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StartseiteCorsoPopliteratur aus weiblicher Sicht11.04.2020

Paula Irmschlers Debütroman "Superbusen"Popliteratur aus weiblicher Sicht

Gisela zieht nach Chemnitz und gründet dort eine Band namens "Superbusen" - ihrer Meinung nach das beste Wort der 80er-Jahre. So beginnt der Debütroman von Paula Irmschler. Was dann folgt, ist Popliteratur, die mit den gängigen Klischees des Genres bricht.

Paula Irmschler im Corsogespräch mit Juliane Reil

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(Pressebild Ullstein Verlag)
In ihrem Debütroman "Superbusen" bricht Paula Irmschler mit den gängigen Klischees von Popliteratur (Pressebild Ullstein Verlag)
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Unter dem Motto "Wir sind mehr" kamen im September 2018 65.000 Menschen in Chemnitz zusammen, um ein Zeichen gegen rechts zu setzen. Bei dem Konzert spielten Bands wie Kraftklub, die Toten Hosen und Feine Sahne Fischfilet. Hetzjagden auf Migranten und Nazi-Aufmärsche hatten im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt. Das Image von Chemnitz war sehr negativ.

Wir haben noch länger mit Paula Irmschler gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Die Autorin und "Titanic"-Redakteurin Paula Irmschler zeichnet ein differenziertes Bild der Stadt. In ihrem Debütroman "Superbusen" erzählt sie von Gisela. Gisela ist eine junge Frau, die mit Anfang 20 zum Studieren nach Chemnitz geht und ein ambivalentes Verhältnis zur Stadt hat. Sie erlebt Nazis, aber die Stadt gibt ihr auch einen großen Freiraum. Sie findet ihre Leute.

Kein reales Band-Vorbild

Die Autorin Paula Irmschler ist selbst in Dresden geboren und zum Studieren nach Chemnitz gegangen. Darin ähnelt sie ihrer Hauptfigur Gisela, die im Buch mit drei Freundinnen eine Band mit dem Namen Superbusen gründet, weil es das beste 80er-Jahre-Wort ist - noch vor "Popsternchen", wie die Frauen finden.

Die Band habe kein reales Vorbild, sagte Irmschler im Dlf: "Ich hätte mich das ähnlich wie Gisela nicht getraut, in diese Richtung etwas zu machen." Aber das sei auch der Grund gewesen, das Buch zu schreiben, so Irmschler weiter: "So habe ich mir das dann einfach ausgedacht, weil ich das mit der Band selbst nie hinbekommen habe."

Gegenteil von einem selbstmitleidigen Hipster

Der Roman hat etwas von einer Coming-of-age-Geschichte. Vor allem aber ist das Buch Popliteratur, die allerdings mit den gängigen Klischees des Genres bricht. Gisela ist das Gegenteil von einem selbstmitleidigen Hipster, der seinen Verflossenen hinterhertrauert, sich zukokst und sich dabei selbst immer noch gern reden hört. Dieser Bruch sei beabsichtigt gewesen, sagte Irmschler: "Mir hat die Geschichte von Frauen gefehlt, die eine Freundesgruppe sind." In Filmen und Büchern würde es in der Wahrnehmung der Autorin meistens um Männer gehen, die eine Band haben oder andere coole Sachen machen: "Es gibt aber auch Frauenfreundschaften, die über Proseccotrinken und Über-Männer-Reden hinausgehen."

Kein pseudophilosophisches Geschwafel

Außerdem gehe es um konkrete Probleme in dem Buch. Haupfigur des Romans  hat selbst mit Essstörungen zu kämpfen. Gisela fühlt sich zu dick in einer Gesellschaft, die andere Schönheitsvorstellungen hat. Popmusik spiegele das wider: Dort gebe es ja auch noch immer bestimmte Vorstellungen davon, wie eine Frau zu sein hat. Künstlerinnen wie Billie Eilish etwa eckten an, weil sie ein eigenständiges Frauenbild repräsentierten: "Weil Eilish nicht in dem Sinne beherrschbar ist", meinte Irmschler. Das Buch kritisiere auch das Denken in weiblichen Stereotypen in der Popindustrie.

Äußerungen unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen

Paula Irmschler: "Superbusen"
Ullstein Verlag Berlin, 2020. 320 Seiten, 20 Euro.

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