
Werden Aliens nachgewiesen? Kommt Jesus wieder? Gewinnt Donald Trump den Friedensnobelpreis 2026? All das sind skurrile Wetten bei Polymarket.com. Auf der Plattform gibt es aber auch politisch brisante Wetten wie: Wann werden US-Bodentruppen im Iran einmarschieren? Oder: Wird Zelensky 2026 als ukrainischer Präsident abtreten? All diese Wetten haben ein Volumen von mehreren Millionen US-Dollar.
Polymarket ist ein sogenannter Prognosemarkt. Das Konzept stammt ursprünglich aus der Wirtschaftswissenschaft und ist bekannt für seine Genauigkeit. Dadurch ist Polymarket in den USA auch bekannt geworden: Die Prognose war bei der zweiten Trump-Wahl präziser als Umfragen.
So funktioniert Polymarket
Das Prinzip von Polymarket ist: Nutzer kaufen Ja- oder Nein-Anteile, ob ein Ereignis eintritt. Wenn es eintritt, ist jeder Ja-Anteil einen Dollar wert. Tritt es nicht ein, ist der Ja-Anteil wertlos.
Die Anteile werden wie Aktien an der Börse gehandelt – Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, der zwischen 0 Cent und 1 US-Dollar liegt. Der aktuelle Preis, zu dem ein Anteil gekauft wird, stellt dann die Wahrscheinlichkeit dar, ob das Ereignis eintritt oder nicht.
Peter Thiel investiert in Polymarket
Innerhalb kurzer Zeit verwandelte sich Polymarket in einen Milliardenkonzern durch massive Investments. 2024 kommen siebzig Millionen US-Dollar von Tech-Milliardär Peter Thiel, im Juni 2025 folgen weitere 200 Millionen. Im Oktober steigt sogar die Muttergesellschaft der New Yorker Börse mit zwei Milliarden Dollar ein. Der aktuelle Unternehmenswert liegt zwischen neun und zwölf Milliarden Dollar.
Polymarket vs. Börse
Der zweite große Prognosemarkt neben Polymarket ist Kalshi, In den USA ist Kalshi in eine Trading-App integriert. Wetten funktioniert so ganz nebenbei, wenn die Nutzer gerade Aktien oder ETFs handeln. Und auch die Wettanteile lassen sich jederzeit zum aktuellen Marktpreis wieder verkaufen. Die Grenze zwischen Investieren und Wetten verschwimmt.
Wetten sind im Vergleich zu Aktien aber zeitlich begrenzt. Außerdem sind sie ein Nullsummen-Spiel: Wenn jemand gewinnt, verliert zwangsläufig eine andere Person. Und damit ist es mehr Glücksspiel als Investieren. In Deutschland sind Prognosemärkte deswegen auch als illegales Glücksspiel verboten.
Polymarket und Insiderhandel
Die USA entführen Maduro und die USA stürzen Chamenei. Auf beides wurde bei Polymarket gewettet. Beide Male wurden kurz davor große Summen auf die richtige Option gesetzt. Der Gedanke liegt nah, dass Insider ihr Wissen vergoldet haben.
Was an der Börse verboten ist, ist bei Prognosemärkten sogar erwünscht: Insiderhandel. Polymarket-CEO Shayne Coplan sieht viele Vorteile im Insiderhandel und sagt, es sei eh unvermeidlich. Brisant dabei: Der Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Jr., ist Berater von Kalshi und Polymarket. Dazu ist seine Investmentfirma “1789 Capital” auch noch in Polymarket involviert.
Felix Reichenbach, Wirtschaftswissenschaftler von der TU Berlin, findet das problematisch. Wetten sein mit der Frage, ob jemand zurücktreten werde oder sogar, ob es in bestimmten Ländern Luftangriffe geben wird, könnte zu "Fehlanreizen für Entscheidungsträger" führen.







