Mittwoch, 29. Juni 2022

Neue Urknall-Messungen
Sensation verschwunden

Im Jahr 2018 schien das EDGES-Radioteleskop in Australien die Strahlung der allerersten Sterne im All indirekt nachgewiesen zu haben. Doch jetzt hat das indische SARAS-Teleskop vergeblich nach diesem Signal Ausschau gehalten.

Von Dirk Lorenzen | 19.06.2022

Sensation vom Tisch? Das EDGES-Instrument in Australien hatte 2018 vermeintlich die Strahlung der ersten Sterne im All nachgewiesen.
Sensation vom Tisch? Das EDGES-Instrument in Australien hatte 2018 vermeintlich die Strahlung der ersten Sterne im All nachgewiesen. (CSIRO)
Etwa 180 Millionen Jahre nach dem Urknall sind die ersten Sterne aufgeleuchtet, so die Theorie. Mit Teleskopen wie Hubble oder James Webb sind sie nicht zu sehen. Die Fachleute beobachten sie daher indirekt: Die Ultraviolett-Strahlung der ersten Sterne wurde von den Wasserstoffmassen im frühen Universum absorbiert, was zu einer Abnahme der ohnehin schwachen Radiostrahlung führen sollte.
Genau das meinte das EDGES-Team gemessen zu haben. Allerdings liegt das Signal mitten im UKW-Bereich, wo irdische Sender die Beobachtungen stören. Zudem schien die Schwächung des Signals doppelt so stark zu sein wie erwartet.

Satellitenmission soll Klarheit bringen

Die Astronomen forderten dazu auf, die Beobachtungen zu wiederholen. Genau das tat das Team um Saurabh Singh von der McGill Universität in Montreal. Es konstruierte ein Radioteleskop, das auf einem Ponton in einem See in Indien schwimmt. In seinen Daten war das Signal der ersten Sterne nicht zu finden.
Eindeutig widerlegt ist die vermeintliche Entdeckung damit noch nicht. Diese Messungen erfolgen am Rande des technisch Machbaren und es gibt eine Vielzahl von Störsignalen. Bei der Analyse könnten beiden Gruppen Fehler unterlaufen sein. Klarheit soll eine Satellitenmission bringen, die bald auf der Rückseite des Mondes misst – ungestört von irdischen Signalen.
Fachartikel in „Nature“ zu dieser Beobachtung
Bericht über die vermeintliche Entdeckung der ersten Sterne 2018