Mittwoch, 08. Februar 2023

Olympia-Proteste
Pussy-Riot-Aktivistinnen wieder frei

Die am Rande der Olympischen Winterspiele in Sotschi festgenommenen Mitglieder der kremlkritischen Gruppe Pussy Riot sind wieder auf freiem Fuß. Eine der Aktivistinnen wirft den Uniformierten brutale Gewalt vor. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zeigt sich empört.

18.02.2014

    Nadeschda Tolokonnikova (L) und Maria Aljochina (R) geben ein Interview.
    Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa von der russischen Band Pussy Riot (Anatoly Maltsev, dpa / picture-alliance)
    Nadeschda Tolokonnikowa teilte im Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag mit, dass sie wieder frei seien. Auch der Bürgerrechtler Semjon Simonow von der Menschenrechtsorganisation Memorial sagte, dass er und alle anderen Festgenommenen nach ihren Verhören im Stadtteil Adler wieder in Freiheit seien. Tolokonnikowa warf den Uniformierten brutale Gewalt vor. Sie sei mit dem Gesicht über das Parkett gezerrt und geschlagen worden. Die Aktivistin kündigte eine Klage an.
    Pussy Riot waren nach Angaben ihres Mitglieds Maria Aljochina in Sotschi, um einen neuen Videoclip zu drehen mit dem Titel "Putin bringt Dir bei, die Heimat zu lieben". Dabei waren sie und ihre Kollegin Tolokonnikowa mehrfach festgenommen worden. Sie schrieb über Twitter, sie würden des Raubs beschuldigt und seien mit mehreren anderen Aktivisten unter Gewalt in ein Polizeiauto gezerrt worden.
    Маша Алехина, я и еще одна участница Pussy Riot едем в отдел полиции Блиново за нахождение в Сочи. pic.twitter.com/bj8qpX7gMN— Надя Толокно (@tolokno) February 18, 2014
    "Unter Präsident Wladimir Putin werden die olympischen Ringe zu Handschellen", teilte Amnesty-Sprecher John Dalhuisen mit. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) müsse sich einschalten. Dalhuisen warf den russischen Behörden Menschenrechtsverletzungen vor, indem sie massiven Druck auf Aktivisten ausüben würden.
    Aufruf zum Boykott der Olympischen Spiele
    Die beiden Musikerinnen von Pussy Riot waren im Februar 2012 nach einer Protestaktion gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einer Moskauer Kathedrale wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Kurz vor Weihnachten 2013 wurden sie im Zuge einer Amnestie vorzeitig entlassen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele riefen sie dazu auf, das Sportereignis zu boykottieren. Noch vergangene Woche hatten die beiden Musikerinnen bei einem Besuch in Berlin für ihre neue Menschenrechtsorganisation geworben.