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Nach Eklat beim SpitzenspielGriechische Fußball-Meisterschaft unterbrochen

Der Besitzer des griechischen Erstligisten PAOK Saloniki, Iwan Savvidis, stürmte am Sonntagabend beim Spiel gegen AEK Athen den Platz mit einer Pistole. Er sorgte damit nicht nur für einen Eklat - die Regierung hat nun sogar die Meisterschaft bis auf Weiteres unterbrochen.

Von Michael Lehmann | 12.03.2018

PAOK-Besitzer und Präsident Iwan Savvidis stürmte mitsamt Pistole am Gürtel das Spielfeld
PAOK-Besitzer und Präsident Iwan Savvidis stürmte mitsamt Pistole am Gürtel das Spielfeld (dpa/augenklick/firo Sportphoto)
High Noon am späten Sonntagabend: Der Chef eines Fußball-Clubs rennt mit dem Revolver am Gürtel auf den Fußball-Platz. Von einem durchgeknallten Cowboy ist in den Social-Media-Portalen Griechenlands heute dementsprechend hämisch die Rede. Iwan Savvidis, der Besitzer von PAOK Saloniki, hat sich viel Hohn und Spott eingehandelt mit seinem Ausraster gestern Abend in Thessaloniki beim Spitzen-Spiel gegen AEK Athen:
In der 89. Minute hatte der Schiedsrichter entschieden, das 1:0, das Tor für PAOK Saloniki nicht zu geben, wegen der Abseitsposition des Torschützen. Daraufhin gab es laute Proteste unter Fans und Spielern und eben den Ausraster des Clubchefs und Besitzers.
Wie im Western
Iwan Savvidis musste von Sicherheitsleuten gebändigt werden - in der Fernsehdirektübertragung sah es tatsächlich so aus, als wollte Savvidis im nächsten Moment seinen Revolver zücken. Das Spiel wurde in der 90. Minute abgebrochen.
Nach reichlich Gewalt vor, während und nach verschiedenen Spielen in der griechischen Super-Liga war das eine Stufe zu viel des Bösen – Sportministerium und Regierungschef in Athen berieten sich heute Vormittag - und am Nachmittag dann die eindeutige Entscheidung - verkündet bei Vogelgezwitscher im frühlingsgrünen Vorgarten des Amtssitzes von Ministerpräsident Tsipras. Tsipras schickte seinen Vize-Sportminister Dimitris Vassiliadis vor die Mikrophone:
Einigung mit allen Beteiligten wird gesucht
"Wir haben beschlossen, die Meisterschaft zu unterbrechen. In den nächsten Stunden werden wir Treffen mit den zuständigen Institutionen haben. Die Vereine, der Fußballverband, die Super-Liga sind in ständigem Kontakt mit der UEFA. Die Spiel-Saison wird nicht wieder starten, bevor wir eine Einigung mit allen Beteiligten haben. Wir brauchen Bedingungen und Regeln im Kampf für mehr Transparenz und besseren Fußball."
Der Besitzer von PAOK Saloniki verschwand nach dem Spiel und blieb bislang verschwunden – er dürfte aber vermutlich nicht das Land verlassen haben. Der russisch-stämmige Unternehmer hat in Griechenland breit investiert, auch in ein deutsch-französisches Konsortium, das den Hafenausbau in Thessaloniki voranbringen soll.
Savvidis soll gute Kontakte zur Regierung haben
Savvidis war in Russland Duma-Abgeordneter, soll auch gute Kontakte zur griechischen Syriza-Regierung haben. Dennoch oder vielleicht auch grade deshalb haben Tsipras und seine Regierung heute eindeutig Position bezogen:
Der griechische Fußball muss dringend saniert werden, heißt es aus Regierungskreisen. Gewaltbereite Fußballfans sind dabei nur ein Teil des Problems. Ex-Fußball-Präsidenten, Schiedsrichter und Spieler waren erst im Februar wegen massiver Spielmanipulationen und Wettbetrugs zu zum Teil hohen Haft- und Geldstrafen verurteilt worden. Und wie beim Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise will die Regierung Tsipras mit schnellen Entscheidungen zeigen, dass es ihr ernst ist beim Umbau auf vielen Ebenen in Griechenland.