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Nahost-Konflikt
Neue Waffenruhe vereinbart

Nach einer neuen gefährlichen Eskalation der Gewalt hat die im Gazastreifen herrschende Hamas eine Feuerpause verkündet. Doch wie lange die Waffen schweigen ist fraglich. Vertreter der israelischen Regierung denken laut über einen Einmarsch der israelischen Armee im Gazastreifen nach, um einen Regimewechsel herbeizuführen.

Von Benjamin Hammer | 21.07.2018

    Israelische Soldaten in einem Panzer nahe dem Kibbuz Nahal Oz an der Grenze zum Gaza-Streifen
    Israelische Soldaten in einem Panzer nahe dem Kibbuz Nahal Oz an der Grenze zum Gaza-Streifen (AFP /Jack Guez)
    Die israelische Armee hat den Ausnahmezustand für die Bewohner der israelischen Dörfer im Grenzgebiet zum Gazastreifen aufgehoben. Vorerst. Gestern war ein israelischer Soldat von einem palästinensischen Scharfschützen getötet worden.
    Die israelische Luftwaffe flog als Reaktion Luftangriffe auf über 60 Stellungen und Gebäude der Hamas. Dabei wurden vier Palästinenser getötet. Militante Palästinenser schossen Raketen in Richtung Israel.
    In der Nacht hatte die islamistische Hamas eine Waffenruhe mit Israel verkündet. So eine angebliche Vereinbarung gab es in diesem Jahr jedoch schon zwei Mal und sie hielt nicht lange an.
    Ein Palästinenser trägt einen Metallrahmen neben einem zerbombten Gebäude.
    Ein Palästinenser trägt einen Metallrahmen neben einem zerbombten Gebäude. (picture alliance / dpa / Wissam Nassar)
    Ein neuer Krieg droht
    Israelische Journalisten spekulieren, ob es bald zu einem neuen Krieg kommt. Demnach gibt es innerhalb der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, unterschiedliche Auffassungen. Der militärische Arm der islamistischen Organisation suche einen Krieg, die politische Führung wolle das nicht. Diese Meinungsverschiedenheit könnte erklären, warum die Hamas einerseits indirekt mit Israel über Waffenruhen verhandelt, militante Palästinenser jedoch weiterhin Angriffe gegen Israel starten.
    Vor der jüngsten Eskalation hatte die Hamas zumindest in der Öffentlichkeit keine Anzeichen gegeben, dass sie die Lage deeskalieren wird. Khalil al-Hayya, der stellvertretende Anführer der Hamas im Gazastreifen gab sich vor der jüngsten Eskalation kämpferisch.
    "Unser Widerstand wird die Waffen weiter erheben. Unsere Proteste werden weitergehen. Und unser Protest wird weiterhin verschiedene Formen haben. Das beinhaltet Flugdrachen mit Brandsätzen."
    Die von der Israelischen Feuer- und Rettungsbehörde zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt einen Feuerwehrmann der mit Schläuchen durch ein Getreidefeld geht. 
    Feuerdrachen aus dem Gazastreifen lösen Brände in Israel aus (picture alliance / dpa / Israel Fire and Rescue Authority)
    Eventuell plant Israel einen Regimewechsel
    Die Hamas will Israel dazu bringen, die weitgehende Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Die Blockade, an der sich häufig auch Ägypten beteiligt, ist ein Grund für die desolate humanitäre Lage im Gazastreifen. Der UN-Gesandte für den Nahen Osten, Nikolay Mladenov, wandte sich mit deutlichen Worten an die Palästinenser: Jeder im Gazastreifen müsse nun vom Abgrund zurücktreten. Nicht in der nächsten Woche. Sondern sofort.
    Vertreter der israelischen Regierung denken laut darüber nach, dass die israelische Armee in den Gazastreifen einmarschiert, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Israel könnte dabei helfen, die Hamas durch die gemäßigtere palästinensische Autonomiebehörde zu ersetzen. Gleichzeitig betonen Armeevertreter: Man lege es nicht auf eine weitere Eskalation an.
    "Wir versuchen vorsichtig und verantwortlich vorzugehen", hatte Israels Verteidigungsminister Lieberman bereits vor der neuen Gewaltwelle gesagt. Aber die Anführer der Hamas zwingen uns in eine Lage, in der wir keine andere Wahl mehr haben, als eine breite und schmerzhafte Militäroperation zu führen."
    Was der israelische Verteidigungsminister als "Militäroperation" bezeichnet, wäre ein weiterer Krieg zwischen Israel und der Hamas.