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Präsidentschaftskandidatur
Clinton setzt auf Nähe

Bescheiden und nah an den Bürgern - so stellt sich Hillary Clinton in ihrem ersten Wahlkampfvideo dar. Ihre Vergangenheit als Außenministerin der Obama-Regierung ist dagegen kaum ein Thema, schließlich ist sie deswegen angreifbar.

Von Marcus Pindur | 13.04.2015

    Hillary Clinton will US-Präsidentin werden.
    Hillary Clinton will US-Präsidentin werden. (AFP / Ronaldo Schemidt)
    Sie ließ ihre Unterstützer warten, drei Stunden nach dem angekündigten Termin ging das Wahlkampfvideo, in dem Hillary Clinton ihre Kandidatur erklärte, online. Sie gehe jetzt auf die Reise, um sich die Stimmen der Bürger zu verdienen, und sie hoffe, dass viele sie auf dieser Reise begleiten würden.
    Hillary Clinton selbst taucht in dem Video erst ganz am Schluss auf. Viele Szenen aus dem Alltagsleben von Amerikanern werden gezeigt, Die Wählerkoalition, die sie ansprechen will, ist komplett vertreten, von jungen Studenten über Arbeitnehmer in Industrieunternehmen bis zu Ruheständlern, ethnisch divers und teilweise auf Spanisch.
    Eine Premiere in einem Präsidentschafts-Wahlspot ist es, dass gleich zweimal homosexuelle Paare zu sehen sind. Hillary Clinton als Kämpferin für die Mittelschicht, für aufstrebende Familien, für Alleinerziehende. Der bescheidene Ton des Videos und der Ansprache Hillary Clintons, der die Sorgen und Hoffnungen der Bürger in den Vordergrund stellt, ist programmatisch. Denn die Washington-Insiderin Clinton muss glaubhaft machen, dass sie nicht abgehoben ist, keine elitäre Spitzenpolitikerin - trotz der vielen Spitzenämter, die sie innehatte. Ein schwieriger Spagat.
    Viel Kontakt mit einfachen Bürgern
    Im bescheidenen Format will Clinton jetzt zunächst auf die Reise gehen, im wichtigen Vorwahlkampfstaat Iowa. Gespräche mit Bürgern in Cafés, Restaurants und Wohnzimmern. Im kleinen Rahmen. Viel Zuhören ist angesagt. Und die eigene Motivation erklären, und zwar so, dass sie nicht bis ins Detail durchkalkuliert wirkt. Hillary Clinton wirkt distanzierter als ihr Mann, der neulich sagte, Hillary müsse in dieses Rennen gehen, als habe sie sich noch nie zuvor um ein Amt beworben und müsse eine Verbindung mit den Wählern herstellen.
    Ihr Eröffnungsvideo zeigt, dass Hillary Clinton eher einen Brot-und-Butter-Wahlkampf führen will, in dem wirtschaftliche Fairness und Aufstiegsmöglichkeiten im Mittelpunkt stehen, als auf ihre Verdienste als Außenministerin in der Obama-Regierung zu bauen.
    Denn dort ist sie wegen der deutlich gemischten Bilanz der Obama-Administration verwundbar - der wahrscheinliche republikanische Kandidat Jeb Bush führt diesen Angriff bereits jetzt.
    "Wir müssen es besser machen, als die Obama-Clinton-Außenpolitik, die die Beziehungen zu unseren Verbündeten beschädigt hat und unsere Feinde ermutigt."
    Außenpolitische Misserfolge im Fokus
    Jeb Bush wird seine eigenen Probleme haben, sich von der Außenpolitik seines Bruders zu distanzieren. Doch auch andere Republikaner werden versuchen, Hillary Clinton an die außenpolitischen Misserfolge und Fehlurteile der Obama-Administration zu ketten: Neustart mit Russland, Rote Linien in Syrien, die angeblich zu nachgiebigen Verhandlungen mit dem Iran.
    Auch die Affäre um einen privaten E-Mail-Server dürfte ihr politisch zusetzen. Clinton hatte als Außenministerin ein privates E-Mail-Konto dienstlich genutzt. Dies ist zwar rechtlich einwandfrei, hat ihr aber den Vorwurf der Geheimniskrämerei eingebracht.
    Keine halbe Stunde nach Hillary Clinton erklärte der auf dem linken Flügel der Demokraten stehende ehemalige Gouverneur von Maryland, Martin, er erwäge ebenfalls eine Kandidatur. Doch im Moment steht Hillary Clinton in der eigenen Partei gut da. 82 Prozent der Demokraten stehen einer jüngsten Umfrage zufolge hinter ihr - Werte, die kein Republikaner derzeit in seiner eigenen Partei erreicht. Doch Hillary Clinton weiß aus bitterer Erfahrung, dass Erfolg in der Demokratie nie sicher ist. Die Erhebungen der Meinungsforscher dürfte sie deshalb mit Skepsis genießen.