zu lassen: "Der Homo Oeconomicus ist eine blöde, trostlose Figur." Er maximiere lediglich seine monitären Interessen. Inzwischen sei erkannt worden, dass er ein "asozialer Typ" sei.

Die Finanzkrise habe zudem Theorien widerlegt, nach denen die Finanzmärkte immer stabil seien. Es gehe um eine plurale Ökonomie, bei der Ansätze "aufeinander losgelassen" würden.

Der Wirtschaftswissenschaftler sprach auch von "Rationalitätsfallen" im Kapitalismus: Auch wenn der Einzelne alles richtig mache, könne am Ende doch eine Krise zustande kommen. Bei der Finanzkrise seien alle den Spekulationsgewinnen nachgerannt. Sie hätten sich damit für sich selbst rational verhalten und doch eine Irrationalität, sprich Krise, hervorgerufen.

Man sei jetzt in einer Phase, in der man merke, dass man mehr Regulierung und sozialstaatliche Absicherung brauche: "Sonst fliegt uns die Gesellschaft um die Ohren."

Umweltkrise "systemgefährdend" für den Kapitalismus

Mit Blick auf die Umweltkrise sagte Hickel, diese werde eine völlig neue Debatte auslösen über den Konsumismus. Dieser müsse unter Nachhaltigkeitsaspekten neu diskutiert werden. Man werde hier eher bremsen als expandieren.

Die ökologische Krise gefährde sogar das System des Kapitalismus, betonte Hickel. Die Überlebensfrage für den Kapitalismus sei: Wie können ökologische Kosten, also Umweltverschmutzung, so eingepreist werden, dass sie vermieden werden. Umweltfragen hätten auf jeden Fall Priorität, und die Kosten müssten sozialverträglich gestaltet werden.

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