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StartseiteCorsoÜberlebensstrategien21.08.2019

Neue FilmeÜberlebensstrategien

Wie kann die Menschheit die Apokalypse überleben? Wie behaupten sich Jugendliche in Neapel? Wie übersteht eine Frau die Wechseljahre? Antworten geben das Science-Fiction-Kammerspiel "I am Mother", das Mafiadrama "Paranza – Der Clan der Kinder" und das Filmremake "Gloria – Das Leben wartet nicht".

Von Jörg Albrecht

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Filmszene aus dem Film "I am Mother". Zu sehen ist die Hauptdarstellerin Hilary Swank. (imago-images)
Hillary Swank ist die Überlebende in I AM MOTHER (imago-images)
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Ein humanoider Roboter wählt aus einem Depot mit menschlichen Embryonen ein Exemplar aus und leitet seine Entwicklung zum Fötus und Säugling ein. Ein Mädchen kommt auf die Welt. Schon die ersten Szenen in "I am Mother" beeindrucken. Im Schnelldurchlauf wird das Mädchen dann zum Teenager heranwachsen – all die Jahre versorgt und ausgebildet ausschließlich von dem Roboter, den es "Mutter" nennt.

"Ich wurde als Sicherungssystem konzipiert, um der Menschheit eine zweite Chance zu geben. Und die begann mit Dir, Tochter."

Das Mutter-Tochter-Szenario spielt sich in einem bunkerartigen Gebäude auf einer apokalyptisch anmutenden Erde ab. Die Menschen sind tot, die Umwelt ist kontaminiert. Ihre Aufgabe sei es, so "Mutter", die Erde neu zu bevölkern. Die Neugier des Teenagers auf die Außenwelt wächst, als er entdeckt, dass es eine Überlebende gibt. Eine verletzte Frau ist vor der Sicherheitsschleuse aufgetaucht. "Tochter" lässt sie hinein.

"Wieso sind Sie nicht betroffen? Von der Verseuchung draußen meine ich."
"Wer hat Dir das eingeredet? Was ist das für ein Geräusch?"

Wem soll "Tochter" glauben?

Allein die Existenz der Frau widerspricht allem, was "Mutter" ihr erzählt hat. Wem aber soll "Tochter" glauben? 

"Mutter ist nicht so wie Sie denken. Sie hat mein Leben lang gut für mich gesorgt."
"Schreckliches haben die Ihnen angetan."
"Nein, Mutter nicht."
"Das ist nur eine Frage der Zeit. Ich schwöre es Dir."

Auch wenn nicht alles in diesem Film logisch und durchdacht scheint: Das Spielfilmdebüt "I am Mother" von Grant Sputore ist ein auf- wie anregendes Kammerspiel mit Hilary Swank und Newcomerin Clara Ruggard. Es stellt Fragen nach Ethik und Künstlicher Intelligenz, die laut Stephen Hawking "zum schlimmsten Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation" werden könne. Einen Eindruck davon vermittelt diese Dystopie.

"I am Mother": empfehlenswert

"Hey Alter, was soll denn das? Kannst mir nicht einfach den Joint wegnehmen."
"Was hast Du denn gemacht? Der Scheitel ist voll schief geworden."
"Du bist hübsch genug. Und jetzt zur Seite! Jetzt bin ich mal dran."

Sie sind die coolsten Jungs in Sanitá, einem Viertel in Neapel. Sie alle sind so um die 15 Jahre alt und wissen, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, an Kohle zu kommen.

"Warum lernst Du nicht Fußballspielen? Da sitzt das große Geld."

Schutzgelderpressung und Drogenhandel

Das ist die eine. Weil Nicola, der Schlaueste aus der Clique, aber im Fußball noch nie gut war, sieht er für sich nur Möglichkeit Nummer zwei: Schutzgelderpressung und Drogenhandel versprechen Geld und Macht. Organisierte Familienclans in seinem Viertel leben es vor. Dass diese miteinander verfeindet sind, will Nicola sich zunutze machen.

"Don Vito, sind wir mal ehrlich: Sie stehen unter Hausarrest, können sich nicht bewegen. Ich aber schon. Sie haben Waffen, aber dafür keine Männer. Ich habe Männer genug, aber dafür keine Waffen. Sie müssen sie uns geben."

"Hatte ich ganz vergessen: Du hast Männer. Und aus welchem Grund sollte ich Euch Waffen geben?"
"Damit Sie auch in unserem Viertel Geschäfte machen können."

In "Paranza – Der Clan der Kinder" erzählt Claudio Giovannesi nach einem Drehbuch von Roberto Saviano von der nächsten Camorra-Generation, die ihre Ansprüche anmeldet. Das wirkt – vor allem dank der Laiendarsteller – recht authentisch und ist dennoch ein verzichtbarer Ableger der Serie "Gomorrha", die ebenfalls aus der Feder von Saviano stammt.

"Paranza – Der Clan der Kinder": zwiespältig

"Wie heißen Sie?"
"Gloria."

Unnötig ist auch die Neuverfilmung der chilenischen Tragikomödie "Gloria" aus dem Jahr 2013. Wie damals hat erneut Sebastián Lelio die Regie übernommen. Aus Santiago de Chile ist Los Angeles geworden, aus Umberto Tozzis Titelsong die englische Version von Laura Branigan und statt Paulina Garcia sehen wir jetzt Julianne Moore in der Titelrolle.

"Ich bin geschieden."
"Bin ich auch."
"Ach wirklich? Seit wann?"
"Ein Jahr."
"Erst seit kurzem."
"Endlich."
"Manchmal weiß man es erst im Nachhinein."

Lost in Casting

Die Geschichte einer resoluten Endfünfzigerin, die sich neu verliebt, sich aber nicht um jeden Preis in eine neue Beziehung stürzen will … diese Geschichte ist nicht nur haargenau dieselbe. Regisseur Lelio hat gleich auch sämtliche Szenen des Originals kopiert. Seinem zum zweiten Mal gedrehten Film kann man zwar nicht den Vorwurf von "Lost in Translation" machen, dafür aber von "Lost in Casting". Denn bei der Besetzung der Titelheldin mit Julianne Moore geht Lelio einen zu gefälligen Weg. Das gelebte Leben der ersten Gloria spiegelte sich auch in ihrem Gesicht, hinter dem der zweiten Gloria schimmert immer wieder der zu makellose Hollywoodstar durch.

"Gloria – Das Leben wartet nicht": überflüssig   

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