Freitag, 30. September 2022

Archiv

Nixdorf MuseumsForum
Neue Aufgaben für Roboter

Können Roboter eigentlich als Museumsführer arbeiten? Ja, zumindest im Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Dort führen die beiden Roboter Petra und Peter durch die Ausstellung. Doch die Auseinandersetzung mit den Themen Künstliche Intelligenz und Robotik reicht in dem Computermuseum noch viel weiter.

Von Silke Tornede | 03.05.2018

    Ein menschlich aussehender 3D gedruckter Roboter der Firma IOX LAB auf der Hannover-Messe 2018.
    In der Industrie und auch im Alltag nehmen Roboter den Menschen schon lange Arbeit ab - ihre Einsatzmöglichkeiten reichen aber noch viel weiter (imago / Tim Wagner)
    "Herzlich willkommen im Heinz Nixdorf MuseumsForum."
    "Hallo ich heiße Petra, meine Aufgabe ist es, Sie durch diese Ausstellung zu führen. "
    Gesteuert durch modernste Technik
    Roboterdame Petra ist anderthalb Meter groß und kommt im verspielten Retro-Stil daher: schwarze Korsage, Spitzenkragen, ein Zylinder auf dem runden Plexiglas-Kopf. Die Augen blicken freundlich. Gesteuert wird sie durch modernste Technik.
    "Hier sehen Sie die Ziele, zu denen ich Sie bringen kann."
    Ein Fingertipp auf den Touchscreen. Schon setzt sich die Museumsführerin fast lautlos in Bewegung und steuert zielsicher das ausgewählte Exponat an. Eine Etage höher dreht ihr Kollege Peter seine Runden.
    "Bitte folgen Sie mir. "
    "PETER steht für Paderborns erster toller Erklär-Roboter"
    Sagt Museums-Mitarbeiter Andreas Stolte. Und schon legt Peter los:
    "Hier sehen Sie einen Meilenstein der PC Geschichte. 1976 brachten Steve Jobs und Steve Wozniak den ersten Apple heraus. Er wurde so ausgeliefert wie sie ihn hier sehen, als blanke Platine."
    Schülergruppen sind begeistert
    Roboter, die durch die Ausstellung führen, den Besuchern etwas erzählen, hinter denen man herlaufen kann - bei den Schülergruppen, die an diesem Vormittag im Museum unterwegs sind, kommen Peter und Petra super an.
    "Also ich fand die ziemlich cool, die waren sehr freundlich. "
    "Diesen Fortschritt zu sehen, war total faszinierend. "
    "Ich kenn jetzt mein Smartphone, ich kann so langsam damit umgehen. Jetzt laufen hier auf einmal Roboter herum. Da muss man sich erst mal drauf einstellen. Man ist sich gar nicht bewusst, wie weit man schon mit der Forschung ist. Das ist unglaublich. "
    Was in der Robotik möglich ist, die Entwicklungen zu zeigen und zu begleiten, das sei Aufgabe des Museums, sagt Geschäftsführer Jochen Viehoff.
    "Heute sind wir eigentlich an dieser Schwelle, dass diese Robotermaschinen eben auch neue Software bekommen. Dass sie intelligenter werden und damit haben sie auch noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten. Also dass man diese Maschine mit der künstlichen Intelligenz zusammenbringt, das ist eigentlich das, was wir uns im Moment ganz genau angucken. "
    Staunenswert - und ein bisschen unheimlich
    Manches davon löst Staunen aus - und ist sogar ein bisschen unheimlich. Da sitzt zum Beispiel Nadine, ein täuschend menschenähnlicher Roboter, am Schreibtisch und unterhält sich über ein Mikrofon mit Besuchern.
    Ein paar Schritte weiter animiert Roboter-Kollege Pepper eine junge Frau zum Tanzen. Der kleine weiße Kerl kann auch sehr charmant sein, er macht Komplimente - hier auf Englisch.
    "Beep, beep. You look very fashionable. Are you a model? Oh no."
    Über Kameras, Mikrofone und Lautsprecher verarbeitet Pepper Sprache und Signale und reagiert darauf. Gefühle drückt er durch farbige Leuchtfelder um die Augen aus. Besitzer können den kleinen Kerl individuell programmieren. Der Roboter - neuer Partner des Menschen?
    "Wir haben ja auch mit Nadine einen humanoiden Roboter hier, der steht eigentlich genau für diese Fragestellung. Wollen wir mit menschenähnlichen Maschinen zusammenleben? Wollen wir in einer immer älter werdenden Gesellschaft uns von humanoiden Robotern pflegen lassen? Wollen wir mit denen zusammen nachmittags 'Mensch-ärgere-dich-nicht' spielen? Das superspannende Fragen".
    Vorläufer von autonomen Autos
    Führungs-Roboter wie Peter und Petra sind schon heute in Supermärkten, Geschäften oder Restaurants im Einsatz, um Kunden zu helfen. Und die Technik, die in ihnen steckt, macht noch ganz andere Dinge möglich, sagt Jochen Viehoff.
    "Das sind Maschinen, die arbeiten mit einem LIDAR, also mit einer Laserkamera. Das ist eigentlich ein Vorläufer von den autonom fahrenden Autos, Maschinen, die hier jetzt auch schon im realen, im praktischen Einsatz beobachtet werden können. "
    Wem das zu kompliziert wird, der kann mit den Robotern auch einfach nur eine Runde Verstecken spielen.
    "Okay, drehen Sie sich um, schließen Sie die Augen und zählen Sie langsam bis 50."
    Petra kennt alle Ecken im Museum, am Ende wird sie aber doch entdeckt.
    "Ausgezeichnet, Sie haben mich gefunden. Sehr gut gemacht."