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Startseite@mediasresSich neu erfinden und sparen04.03.2020

Öffentlicher Rundfunk im der SchweizSich neu erfinden und sparen

Vor zwei Jahren entschieden die Schweizer per Volksabstimmung über die Abschaffung der - damals Billag-Gebühren genannten - Rundfunkbeiträge. Die Bürger stimmten für die Beibehaltung der Gebühren. Gleichwohl ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Schweiz in einem Reformprozess.

Von Dietrich Karl Mäurer

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Fast 72 Prozent stimmten vor zwei Jahren für die Beibehaltung der Rundfunkgebühren* (Dietrich Karl Mäurer)
Fast 72 Prozent stimmten vor zwei Jahren für die Beibehaltung der Rundfunkgebühren* (Dietrich Karl Mäurer)
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Vor der Abstimmung hatten die Schweizerinnen und Schweizer intensiv diskutiert über die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, seine Programminhalte, die Kosten und so weiter. Dann das klare Bekenntnis: Fast 72 Prozent stimmten für die Beibehaltung der Rundfunkgebühren.

Das so deutliche Ergebnis überraschte selbst bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, erinnert sich der heutige Direktor für Entwicklung und Angebot, Bakel Walden: "Doch gleichzeitig war das jetzt kein 'Danke und Weiter so', sondern für uns auch 'n Auftrag, trotzdem für 'ne Veränderung uns weiterzuentwickeln."

Gemeinsame App mit Privaten

Mit dem Rückenwind aus der Abstimmung machte sich die SRG an grundlegende Reformen: "Das bedeutet zum einen, mehr auf Eigenproduktionen setzen, also uns auch mehr differenzieren im Angebot. Das zweite Thema war natürlich ein Spar- und Effizienzprogramm, um Dinge auch zu verändern im Bereich Finanz. Und das dritte waren Kooperationen, dass wir mit privaten Anbietern besser zusammenarbeiten. Denn allein in einer medialen Wüste zu sein, das bringt uns auch nichts."

Obwohl die privaten Mitbewerber als Konkurrenten gesehen werden, hat man mit ihnen zum Beispiel gemeinsam eine App entwickelt, mit der sich sowohl kommerzielle, als auch öffentlich-rechtliche Radiostationen hören lassen. Auch stellt die SRG den Privaten Programminhalte zur Verfügung.

Ein Reformziel war zudem, die Transparenz zu erhöhen, um letztlich zu erreichen, dass sowohl der öffentlich-rechtliche Rundfunk, als auch die Gebühren auf Dauer akzeptiert werden.

Bakel Walden erläutert: durch mehrere Maßnahmen habe man die Transparenz bereits erhöht: "Das Eine ist, um transparent zu sein, wirklich auch Daten, Zahlen, Statistiken zu veröffentlichen. Und wir öffnen aber auch die Gebäude für Touren hier vor Ort:Zaun ist abgebaut, die Leute können auch vor Ort mit in die Sendungen, die können mitdiskutieren. 'Hallo SRF' ist ein Beispiel - Diskussionsformat mit verschiedenen Redaktionen - also der Austausch ist wichtig. Auf Augenhöhe."

Abstimmung als reinigendes Gewitter

Das am meisten diskutierte Reformprojekt des öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunks ist das Sparen - angesichts von sinkenden Werbeeinnahmen und einer schon vor der Volksabstimmung beschlossenen Senkung der Empfangsgebühr.

Das Sparvolumen beträgt 80 Millionen Franken innerhalb von zwei Jahren. Dafür wurden - beziehungsweise werden - noch Standorte zusammengelegt, Budgets gekürzt und Stellen gestrichen. Das alles während die SRG an den meisten Programminhalten festgehalten hat und Angebote für junge Menschen sogar ausbaut. Dies werde für die Belegschaft ein Problem, sagt die Redakteurin und Co-Chefin der Journalisten-Gewerkschaft SSM Priscilla Imboden, "das hat zur Folge, dass der Druck auf die Mitarbeitenden steigt und dass man versucht, möglichst das gleiche zu bieten mit weniger Personal. Das ist natürlich längerfristig nicht möglich. Und wir fordern deshalb, dass auch im Programm parallel zum Personal abgebaut wird."

Die Situation nehme die Unternehmensführung des Schweizer Radio und Fernsehens durchaus wahr, sagt Bakel Walden. "Also es ist klar, wir können jetzt nicht mit dem gleichen Budget den gleichen Umfang machen, das ist logisch. Wir schauen jetzt auch aufs Angebot - wie alle anderen Medienunternehmen auch - und das bedeutet, einen Ausgleich zu haben, sowohl in Struktur, aber irgendwo auch, weniger zu machen."

Grundsätzlich sieht sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Schweiz auf dem richtigen Weg. Die Abstimmung über die Rundfunkgebühren bezeichnet SRG-Entwicklungs-Direktor Bakel Walden als reinigendes Gewitter: "Auch dann Reformbemühungen umzusetzen, Drive zu haben, Enthusiasmus zu haben. Und wir haben das Unternehmen nochmal ganz neu kennengelernt, und stehen jetzt besser da und gestärkter da als vor der Abstimmung."

[*] Anmerkung: In der ursprünglichen Bildunterschrift war eine veraltete Höhe der Rundfunkgebühr in der Schweiz angegeben.

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