Militärausschuss
Nach der Nominierung von Generalinspekteur Breuer für wichtigen Posten: Was bedeutet das für die NATO?

Die Bundesregierung hat den Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, als Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses nominiert. Die Wahl für den Posten an der Spitze des obersten militärischen Gremiums findet im September statt. Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zu der Nominierung.

    Die Fahnen von der EU und den USA auf NATO-Fahne, Fotomontage
    Die europäischen Mitglieder übernehmen mehr Verantwortung in der NATO - doch die USA steigen nicht aus. (picture alliance / Chromorange / Christian Ohde)
    Bundesverteidigungsminister Pistorius gab die Nominierung vor einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel bekannt. Der SPD-Politiker sagte, er freue sich, dass Deutschland mit Breuer einen exzellenten Kandidaten für diesen Ausschuss habe.

    Wer ist Carsten Breuer?

    Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur der Bundeswehr und damit der ranghöchste Soldat Deutschlands. Er wurde 1964 in Letmathe geboren, einem heutigen Stadtteil von Iserlohn in Nordrhein-Westfalen. Breuer ist seit 1984 Soldat und schloss 1988 sein Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg ab. Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur war Breuer Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, das er selbst aufgebaut hat. Bekanntheit erlangte er auch als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt.

    Wie wichtig ist der NATO-Militärausschuss?

    Der Militärausschuss berät den Nordatlantikrat und die nukleare Planungsgruppe der NATO. Er gilt als Verbindung zwischen den politischen und den militärischen Strukturen des Verteidigungsbündnisses. Den Vorsitz übernimmt traditionell ein europäischer Vier-Sterne-General. Derzeitiger Vorsitzender ist der Italiener Guiseppe Cavo Dragone. Seine Amtszeit endet im Sommer 2027. Seinen Nachfolger wählen die 32 Mitgliedstaaten im September. Um gewählt zu werden, muss ein Kandidat mindestens 17 Stimmen erhalten.

    Wie oft hat Deutschland schon den Vorsitzenden des Ausschusses gestellt?

    Seit 1963 gibt es den Militärrat in seiner jetzigen Form. Deutschland hat seitdem fünfmal den Vorsitzenden gestellt. Häufig waren es - so wie jetzt bei Breuer - die Generalinspekteure der Bundeswehr, die für den NATO-Posten nominiert wurden. Der letzte deutsche Vorsitzende - von 2002 bis 2005 - war General Harald Kujat.

    Kann man das als Rückzug der USA aus wichtigen NATO-Gremien sehen?

    Nur zum Teil. Deutschland wird in der militärischen Kommandostruktur der NATO zwar künftig mehr Spitzenposten besetzen als die USA. Dafür übernehmen die USA an anderer Stelle mehr Verantwortung. Nach Angaben der NATO sind die Veränderungen seien Teil eines Kurswechsels hin zu einer faireren Lasten- und Verantwortungsverteilung innerhalb des Bündnisses. Europäische Alliierte sollen dabei mehr Führungsaufgaben in der Kommandostruktur übernehmen als bisher.
    Konkret ist geplant, dass Großbritannien von den USA das Kommando über das Joint Force Command Norfolk im US-Bundesstaat Virginia übernimmt und Italien von den USA das Kommando über das Joint Force Command in Neapel. Deutschland und Polen werden sich zudem das Kommando über das Joint Force Command Brunssum im Rotationsprinzip teilen.
    Damit werden künftig alle drei Joint Force Commands von Europäern geleitet. Diese sogenannten Vier-Sterne-Kommandos übernehmen bei Krisen und Konflikten die Leitung auf der operativen Ebene.

    Welche Rolle übernehmen die USA künftig in der NATO?

    Nach Angaben der NATO werden die USA weiter militärische Führungsverantwortung übernehmen - unter anderem, indem sie auch künftig den Posten des Oberbefehlshabers der NATO-Streitkräfte in Europa besetzen.
    Zudem werden die Vereinigten Staaten alle drei sogenannten Component Commands führen und dabei auch neu die Verantwortung für das NATO-Seestreitkräftekommando in Großbritannien übernehmen. Bereits heute führen sie das Landstreitkräftekommando in der Türkei sowie das alliierte Kommando für Luftstreitkräfte auf dem Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz.
    Diese Nachricht wurde am 12.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.