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StartseiteInformationen am MorgenWas hinter der Splittergruppe steckt24.04.2019

"Neue IRA"Was hinter der Splittergruppe steckt

Die "Neue IRA" hat sich zu den Schüssen bekannt, durch die die nordirische Journalistin Lyra McKee getötet wurde. Wer steckt hinter der Gruppe? Und steht möglicherweise der Frieden in Nordirland auf dem Spiel?

Von Thomas Spickhofen

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Vermummte werfen Brandsätze auf Polizeifahrzeuge. (Niall Carson/PA Wire/dpa)
Vermummte werfen am Gründonnerstag Brandsätze auf Polizeifahrzeuge. (Niall Carson/PA Wire/dpa)
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Ruth Dudley-Edward ist eine irische Schriftstellerin und Journalistin. Die 75-jährige hat über die Jahrzehnte hinweg den Bürgerkrieg und alle Hoffnungen, aber auch alle Enttäuschungen über den Friedensprozess miterlebt. Die Leute sind es satt, diesen Konflikt und diese Anschläge, sagt sie, aber militante IRA-Gruppen kennen nur einen Weg: Sie betrachten es immer noch als ehrenwert, mit Waffen gegen den Staat vorzugehen. So gehe das nun schon seit mehr als einhundert Jahren.

"Sie betrachten es als eine ehrenwerte Tradition, mit Waffen gegen den Staat vorzugehen. So geht das schon seit mehr als hundert Jahren. Wir sind es einfach satt."

Ganz in der Tradition der militanten Vorgänger

Nach dem Tod der jungen nordirischen Journalistin Lyra McKee hat die so genannte "Neue IRA" der Regionalzeitung "The Irish News" ein Schreiben zugespielt. Dabei hat sie sich einer Methode bedient, die schon zu Bürgerkriegszeiten üblich war: Sie verwendete ein auf beiden Seiten bekanntes Codewort, sodass klar war: Dieses Schreiben ist echt.

Das Foto zeigt die nordirische Journalistin Lyra McKee. (Screenshot BBC News, abgerufen am 19.4.2019)Die nordirische Journalistin Lyra McKee. (Screenshot BBC News, abgerufen am 19.4.2019)
Und auch sonst steht die "Neue IRA" ganz in der Tradition der militanten Vorgänger, erklärt Ruth Dudley-Edward.

"Diese Leute haben ein großes Geschick darin entwickelt, über Generationen hinweg alle Gelegenheiten für ihr Anliegen zu nutzen, ob das soziale Schwierigkeiten sind oder sonstwas. Sie sagen: Wir bewahren das Erbe von 1916, und wir werden keine Ruhe geben, bis wir ein vereintes Irland haben. Das ist die Botschaft."

Die Ausschreitungen in Londonderry entzündeten sich am Gedenken an den Osteraufstand von 1916. Damals versuchten irische Rebellen, sich mit Gewalt von der Fremdherrschaft aus London zu befreien. Zunächst vergeblich, der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, 500 Menschen kamen ums Leben.

"Politik von vor hundert Jahren"

Jahre später löste sich die Republik Irland dann doch von den Briten. Der Osteraufstand von 1916 gehört seitdem zu den Gründungsmythen der irischen Republik. Für die Terroristen der Neuen IRA ist die Zeit aber stehen geblieben, erklärt Allen McQuilliam, früherer stellvertretender Polizeipräsident von Nordirland.

"Diese Leute haben kein Interesse an Politik. Sie haben auch keine politische Vertretung. Sie stehen mit ihren Füßen in einer Politik von vor hundert Jahren."

Osteraufstand in Dublin 1916: Die Befreiung Irlands von der englischen Herrschaft.  (imago stock&people/UnitedArchives)Osteraufstand in Dublin 1916: Die Befreiung Irlands von der englischen Herrschaft. (imago stock&people/UnitedArchives)
Keine Unterstützung bei der Bevölkerung

Wie groß die "Neue IRA" ist, kann niemand genau sagen. Polizeifachleute schätzen sie auf mindestens mehrere Dutzend Leute, höchstens 200 bis 300. Im Sommer 2012 soll sie sich gebildet haben, zur Hälfte aus Resten und Nachfolgegruppen der alten IRA, zur Hälfte aus dem kriminellen Milieu.

Der Autor und Filmproduzent Kevin Toolis hat sich bereits mit der "Neuen IRA" beschäftigt: 
"Es ist eine kleine Gruppe, die aber ganz in der alten republikanischen Ideologie verhaftet ist. Sie glauben, dass Gewalt der einzige Weg ist, die britische Krone von der irischen Insel zu vertreiben, mit Bomben, Schießereien und Anschlägen. Ihnen fehlen Ressourcen, ihnen fehlen Leute, ihnen fehlt Geld und Zugang zu Waffen."

Und breite Unterstützung bei der Bevölkerung haben sie schon gar nicht, da sind sich alle sicher. Und zwar auf beiden Seiten der Grenze.

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