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StartseiteInterview"Es wird lebendiger, aktueller, komplexer"20.12.2015

Parlamentswahl in Spanien"Es wird lebendiger, aktueller, komplexer"

Spanien wählt ein neues Parlament – und steht vor einem historischen Umbruch. Der deutsche Schriftsteller Paul Ingendaay, der in Spanien wohnt, hält es für positiv, dass nicht mehr nur die beiden großen Parteien die Chance auf die Macht haben. Ingendaay nannte es im Deutschlandfunk einen "mustergültigen demokratischen Vorgang", dass der Protest von der Straße sich jetzt in parlamentarische Strukturen verwandelt.

Paul Ingendaay im Gespräch mit Kathrin Hondl

Albert Rivera an einem Rednerpult, im Hintergrund auf einer Leinwand "Vota con ilusión". (picture alliance / dpa / Ballesteros)
Ciudadanos-Chef Albert Rivera bei seinem letzten Wahlkampfauftritt am Freitag in Madrid. (picture alliance / dpa / Ballesteros)
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Seit 1982 habe es eine Zwei-Parteien-Herrschaft gegeben, in der die kleinen Parteien keine Rolle gespielt hätten, sagte Ingendaay. Das Wahlsystem habe die großen Parteien belohnt und die kleinen bestraft. Nun würden sowohl die Rechte als auch die Linke attackiert.

Die Sozialisten seien der neuen jungen Partei "Podemos" nicht links und konsequent genug. Die Regierungspartei PP wiederum sei den Newcomern von "Cuidadanos" nicht liberal genug, zu verfilzt und zu korrupt. Die Korruption sei eines der Themen des Wahlkampfs gewesen.

Paul Ingendaay lehnt am Pfeiler einer Frankfurter Messehalle. (dpa / Uwe Zucchi)Der Schriftsteller Paul Ingendaay. (dpa / Uwe Zucchi)Ingendaay beschreibt zwei zentrale Züge der neuen Parteien: Beide nutzten soziale Netze – und zwar schon die Parteiführer, nicht strategisch vom Marketing geführt. "Die Präsenz ist großartig" und die Fähigkeit der Parteichefs, öffentlich zu sprechen, sei gut ausgebildet.

Zum anderen kämen beide Führer aus sozialen Bewegungen und hätten deren Struktur zu Parteien ausgebaut. Albert Rivera von "Ciudadanos" ("Staatsbürger") aus Katalonien habe sich dort gegen die Sezessionisten profiliert, Pablo Iglesias von "Podemos" ("Wir können") habe aus den regierungskritischen Camps, die sich ab dem 15. Mai 2011 auf dem Platz Puerta del Sol in Madrid bildeten, eine Partei geformt und für ein neues politisches Bewusstsein bei jungen Wählern gesorgt.

Ingendaay nannte das einen mustergültigen demokratischen Vorgang. Die spanische Politik werde lebendiger, aktueller, komplexer, sie werde sich nicht mehr erschöpfen im Entweder Oder.

Das Gespräch können Sie mindestens fünf Monate lang als Audio-on-demand abrufen.

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