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StartseiteWirtschaft und GesellschaftRestriktive Regeln in Deutschland für Abgabe starker Schmerzmittel16.09.2019

Opioid-Krise in den USARestriktive Regeln in Deutschland für Abgabe starker Schmerzmittel

Hunderttausende Menschen in den USA sind abhängig von Opioiden wie Oxycontin. Den Oxycontin-Wirkstoff gibt es auch hier. Anders als in den USA darf er aber nur unter strengen Auflagen verordnet werden, erklärt Arzneimittelexperte Carsten Telschow.

Carsten Telschow im Gespräch mit Birgid Becker

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FILE - In this Aug. 17, 2018 file photo, family and friends who have lost loved ones to OxyContin and opioid overdoses leave pill bottles in protest outside the headquarters of Purdue Pharma, which is owned by the Sackler family, in Stamford, Conn. New York is suing the billionaire family behind Oxycontin, alleging the drugmaker fueled the opioid crisis by putting hunger for profits over patient safety. (AP Photo/Jessica Hill, File) | (AP Photo / Jessica Hill)
In Deutschland gibt es für die Verordnung von Opioiden strenge Auflagen (AP Photo / Jessica Hill)
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Oxycodon, der Wirkstoff des in den USA verkauften Oxycontins, ist vor gut 100 Jahren in Deutschland entwickelt worden und wird weiterhin als starkes Schmerzmittel verordnet. Hierzulande unterliegen Schmerzmittel, die nach Klassifizierung der WHO zur stärksten Stufe drei gehören, dem Betäubungsmittelgesetz.

Missbrauch: theoretisch vorstellbar, aber schnell zu entdecken

Daher dürfen sie, erklärte Carsten Telschow vom Wissenschaftlichen Institut der AOK, nur unter strengen Auflagen vom Arzt verordnet werden. Dieser müsse besondere Sorgfalt bei der Verordnung walten lassen, die Abgabe müsse lückenlos dokumentiert werden, es gebe Höchstmengen für de Verordnung beim einzelnen Patienten. Ein Missbrauch solcher Regelungen sei theoretisch vorstellbar, würde aber wegen der Auflagen sehr schnell auffallen, meinte Telschow.

Oxycondon zähle in Deutschland mit etwa 40 Millionen Tagesdosen pro Jahr nicht zu den besonders häufig verordneten Opioden. Insgesamt, so Telschow, würden im Jahr etwa 400 Millionen Tagesdosen an Opioden, also morphin-ähnlichen Wirkstoffen, verordnet. Zum Vergleich: Alle Medikamente zusammengenommen, kommt man im Jahr in Deutschland auf 600 Milliarden Tagesdosen.

Aus den Verordnungszahlen, so der Arzneimittelexperte des WIdO, lasse sich nicht ableiten, dass es in Deutschland ein umfassendes Problem mit Abhängigkeiten von Opioiden gebe. Offensichtlich setzten es die Ärzte diese Mittel verantwortungsvoll sein. Der einzelne Patient könne aber durchaus eine Abhängigkeit entwickeln.

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