Freitag, 03. Dezember 2021

Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 9. März +++

Die palästinensischen Krankenhäuser im besetzten Westjordanland sind nach Behördenangaben teilweise überbelegt. Der beispiellose Bedarf und die Produktion der Corona-Impfstoffe bringt die Industrie an ihre Kapazitätsgrenzen. Aktuelle Entwicklungen im Newsblog.

09.03.2021

Blick auf das Kapitol in Washington. Das Kapitol ist der Sitz des US-Kongresses (Parlament) mit seinen beiden Kammern. Das Repräsentantenhaus ist im Südflügel (im Bild re.) untergebracht, der Senat im Nordflügel.
Blick auf das Kapitol, Sitz des US-Kongresses, in Washington (picture alliance / Jürgen Schwenkenbecher)
Dienstag, 9. März
+++ Die palästinensischen Krankenhäuser im besetzten Westjordanland sind nach Behördenangaben teilweise überbelegt. Einige Kliniken seien zu mehr als 100 Prozent ausgelastet und einige Intensivstationen mit Corona-Patienten vollständig belegt, sagt Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh in Ramallah. In palästinensischen Städten wurden in den vergangenen zwei Wochen Lockdowns angeordnet, um die Pandemie einzudämmen.
+++ Der US-Sender CBS veröffentlicht das Video aus einem Wohnprojekt für Senioren, in dem inzwischen fast alle Menschen geimpft sind. Darum haben sie Covid-19 sozusagen symbolisch geschlagen - als gefüllte Pinata in der Form eines Coronavirus.
+++ Der beispiellose Bedarf und die Produktion der Corona-Impfstoffe bringt die Industrie an ihre Kapazitätsgrenzen. "Impfstoffhersteller und Zulieferer berichten zunehmend über Engpässe bei Roh- und Verpackungsmaterial und Ausrüstung", berichtete die Denkfabrik Chatham House in Genf. Sie hatte ein Treffen mit Vertreter der Industrie, von Verbänden und der UN-Impfinitiative Covax organisiert, um Lösungen zu suchen. In einem Strategiepapier heißt es, größere Produktionsmengen seien durch Effizienzsteigerungen in den bestehenden Fabriken möglich - ebenso wie durch den Umbau bestehender Fabriken und den Bau neuer Fabriken.
+++ Der Soziologe Oliver Nachtwey kritisiert fehlende Forschung in Deutschland zum sozialen Status von Corona-Infizierten. "Es gibt in Deutschland ausgezeichnete soziologische Forschungen zu den Folgen der Pandemie. Aber auf staatlicher Seite weiß und kommuniziert man viel zu wenig über die Sozialstruktur der Infektionen", sagte der Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel der Süddeutschen Zeitung. "Schließlich müsste man dann ja zugeben, dass Deutschland eine Klassengesellschaft ist und Menschen aus der Unterklasse ein höheres Infektionsrisiko haben."
+++ Wegen Betrugsverdachts sind die Abschlagszahlungen der Corona-Staatshilfen für Unternehmen vorübergehend gestoppt worden. Das Wirtschaftsministerium sprach von einer Vorsichtsmaßnahme. Zur Höhe des Schadens gibt es noch keine konkreten Angaben. Zuerst hatte "Business Insider" über den Verdacht berichtet und von Millionenbetrug gesprochen. Betroffen sind Überweisungen für die November- und Dezemberhilfen sowie für die Überbrückungshilfe III.
+++ Angesichts der an Fahrt aufnehmenden Corona-Impfkampagne in den USA weitet der Bundesstaat New York den Kreis der Berechtigten für die Immunisierung aus. Von diesem Mittwoch an dürfen sich alle Bürger über 60 Jahre mit einem der drei zur Verfügung stehenden Mittel impfen lassen, wie Gouverneur Cuomo mitteilte. Eine Woche später sollen weitere Gruppen von sogenannten lebenswichtigen Arbeitern folgen, darunter Hausmeister.
+++ Deutschlands Unternehmen sollen ihren Beschäftigten Corona-Selbsttests für zu Hause und möglichst auch Schnelltests vor Ort anbieten. Dazu riefen am Dienstag die Spitzenverbände der Wirtschaft auf, die nach eigenen Angaben Firmen mit mehr als 90 Prozent der 30 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im privaten Sektor hierzulande vertreten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund betonte, die Kosten müssten vom Arbeitgeber getragen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie könne "nur alle einzelnen Unternehmen dazu aufrufen", dem Appell auch zu folgen. Der Haken: Konkrete Ziele werden nicht genannt, und der Appell basiert auf Freiwilligkeit.
Der Rewe-Konzern ist bereit, mitzuziehen und will seinen mehr als 250.000 Beschäftigten in Deutschland schnellstmöglich kostenlose Corona-Selbsttests zur Verfügung stellen. Rewe unterstütze damit die Test-Strategie von Bund und Ländern, sagt Konzernchef Lionel Souque. Zu dem Kölner Konzern gehören neben der Supermarktkette Rewe unter anderem auch der Discounter Penny, die Toom-Baumärkte und die DER Touristik.
+++ Der neue Politik-Podcast aus unserem Hauptstadtstudio widmet sich der Maskenaffäre.
+++ Der Chef des Bundeskanzleramtes, Braun, hat sich für eine schnelle Entscheidung für eine Corona-Kontaktverfolgungslösung wie die Luca-App stark gemacht. Ein möglicher Start der zusätzlichen App könnte beispielsweise zum 22. März erfolgen, wenn in manchen Regionen die Außengastronomie wieder geöffnet werde, sagte Braun auf einer Veranstaltung des Softwarekonzerns Microsoft. Braun betonte, der Bund sei bereit, die Infrastruktur (Backend) für eine digitale Vernetzung der Gesundheitsämter in Deutschland zu finanzieren. Bei den diskutierten den Kontaktverfolgungs-Apps wollte sich Braun aber nicht ausdrücklich auf das von vielen Politikern favorisierte Luca-System festlegen.
+++ Wegen der hohen Zahl an Corona-Infektionen sollen sich im sächsischen Landkreis Vogtland in Kürze alle Einwohner ab 18 Jahren impfen lassen können. Das kündigte Gesundheitsministerin Köpping nach einer Kabinettssitzung in Dresden an. Dafür müsse die Bundesverordnung geändert werden, betonte die SPD-Politikerin. Man erwarte diesen Schritt für Donnerstag.
Kostenlose Schnelltests und Selbsttests in den Supermärkten – es gibt viele verschiedene Tests für CARS-CoV2. Welche Tests sind auf dem Markt, was kosten sie und wo kann man sich testen lassen? Die Tests unterscheiden sich in ihrer Anwendung, Dauer und Aussagekraft deutlich. Ein Überblick.
+++ Zehn Wochen nach dem Start der Corona-Impfungen arbeiten Bayerns Impfzentren nach wie vor unter ihrer Kapazitätsgrenze. In der vergangenen Woche wurden im Schnitt pro Tag knapp 36.400 Menschen geimpft, maximal möglich wären nach Angaben des Gesundheitsministeriums in München 49.000 Impfungen. In den kommenden Wochen wird deutlich mehr Impfstoff erwartet. In den fünf Wochen von Anfang März bis Anfang April sollen 1,67 Millionen Impfdosen nach Bayern geliefert werden. Das wären innerhalb eines Monats mehr als seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember.
+++ In Hamburg scheint sich die Impfung von Risikogruppen wie Pflegeheimbewohnern und Hochbetagten auch im Rückgang der Zahl der Corona-Toten niederzuschlagen. Den zweiten Tag in Folge meldete das Robert Koch-Institut für Hamburg keinen neu gemeldeten Fall, bei dem ein Mensch an oder mit dem Corona-Virus gestorben ist. Zwei Tage in Folge habe es das in diesem Jahr noch nicht gegeben, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde.
+++ Alle bettlägerigen oder in ihrer Beweglichkeit massiv eingeschränkten Menschen in Rheinland-Pfalz über 70 Jahren können ab dem 22. März bei einem Hausbesuch ihres Arztes gegen das Coronavirus geimpft werden. Das Anfang März in vier Praxen begonnene Modellprojekt für sogenannte immobile Menschen ab 80 Jahren werde auf das ganze Land und auf die Altersgruppe 70 plus ausgeweitet, kündigte Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler an.
Eine Ärztin zieht während eines Hausbesuchs im Rahmen des Pilotprojektes "Impfen in Praxen" nach einer Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer die Spritze aus dem Oberarm einer Frau.
Coronavirus - Impfen auf Hausbesuch (dpa/ Sebastian Gollnow)
+++ In Italien soll eine erste Produktionsstätte für den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V innerhalb der Europäischen Union entstehen. Der russische Fonds, der den Impfstoff vermarktet, habe eine entsprechende Vereinbarung mit der Pharma-Firma Adienne unterzeichnet, teilte die italienisch-russische Handelskammer mit. Damit sei der Weg bereitet, um das erste Sputnik-V-Werk in Europa zu errichten. Die Produktion solle im Juni beginnen. Bis Ende des Jahres könnten in Italien zehn Millionen Dosen hergestellt werden. Eine Zulassung in der EU hat Sputnik V noch nicht. Das Mittel wird aber bereits von Ungarn genutzt, und auch Tschechien plant dies.
Eine Hand hält den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V.
Der russische Impfstoff Sputnik V (dpa / picture alliance)
+++ Der Bundeshausärtzeverband begrüßt die Durchführung von flächendeckenden Corona-Impfungen durch die niedergelassenen Ärzte ab April. Der Bereich sei bei den Hausarztpraxen gut aufgehoben, sagte das Vorstandsmitglied des Bundeshausärzteverband, Anke Richter-Scheer, im Deutschlandfunk . Die Hausärzte seien die ersten Ansprechpartner für Patienten und könnten die Impfungen gut steuern.
+++ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, wirft den Bundesländern vor, sich eigenmächtig über die Impfverordnung des Bundes hinwegzusetzen. De facto werde in den Ländern schon lange gegen die Priorisierung verstoßen, sagte er der Deutschen Presseagentur. Es seien schon jetzt viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht an der Reihe gewesen wären - etwa Erzieher, Lehrkräfte oder Polizisten. Ein Lockern der Priorisierung dürfe nicht dazu führen, die Schwächsten und Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe zu benachteiligen.
+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 4.252 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das sind 309 Fälle mehr als am Dienstag vergangener Woche. Zudem wurden 255 neue Todesfälle registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz wird mit 67,5 angegeben - etwa so hoch wie gestern.
+++ In der Affäre um Corona-Schutzmasken hat der CDU-Vorsitzende Laschet Unionspolitiker aufgefordert, reinen Tisch zu machen. Sollte irgendjemand noch solche Geschäfte gemacht haben, habe er sehr schnell Zeit, ihm das persönlich zu sagen, erklärte Laschet im ARD-Fernsehen. Zugleich betonte der CDU-Chef, dass er nicht wisse, ob es tatsächlich weitere Fälle gebe.
+++ Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Hofmeister, hat Bundesgesundheitsminister Spahn vorgeworfen, in der Corona-Pandemie für ein Test-Chaos gesorgt zu haben. Es kämen nun zwar vermehrt Tests zum Einsatz, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Leider geschehe das in einer absolut kurzfristigen, formal sogar rückwirkenden Umsetzung. Direkt beim Start habe dies zum Durcheinander geführt. Erst gestern sei die neue Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums bei den Kassenärzten eingegangen.
+++ Die Bundesregierung hat den Bundesländern Hilfe bei der Bestellung von Coronatests angeboten. Sie könnten bis zum Mittag insgesamt 10,5 Millionen Einheiten beim Pharmakonzern Roche anfordern, heißt es in einem Schreiben von Bundesgesundheitsminister Spahn und dem für die Infrastruktur zuständigen Minister Scheuer.
Schnelltests mit der Aufschrift "SARS-Cov-2 Rapid Antigen Test" liegen auf einem Tisch.
Coronavirus - Schnelltest (dpa/ Peter Kneffel)
+++ Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher hat vor der Gefahr eines erneuten Lockdowns in der Corona-Krise gewarnt. Er halte schnelle große Öffnungsschritte für riskant, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Man sei bereits in einer dritten Welle, die von den neuen Virusvarianten bestimmt werde. Es komme jetzt darauf an, dass diese nicht zu heftig werde und die Zeit überbrückt werden könne, bis die Impfungen ausreichend vorangeschritten seien, betonte Tschentscher.
+++ China hat einen digitalen Corona-Impfausweis für Reisende eingeführt. Das Zertifikat zeigt Impfungen und Testergebnisse der Nutzer an. Es solle bei der weltweiten wirtschaftlichen Erholung helfen und zudem grenzüberschreitendes Reisen erleichtern, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua können über einen QR-Code auch andere Staaten die Daten der Nutzer bei deren Einreise auslesen.
Symbolfoto: Digitaler Impfass und Reisepass vor Fernweh-Motiv auf einem Laptop.
Symbolfoto: Digitaler Impfass und Reisepass, (IMAGO / Political-Moments)
Über die Einführung eines einheitlichen Passes für Geimpfte wird auch in der Europäischen Union diskutiert.
+++ Die niederländische Regierung hat die nächtliche Ausgangssperre in der Corona-Pandemie bis zum 31. März verlängert. Ausnahmen gelten für die vorgezogene Parlamentswahl nächste Woche, wie Regierungschef Rutte am Abend in Den Haag erklärte. Um das Ansteckungsrisiko bei der Abstimmung zu minimieren, wird sie über drei Tage gestreckt. Das Ausgangsverbot in den Niederlanden von jeweils 21 Uhr bis 4 Uhr 30 sollte eigentlich am 15. März enden.
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