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StartseiteEuropa heuteWütende Landwirte wehren sich gegen Umweltauflagen11.08.2020

NiederlandeWütende Landwirte wehren sich gegen Umweltauflagen

Besonders dort, wo Tiere in Massen gehalten werden, überschreiten die Niederlande die EU-Grenzwerte für Stickstoff-Emissionen. Das ist schädlich für die Artenvielfalt. Mit neuen Regeln will die niederländische Regierung das Problem in den Griff bekommen. Doch viele Landwirte wollen da nicht mitmachen.

Von Kerstin Schweighöfer

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Ausbringen von Gülle auf dem Feld – aufgenommen in den Niederlanden. (imago images / blickwinkel)
Landwirtschaft verursacht Stickstoffemissionen (imago images / blickwinkel)
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Jan Berg steht vor seinem Bauernhof am Stadtrand von Leiden und lässt den Blick über die Polderlandschaft schweifen. Ein paar Kühe hat er noch. Jungvieh. Und ein paar Schafe. Die Landwirtschaft ist für den 73jährigen nur noch ein Hobby.

Früher war er Milchbauer, erzählt er, als er durch die Ställe zurück zum Wohnhaus läuft.

So wie sein Vater, von dem er den Hof einst erbte. Siebeneinhalb Hektar und 15 Milchkühe.

"Das hat zum Überleben gereicht. Heute braucht es 50 Hektar und 100 Kühe. Mindestens."

Ohne Nebenjob hätte er seine Familie nicht ernähren können. Dass keiner seiner vier Söhne den Hof übernehmen will, kann er verstehen:

"Wir Bauern haben immer mehr Probleme. Wir müssen immer mehr investieren, wegen der Umweltauflagen. Der Milchpreis ist viel zu niedrig. Und dann die vielen Verbote! Antibiotika sind verboten, Unkrautbekämpfungsmittel…. Alles wird verboten!"

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Und jetzt werde den Bauern auch noch die Schuld für das Stickstoffproblem in die Schuhe geschoben. Das sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Bauern aus dem ganzen Land zogen im letzten Oktober deshalb mit ihren Traktoren erstmals nach Den Haag und verursachten ein Verkehrschaos.

Auslöser war der Vorschlag eines Abgeordneten, die Zahl der Schweine und Kühe einfach zu halbieren. Um auf diese Weise die Stickstoffemissionen drastisch zu senken und dafür zu sorgen, dass wieder gebaut werden kann.

Denn, und das wissen die wenigsten: Auch beim Bau von Straßen und Wohnungen kommt Stickstoff frei. Der muss erst an anderer Stelle eingespart werden, damit es weitergehen kann.

Deshalb gilt auf niederländischen Autobahnen seit März Tempo 100.

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Landwirtschaft bietet höchstes Stickstoff-Einsparpotential

Am meisten Stickstoff lässt sich jedoch in der Landwirtschaft einsparen. Dem niederländischen Forschungsinstitut RIVM zufolge sind die Bauern für den weitaus größten Anteil der Stickstoffemissionen verantwortlich: 41 Prozent. Das liegt an der Gülle: Sie enthält eine Stickstoffverbindung, in diesem Falle Ammoniak. Dadurch kommt über die Gülle Stickstoff frei.

Das streiten die Bauern auch gar nicht ab. Aber von einem Anteil von 41 Prozent wollen sie nichts wissen, das halten sie für "Fake News" – auch Bauer Jan Berg:

Hauptorganisator der Proteste ist die "Farmers Defense Force" FDF, eine 2019 gegründete Bauernaktionsgruppe. Die FDF weiß das rechtspopulistische "Forum für Demokratie" von Thierry Baudet hinter sich. Baudet sieht sich als Beschützer der Bauern und bezeichnete Landwirtschaftsministerin Carola Schouten als "Meuchelmörderin des Agrarsektors".

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Rückhalt für Protestaktionen der Landwirte sinkt

Ministerin Schouten hat inzwischen zwar versichert, die Zahl der Tiere keinesfalls halbieren zu wollen. Aber als kurzfristige Maßnahme, um dieses Jahr noch Wohnungen bauen zu können, sollen die Bauern ihren Tieren ab 1. September eiweißärmeres Futter geben. Das senkt den Ammoniakgehalt in der Gülle – und damit den Stickstoffausstoß. Die Umstellung ist aber umstritten, auch Experten warnen vor Gesundheitsproblemen bei den Kühen.

"Unsere Tiere werden geopfert", schimpften aufgebrachte Bauern deshalb auf der bislang letzten Kundgebung Ende Juli. "Bau, Industrie und Verkehr sind wichtiger als wir!"

Doch inzwischen, so ergab eine Umfrage, haben nur noch 51% der Bürger Verständnis für solche Protestaktionen. Im letzten Oktober waren es noch 89%. Zumal die Farmers Defense Force als militant in Verruf geraten ist. Mehrere Politiker haben Anzeige wegen Bedrohung und Einschüchterung erstattet.

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