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NASAWeniger Geld für US-Raumsonden

Die Schieflage des US-amerikanischen Haushalts bekommen auch Wissenschaftler der NASA zunehmend zu spüren. Schon im Jahr 2009 verabschiedete sie sich von den Plänen, sich an Europas Marsrover Exomars zu beteiligen. Jetzt bereiten die Budgetengpässe aber auch den eigenen Raumsonden Probleme, die längst im All aktiv sind.

Von Karl Urban | 07.05.2014

Nasa-Logo auf dem Gelände in Cape Canaveral, weiße Schrift auf blauem Untergrund, mit rotem Strich über der Schrift.
Nasa-Logo auf dem Gelände in Cape Canaveral (dpa/picture alliance/Lars Halbauer)
Es klingt eine Spur Verzweiflung mit, als Charles Bolden, Leiter der amerikanischen Raumfahrtbehörde, vor dem US-Haushausauschuss aussagt. Ab September gilt das neue Budget der NASA - und für deren unbemannte Sonden sieht es nicht gut aus.
"Es erfordert viel Kreativität, in Zeiten schrumpfender Haushalte Raumsonden zu betreiben. Und unser Budget wurde beständig reduziert: Manchmal reicht es aus, nur den Umfang einer Mission zu verkleinern. Manchmal muss eine Mission auch ganz gestrichen werden. Seit ich NASA-Administrator bin, haben wir aber meistens noch eine Alternative dazu gefunden, eine Mission ganz zu streichen."
Insgesamt 15 Sonden starteten in den vergangenen zehn Jahren ins All, keine einzige Mission schlug fehl. Deren laufende Betriebskosten liegen nun schwer auf der Tasche einer Raumfahrtbehörde, an der die Folgen des jahrelangen US-Haushaltsstreits nicht spurlos vorübergegangen sind. Insgesamt 270 Millionen Dollar kostet der Betrieb aller aktiven Raumsonden jedes Jahr. Bei ihnen soll die NASA nun auf Anweisung des Weißen Hauses den Rotstift anlegen. Die betroffenen Wissenschaftler - etwa beim betagten Marsrover "Opportunity" - wollen kaum glauben, dass ihre Mission nur aufgrund finanzieller Engpässe enden könnte.
"Ich bin sehr zuversichtlich. Wir haben jetzt zum neunten Mal eine Missionsverlängerung für "Opportunity" beantragt und dabei vor allem die spannenden Gesteine erwähnt, die so nahe an der aktuellen Position des Rovers liegen. Das sind wirklich gewichtige Argumente für den weiteren Betrieb der Mission."
"Opportunity": ein Tausendstel des NASA-Budgets
So verteidigt Matthew Golombek seinen erfolgreichen Rover: "Opportunity" arbeitet seit über zehn Jahren auf dem Mars und hat dort schon fast 40 Kilometer zurückgelegt. Zwar zeige er nun Symptome eines alternden Roboters: Einzelne Räder ließen sich nicht mehr steuern. Auch zwei wichtige wissenschaftliche Instrumente haben schon vor Jahren das Zeitliche gesegnet. Aber weiterhin könne der Rover die chemische Zusammensetzung von Gesteinen bestimmen und Fotos von ihnen schießen. Ein Ende der Mission ist für Matthew Golombek daher unvorstellbar:
"Der Rover fährt nun schon so lange, dass sein Betrieb viel günstiger ist als der neuerer Missionen - unser Preis ist wirklich nicht hoch."
Tatsächlich macht der Betrieb von Opportunity mit 13 Millionen Dollar jährlich gerade ein Tausendstel des gesamten NASA-Budgets aus. Immerhin fünfmal mehr kostet die Sonde "Cassini" am Saturn, die ebenfalls schon fast zehn Jahre wissenschaftliche Daten sammelt. Projektwissenschaftlerin Linda Spilker verteidigt ihre Ausgaben ebenso vehement wie die Marsforscher.
"Unsere Raumsonde ist gesund und solide konstruiert. Bis auf eines funktionieren alle zwölf Instrumente weiter zuverlässig. Wichtige Systeme wie den Computer und den Hauptantrieb haben wir doppelt an Bord, und die sind jeweils beide voll funktionstüchtig. Wir haben also weiterhin eine wirklich hohe Ausfallsicherheit."
Finanzlage könnte auch europäische Missionen bedrohen
Die NASA bittet die Wissenschaftler nun trotzdem zum Aderlass: Sie sollen den weiteren Betrieb ihrer Missionen auch unter der Prämisse planen, dass sie in Zukunft weniger Geld zur Verfügung haben. Im Fall von Cassini hieße das, die Sonde würde etwa beim geplanten Flug zu den dichten und kaum verstandenen innersten Saturnringen schlicht weniger wissenschaftliche Daten sammeln. Zwei Sonden werden ab September vielleicht sogar ganz gestrichen: Neben dem Roverveteranen Opportunity könnte es den Lunar Reconnaissance Orbiter am Erdmond treffen. Ihr Treibstoff würde noch mehrere Jahre reichen. Das Geld für Wissenschaftler, Kontrollräume und Antennen auf der Erde dagegen fehlt. Und das könnte zuletzt selbst europäische Missionen treffen, an denen die NASA nur beteiligt ist: Etwa steht nun auch das US-Teilbudget für die ESA-Sonde Mars Express auf der Kippe.