Zum achten Mal in fünf Jahren
Parlament in Bulgarien wird neu gewählt - Prognose für 19 Uhr erwartet

In Bulgarien hat die vorgezogene Parlamentswahl begonnen. Die Bürgerinnen und Bürger sind bereits zum achten Mal innerhalb von fünf Jahren zur Stimmabgabe aufgerufen. Das Bündnis "Progressives Bulgarien" des russlandfreundlichen früheren Präsidenten Radew gilt als Favorit.

    Der frühere bulgarische Präsident Rumen Radew wirft einen Stimmzettel in eine Wahlurne. Neben ihm stehen viele Fotografen.
    Rumen Radew bei der Stimmabgabe (picture alliance / Matrix Images / Vassil Donev)
    Seit sieben Uhr sind die Wahllokale geöffnet, die Prognose wird für 19 Uhr MESZ erwartet. Wahlberechtigt sind mehr als 6,5 Millionen Menschen. Seit der langjährige Regierungschef Borissow 2021 nach Anti-Korruptions-Protesten zurücktrat, hat keine Regierung länger als ein Jahr gehalten. Zur Zeit gibt es in der Hauptstadt Sofia eine Interimsregierung.

    Früherer Präsident Radew Favorit

    Favorit der Wahl ist Umfragen zufolge das neue Bündnis "Progressives Bulgarien" um den früheren Präsidenten Radew. Umfragen sehen es mit bis zu 34 Prozent der Stimmen klar vorn. Radew war im Januar vom Amt des Staatschefs zurückgetreten, um an der Neuwahl teilzunehmen. Er ist gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und fordert eine Wiederaufnahme des Dialogs mit Russland. Nach eigenen Angaben will er sein Land von seinem "olgarchischen Regierungsmodell" befreien.

    Ehemaliger Regierungschef Borrisow auf zweitem Platz

    Größter Konkurrent ist das konservative Mitte-Rechts-Bündnis GERB-SDS des ehemaligen Regierungschefs Borissow. In Umfragen kam es auf 20 Prozent. Das Bündnis unterstützt die EU und die Ukraine. Borrisow war bereits drei mal Ministerpräsident.

    Korruption in Bulgarien

    Bulgarien gilt als das korrupteste Land der EU, zusammen mit Ungarn. Auslöser für die Massenproteste im Dezember war der Entwurf für den Staatshaushalt 2026: Wäre er durchgekommen, hätte er höhere Sozialabgaben und Steuern bedeutet und gleichzeitig mehr Geld für staatliche Stellen vorgesehen. Die Regierung trat zurück und die Korruption war Thema Nummer 1 im Wahlkampf.

    Verdacht des Stimmenkaufs

    Auch der Wahlkampf selbst war von Korruptionsvorwürfen überschattet. Es gab, ebenso wie bei früheren Abstimmungen, den Verdacht des Stimmenkaufs. Hunderte verdächtige Personen wurden deswegen festgenommen. Beschlagnahmt wurden amtlichen Angaben zufolge Geldsummen im Gesamtwert von einer Million Euro, die für den Kauf von Wählerstimmen bestimmt waren. Eine Stimme sollte demnach zwischen 50 und 100 Euro kosten.
    Wegen Verdachts der Wahlbeeinflussung aktivierte die Interimsregierung des Landes das EU-System zur Bekämpfung von Desinformation und Einflussnahme aus dem Ausland. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind derzeit vor Ort.

    Durchschnittsverdienst 1.300 Euro netto

    Bulgarien ist das ärmste Land in der EU - die Menschen verdienen im Schnitt 1.300 Euro netto im Monat. Das Land hatte zu Jahresbeginn den Euro eingeführt. Bulgarien ist auch Mitglied der NATO.
    Diese Nachricht wurde am 19.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.