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StartseiteCampus & KarriereUni kündigt Konsequenzen für Doktorvater an22.10.2015

Plagiatsfälle in MünsterUni kündigt Konsequenzen für Doktorvater an

23 Plagiate hat die Website VroniPlag an der Uni Münster aufgedeckt - allein vier von ihnen betreut von ein und demselben Doktorvater. Nachdem die Doktoranden bereits abgestraft wurden, will die Universität nun auch den Professor zur Rechenschaft ziehen. VroniPlag hat gleichzeitig weitere Plagiate aufgedeckt - ebenfalls an der Uni Münster.

Von Heike Zafar

Rotes Schloss, im Vordergrund eine grüne Wiese, auf der eine kleine Gruppe Menschen sitzt. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)
Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität im Fürstbischöflichen Schloss in Münster. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)
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Er selbst trägt gleich zwei Doktor- und einen Professorentitel. Trotzdem ist dem umstrittenen Medizinprofessor der Uni Münster offenbar nicht aufgefallen, dass seine Doktoranden große Teile ihrer Arbeit abgeschrieben haben - und das muss Folgen haben, sagt der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Wilhelm Schmitz:

"Die Untersuchungskommission ist zu dem Schluss gekommen, dass es sich um schweres wissenschaftliches Fehlverhalten handelt, man kann nicht alle Plagiate erkennen, das ist klar, aber in schwerwiegenden Fällen muss es einem einfach auffallen. Und man muss auch rechtzeitig vorher darauf hinweisen und von daher sind wir der Ansicht, dass vieles hätte vermieden werden können wenn man da ganz strikt hingeschaut hätte."

Dann nämlich hätte der Professor merken müssen, dass der dreisteste seiner Studenten auf allen 61 Seiten seiner Doktorarbeit von anderen abgeschrieben hat.

Insgesamt 23 Plagiate haben die Plagiatsjäger von VroniPlag allein an der Uni Münster aufgedeckt, vier davon hatte der jetzt abgestrafte Professor betreut: Darum die Entscheidung: Der Mediziner wird nicht entlassen, aber:

"Die Untersuchungskommission und auch das Rektorat haben sich dafür ausgesprochen eine spürbare Sanktion zu verhängen, die wissenschaftliche Arbeitsfähigkeit des Hochschullehrers muss und soll erhalten werden aber was es darüber hinaus gegeben hat an freiwilligen Dingen, können dann auch gekürzt werden, das können Räume sein, das kann auch Personal sein."

So Unisprecher Norbert Robers.

"Die Betreuer können sich nicht davonstehlen"

Die Studierenden finden das nur gerecht. Die meisten ärgern sich, dass der Ruf der Fakultät unter den Skandalen gelitten hat:

"Grundsätzlich natürlich gemein anderen gegenüber."

"Klar, es macht mich traurig, dass es solche Fälle gibt, dass es Doktoranden gibt, die so etwas in Kauf nehmen, aber auch, dass es Betreuer gibt, die solche Sachen möglicherweise noch forcieren."

"Wenn es seine Aufgabe war, Doktorarbeiten zu lesen und er macht es nicht, dann macht er seinen Job nicht richtig, ist doch ganz einfach, oder?"

Zwei Ärzte, die bei dem Professor promoviert hatten, mussten den Doktortitel wieder abgeben, einer wurde nur gerügt, einer ist verstorben. Es hat lange gedauert, bis sich die Uni auch zu Maßnahmen gegen den Professor entschieden hat. Viel zu lange, meint Debora Weber-Wulff: Die geborene Amerikanerin ist Professorin für Informatik in Berlin und hat für die Internetplattform Vroni-Plag schon viele Plagiate aufgedeckt:

"Die Betreuer können sich nicht davon stehlen, sie haben eine Verantwortung als Dozentinnen und Dozenten für gute wissenschaftliche Praxis zu sorgen, sie müssen es vorleben und sie müssen es einfordern für die Leute, die bei ihnen studieren."

"Man muss doch merken, wenn es Wikipedia ist"

In all den Jahren ihrer Nachforschungen habe sie viele dreiste Fälle von Copy and Paste erlebt, so Debora Weber-Wulff. Darum sei es dringend notwendig, auch die Doktorväter und Mütter zur Verantwortung zu ziehen:

"Immer wenn man denkt, man hat das Schlimmste gesehen, kommt noch was oben drauf, wo man sagt, wie kann eine Arbeit durchgehen an einer Universität, wo die Wikipedia-Links noch drin sind? Man muss doch merken, wenn es Wikipedia ist, der Stil wird anders, wenn die Bilder identisch sind, zu einer Doktorarbeit die beim gleichen Betreuer vor zwei Jahren eingereicht worden ist, das muss doch auffallen, das muss doch klar sein. Warum werden den Studenten nicht beigebracht, gib die Quellen an, auch für die Bilder. Das ist etwas, was ich nicht verstehe."

Die Uni Münster setzt jetzt Zeichen: und der abgestrafte Professor dürfte nicht der Letzte sein. Mindestens ein anderer hat ebenfalls mehrere Doktoranden betreut, die laut VroniPlag abgeschrieben haben. Auch über seinen Fall wird der Fachbereichsrat demnächst beraten.

 

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