Kaukasus
Parlamentswahl in Armenien: Partei von Regierungschef Paschinjan laut Hochrechnungen klar vorn

In der Südkaukasusrepublik Armenien hat der prowestliche Ministerpräsident Paschinjan ersten Hochrechnungen zufolge die Parlamentswahl gewonnen. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission stimmten 51 Prozent für Paschinjans Partei "Zivilvertrag".

    Der Regierungschef von Armenien, Nikol Paschinjan, steht mit Basecap an einem Rednerpult und spricht leidenschaftlich
    Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan bei einer Kundgebung im Endspurt des Wahlkampfs. (imago / Anadolu Agency / Ozge Elif Kizil)
    Der wichtigsten Oppositionspartei "Starkes Armenien" des Unternehmers Karapetjan wurden etwa 23 Prozent zugesprochen. Auf Rang drei landete der Wahlkommission zufolge Ex-Präsident Kotscharjan mit seinem Parteienbündnis Armenien, der knapp zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinigte. Die Wahlbeteiligung lag mit 59 Prozent deutlich höher als bei der vorangegangenen Parlamentswahl 2021. Damals waren es nur 49 Prozent.

    Weitere prorussische Kraft im Parlament

    Kotscharjan werden beste Beziehungen zu Russlands Präsident Putin nachgesagt. Mit der Partei "Starkes Armenien" würde derzeit eine dritte prorussische Kraft mit etwa vier Prozent der Stimmen ebenfalls ins Parlament einziehen. Für eine Mehrheit der moskautreuen Kräfte reicht dies nach erstem Stand aber nicht.

    Wahlkampf stark polarisiert

    Der Wahlkampf war stark polarisiert, von Skandalen und – teilweise auch bewusst falschen – Vorwürfen geprägt. Während Paschinjan der Plan angedichtet wurde, Hunderttausende Aserbaidschaner im Land anzusiedeln, warf die Regierung Russland und der mit ihr verbandelten Opposition Stimmenkauf vor. 
    In Russland lebende Armenier würden speziell zur Wahl in ihre Heimat geschickt, damit sie dort gegen Entlohnung für prorussische Parteien stimmten, sagte ein Regierungsvertreter. Die Behörden haben mehrere Strafverfahren eröffnet, Festnahmen gab es selbst noch am Wahltag. Handfeste Beweise hat die Regierung für die Anschuldigung aber nicht präsentiert.
    Die Wahl gilt als richtungsweisend für die künftige geopolitische Orientierung der Kaukasus-Republik. Die Partei Paschinjans strebt engere Beziehungen zum Westen und insbesondere zur EU an. Karapetjan und seine Partei "Starkes Armenien" wollen dagegen die Beziehungen zur früheren Schutzmacht Russland wieder stärken.

    Weitere Informationen:

    Parlamentswahl mit geopolitischer Bedeutung (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 08.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.