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StartseiteInformationen am MorgenHaifa in Flammen25.11.2016

NordisraelHaifa in Flammen

Wegen Bränden in der nordisraelischen Stadt Haifa haben 75.000 Bewohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Wie bei einer Feuerkatastrophe vor sieben Jahren wird auch jetzt wieder über Brandstiftung spekuliert. Regierungschef Benjamin Netanjahu spricht von Terror.

Von Torsten Teichmann

Freiwillige helfen das Feuer in der nordisraelischen Stadt Haifa zu bekämpfen. (AFP - JACK GUEZ)
Freiwillige helfen das Feuer in der nordisraelischen Stadt Haifa zu bekämpfen. (AFP - JACK GUEZ)

In der Stadt Haifa waren auch in den vergangenen Stunden bis zu 300 Feuerwehrleute im Einsatz. Dort bereiten die Flammen den Rettungskräften offenbar immer noch die größten Schwierigkeiten. In elf Stadtvierteln hat die Feuerwehr Gebäude evakuiert. Edna Natif berichtete im Radio über ihre Situation

"Wir mussten unseren Stadtteil verlassen. Hier gibt es einen unheimlichen Druck, aber vor allem große Angst, da nichts organisiert und vorbereitet ist. Die Menschen befinden sich im Schockzustand, stehen vor ihren brennenden Häusern und wissen nicht, was sie tun sollen."

75.000 Bewohner mussten Häuser und Wohnungen verlassen oder konnten zumindest in der Nacht nicht nach Hause zurückkehren. Zu groß ist die Gefahr, dass die Flammen auf weitere Häuser übergreifen.

Neue Feuer sind in der Nacht nördlich und östlich von Haifa ausgebrochen. Bei Kiryat Atta kamen die Flammen ersten Wohnhäusern gefährlich nah. Die Feuerwehr setzt Rettungskräfte außerdem rund um Nazareth ein. Brände werden auch aus dem Westjordanland aus der Gegend um Nablus gemeldet. Und weiter südlich sind die Flammen in den Bergen um Jerusalem noch nicht gelöscht.

Das größte Feuer seit sieben Jahren

Es ist das größte Feuer in Israel seit der Katastrophe vor sieben Jahren. Im Jahr 2010 waren in Waldbränden mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Wie damals wird auch jetzt über die Brandursachen spekuliert.

Das Wetter ist ausgesprochen trocken. Israel Sicherheitsminister Erdan sagte, es gebe aber auch Hinweise, dass einige Feuer gelegt worden sind. Regierungschef Netanjahu sprach als einer der ersten von Terror:

"Jedes Feuer, das in Folge einer Brandstiftung ausgebrochen ist, ist in jeder Beziehung als Terrorakt zu verstehen und wird dementsprechend behandelt. Das habe ich an die Sicherheitskräfte, die Polizei, den Geheimdienst und an die Armee weitergegeben; wir werden jeden Verstoß gegen das Recht bestrafen. Jeder der versucht, oder versuchen wird, Teile des Staates Israel zu verbrennen, wird dafür mit voller Härte bestraft."

Allerdings hat die Polizei in der Nacht vier Verdächtige wieder freigelassen, denen zunächst Brandstiftung vorgeworfen worden war, schreibt die Tageszeitung "Haaretz". Insgesamt habe es acht Festnahmen gegeben, meldet der israelische Rundfunk.

Der Abgeordnete Jabareen wandte sich gegen den Vorwurf, die Feuer seien von palästinischen Israelis gelegt geworden. Die Anschuldigungen seien gefährlich und wilde Hetze gegen die arabische Bevölkerung in Israel.

Unterstützung aus dem Ausland

Israel erhält im Kampf gegen die Flammen Unterstützung aus Griechenland, der Türkei und Russland. Außerdem ist eine zum Löschflugzeug umgebaute Boeing 747-200 aus den USA auf dem Weg, um die Rettungskräfte zu unterstützen. Auch 40 palästinensische Feuerwehrleute sind im Einsatz. Die palästinensische Autonomiebehörde hatte gestern ihre Unterstützung angeboten.

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