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StartseiteCorsoWürdigung der Musik der Afroamerikaner14.06.2016

Obama und PopkulturWürdigung der Musik der Afroamerikaner

Mit der Wahl im November geht in den USA die Präsidentschaft des ersten afroamerikanischen Präsidenten zu Ende. Einen besonderen Stellenwert hatte für Barack Obama die Musik der Schwarzen. Was etwa in Konzerten im Weißen Haus mit prominenten Gästen deutlich wurde. Jetzt hat Obama der afroamerikanischen Musik sogar einen ganzen Monat gewidmet.

Von Klaus Walter

US-Präsident Barack Obama singt "Sweet home Chicago" bei einem Konzertabend im Weißen Haus, beifällig verfolgt von Blues-Legende B. B. King (rechts) (dpa / picture alliance / Pete Souza)
US-Präsident Barack Obama singt "Sweet home Chicago" bei einem Konzertabend im Weißen Haus, beifällig verfolgt von Blues-Legende B. B. King (rechts) (dpa / picture alliance / Pete Souza)
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Kendrick Lamar bei den Grammys Straight outta Compton

"Paint the White House Black!" Malt das Weiße Haus schwarz an! Das fordert George Clinton 1993, dafür tut sich der Funk-Pionier mit Hip-Hop-Größen wie Ice Cube und Dr.Dre zusammen. 2009 zieht Barack Obama als erster afroamerikanischer Präsident ins Weiße Haus ein. Die schwarze Farbe fasst Obama erst mal nicht an, er will der Präsident aller Amerikaner sein. Seine Zurückhaltung in Fragen von Hautfarbe und Rassismus bringt ihm Kritik ein.

"Obama ist ein Blackface Republikaner”, sagt der renommierte afroamerikanische Aktivist Cornel West: Blackface Republican – das heißt nicht nur: Republikaner mit schwarzem Gesicht, es spielt auch an auf eine im 20. Jahrhundert verbreitete rassistische Praxis: Wenn weiße Schauspieler sich das Gesicht schwarz anmalen und sich über Schwarze lustig machen, dann ist das Blackfacing. Wir wissen nicht, ob Obama sich die Kritik zu Herzen genommen hat, aber zum Ende seiner Amtszeit ist er mehr Black President als Blackface.

Kendrick Lamar: "How much a dollar cost”, die komplexe Erzählung des schwarzen Rappers über Armut und Empathie, wird von Barack Obama gewürdigt als bester Song des Jahres 2015. Die New York Times nennt Kendrick Lamar einen "Evangelisten der Black Power". Bei den Grammys im Frühjahr tritt der Rapper mit seiner Crew in Häftlingsklamotten auf, hinter Gefängnisgittern oder in Ketten wie einst die Chain Gangs auf den Sklavenplantagen.

Schwarze Popstars im Weißen Haus

"Niggas gonna be alright", rappt Kendrick Lamar bei den Grammys, im Hintergrund erinnert ein Leuchtfeuer an die Verbrechen des Ku-Klux-Klan. "Niggas gonna be alright" ist die Hymne der Bewegung "Black Lives Matter", gegen rassistische Polizeigewalt. Barack Obama gratuliert per Twitter. "Kendrick Lamar arbeitet für eine bessere Zukunft." Der Rapper spielt den Ball zurück. "I sat down with President Barack Obama. We shared the same views." Er habe den Präsidenten getroffen und sie seien sich einig, darüber dass vor allem schwarze junge Männer Beistand von Älteren brauchen, sagt Kendrick Lamar: "Join me and support my Brothers Keeper by being a mentor in real life."

Man soll doch bitte als Mentor tätig werden bei der Initiative "My Brother's Keeper”. In dieser Gruppe engagieren sich afroamerikanische Künstler für bessere Lebensbedingungen unter schwarzen Jugendlichen. Im April empfing Barack Obama Abgesandte von "My Brother's Keeper” im Weißen Haus, darunter Alicia Keys, Nicki Minaj und Pusha T. Nicht die einzigen schwarzen Popstars im Weißen Haus. Mit seiner Frau Michelle veranstaltet Barack Obama dort regelmäßig Konzerte zur Pflege der amerikanischen Musiktradition.

"For the past seven years Michelle and I stage nights like this to honour music that shakes America. Classical and Country, Blues and Broadway, Gospel and Motown, the women of Soul and the sounds of Civil Rights movement."

Die Konzertnächte sind Geschichte

Obamas Aufzählung verrät seine Vorliebe für afroamerikanische Musikstile. Ein schwarzer Künstler steht auch im Mittelpunkt des letzten Konzerts seiner Amtszeit im Weißen Haus. "For our last one it is fitting, that we pay tribute to one of our favorites, one of the most brilliant and influential musicians of our time, the late great Ray Charles." - "What I'd say." - Das Weiße Haus ehrt Ray Charles. Der R&B Star Usher schlüpft in die Rolle des verstorbenen Sängers, der Saal tanzt und der Präsident gibt ein Duett mit Sam Moore, eine Hälfte des legendären Soul Duos Sam & Dave. "What I'd say."

Die Konzertnächte im Weißen Haus sind Geschichte, aber Obama entlässt sein Land nicht aus der Geschichte. Er hinterlässt ihm den "African-American Music Appreciation Month”. In einer schriftlichen Proklamation erklärt der Präsident den Juni zu dem Monat, in dem die afrikanisch-amerikanische Musik gewürdigt werden soll. Schulen, Universitäten, öffentliche Einrichtungen und überhaupt alle Menschen sollen fortan einen Monat lang die Musik feiern, die von Afroamerikanern geschaffen wurde. Und warum:

Weil die African-American Music zu den innovativsten und bedeutendsten Künsten zählt, die die Welt je gesehen hat, so Barack Obama in seiner Proklamation. Man kann das abtun als reinen PR-Gag, aber seine Nachfolger werden mit dieser Hinterlassenschaft umgehen müssen. Was würde wohl ein Donald Trump mit dem "African-American Music Appreciation Month” anfangen? Der bessere Sänger dürfte der Noch-Präsident sein: "Let's stay together."

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