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Nach Einreiseverweigerung in der TürkeiARD-Korrespondent zurück in Kairo

ARD-Korrespondent Volker Schwenck wurde bei seiner Einreise in die Türkei festgesetzt. (picture alliance/dpa - SWR)
ARD-Korrespondent Volker Schwenck wurde bei seiner Einreise in die Türkei festgesetzt. (picture alliance/dpa - SWR)

Der ARD-Korrespondent Volker Schwenck ist wieder zurück in Kairo. Er war am Morgen bei seiner Einreise in die Türkei festgesetzt worden und verbrachte den größten Teil des Tages am Istanbuler Flughafen. Die Hintergründe für das Einreiseverbot sind noch unklar. Kanzlerin Merkel hatte sich zuvor beunruhigt gezeigt.

"Den genauen Grund kenne ich immer noch nicht", sagte Volker Schwenck im Interview mit Carmen Miosga in den Tagesthemen. "Ich habe heute Morgen um sechs Uhr, als ich in Istanbul einreisen wollte, einen Vordruck ausgehändigt bekommen, da stand ein Paragraf drauf. Die Kollegen in Istanbul haben dann herausgefunden es hat irgendwas mit Grenzverletzung zu tun. Aber mehr wurde mir nicht mitgeteilt, den ganzen Tag über wurde ich nicht befragt, wurde ich nicht vernommen. Wenn ich Polizisten gefragt habe, warum bin ich eigentlich hier, hieß es nur, ja weil sie nicht in die Türkei einreisen dürfen. Aber weitere Gründe wurden nicht angegeben. Ich weiß es schlichtweg nicht", so Schwenck. Der Südwestrundfunk, für den Volker Schwenck, Studioleiter der ARD in Kairo, arbeitet, hatte am Abend bestätigt, dass der Korrespondent in Kairo gelandet sei. 

Schwenck war ursprünglich auf dem Weg von Kairo ins türkisch-syrische Grenzgebiet, um dort eine Reportage über Flüchtlinge zu drehen. 

Türkische Grenzbeamte hatten ihn am Dienstagvormittag am Flughafen Istanbul in Gewahrsam genommen. Gründe seien Schwenk zunächst nicht genannt worden, so der SWR. Demnach bekam Schwenck lediglich ein Papier mit der amtlichen Mitteilung ausgehändigt, dass gegen ihn ein Einreiseverbot vorliege. Der Sender war im Anschluss in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und der deutschen Botschaft in der Türkei. Nach 12 Stunden durfte er nach Ägypten zurück fliegen. "Die Polizeibeamten in Istanbul haben mich anständig behandelt, ich konnte mich in der Polizeistation frei bewegen, aber ich durfte sie nicht verlassen, ich wurde da quasi festgehalten", sagte Schwenk in der ARD. Er habe großes Interesse daran, dass die Sache geklärt werde. Denn: "Für die Berichterstattung über Syrien ist es absolut notwendig, dass wir in die Türkei reisen dürfen. Wenn das nicht mehr geht, wäre es ein großes Problem, aber das müssen die Juristen jetzt klären."

Merkel zeigt sich besorgt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich in Berlin zu Schwencks Fall geäußert: "Wir verfolgen das und sehen das mit gewisser Sorge." Man habe sich sofort um den Sachverhalt gekümmert. Vor allem das Auswärtige Amt habe mit den zuständigen türkischen Stellen in Kontakt gestanden, um die "Arbeitsfähigkeit" des Journalisten wieder herzustellen.

Mitarbeiter des Generalkonsulats in Istanbul hatten Schwenck laut Angaben des Auswärtigen Amts am Flughafen betreut.

Vizekanzler Gabriel fordert, Schwenck weiterreisen zu lassen

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat das Verhalten der türkischen Behörden als "problematischen Akt" bezeichnet. So könne man nicht mit Journalismus und freier Berichterstattung umgehen, sagte er am Rande seines Marokko-Besuchs in Rabat. Gabriel hatte Schwenck noch am Wochenende während seines Aufenthalts in Kairo gesprochen. Er sagte am Nachmittag vor Schwencks Rückreise nach Kairo: "Ich hoffe sehr, dass die türkische Regierung diesen Fehler schnell korrigiert und ihn nicht etwa ausweist, sondern ihn natürlich weiterreisen lässt. Das wäre die adäquate Antwort auf diesen Vorfall."

Auch der Redakteursausschuss des SWR positionierte sich zu Schwencks Einreiseverbot.

Der Deutsche Journalisten-Verband forderte die türkischen Behörden in einer Stellungnahme auf, Schwenck sofort freizulassen und ihn ungehindert seine Recherchen durchführen zu lassen. Der DJV-Vorsitzende Frank Überall meint, das Vorgehen der Behörden gegen Schwenck sei reine Schikane, die durch nichts zu rechtfertigen sei. Der Kollege müsse unverzüglich auf freien Fuß gesetzt werden. Aus Überalls Sicht rächt sich jetzt das Entgegenkommen von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fall Böhmermann gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan.

Bereits im vergangenen Monat hatte das Verhalten türkischer Behörden gegenüber einem deutschen Korrespondenten für Schlagzeilen gesorgt: "Spiegel Online" musste seinen langjährigen Istanbul-Korrespondenten Hasnain Kazim aus der Türkei abziehen, weil die Behörden seine Presse-Akkreditierung nicht verlängern wollten.

Schwencks Hörfunkkollege Thomas Bormann aus dem ARD-Studio Istanbul glaubt nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen Schwencks Einreiseverbot und der Causa Böhmermann gebe, sagte er dem SWR. Man habe in letzter Zeit erlebt, wie die türkische Regierung und Präsident Erdogan immer häufiger und in immer kürzeren Abständen in die Pressefreiheit eingriffen. Das betreffe vor allem die türkischen Kollegen im Inland.

(vic/tj/sima)

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