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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenDebatte um Restitution kolonialer Kunst24.01.2019

ProvenienzforschungDebatte um Restitution kolonialer Kunst

Die Debatte nimmt zunehmend an Fahrt auf: Immer mehr europäische und afrikanische Wissenschaftler und Politiker melden sich zu Wort, wenn es um die Rückführung kolonialen Raubguts geht. Doch je intensiver diskutiert wird, umso mehr Fragen tauchen auf.

Von Barbara Weber

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14.02.2018, Hamburg: Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in einer Vitrine ausgestellt. Das MKG hat die Herkunftsgeschichte der drei Bronzen aus seiner Sammlung erforscht und präsentiert die Ergebnisse nun in einer Ausstellung.  (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
Technisch, materiell und rechtlich schwer umzusetzen: die Rückgabe von kolonialer Kunst (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
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"Wir haben in Sachsen eine Art Werkstattausstellung gemacht, wo wir uns auch auseinandersetzen wollten mit der Sammlung in Sachsen. Zuerst geht das natürlich über diese Objektbiografien, was ist der Erwerbskontext dieser Objekte."

Sagt Nanette Snoep, neue Direktorin des Kölner Rautenstrauch-Joest Museums Kulturen der Welt, die vorher verantwortlich war für die Staatlichen Ethnografischen Sammlungen Sachsens:

"Jedes Objekt hat seine eigene Biografie. Und wir dachten, wie können wir das vermitteln. Man kann natürlich lange Texte schreiben, aber das ist auch manchmal langweilig für Besucher. So haben wir die Objekte umgewandelt in aktive Akteure." Zum Beispiel in der Ausstellung "Kistengeflüster":

"Ist da jemand? Ist da jemand? Ich bin hier! 31364.

Mal ganz im Vertrauen, nun bin ich schon so lange hier. Aber was die hier alles über mich rausbekommen haben: Besonderer Gegenstand mit magisch-kulturellem Hintergrund, und auch ein religiöser Zusammenhang, kann nicht ausgeschlossen werden."

"Der Besucher kam dann in einen sehr großen Raum, sah dann von ferne nur zwölf Kisten, und aus den Kisten kam Geflüster, das sind Objekte, die erzählen, dass sie in ihren Kisten liegen und erzählen über ihre eigene Geschichte, wie sie zum Beispiel nach Dresden, nach Sachsen kamen."

"Ich war das künstliche Kind für alle Mädchen und junge Frauen, die so gerne ein eigenes Kind gehabt hätten. Und wenn es dann doch mit dem lebendigen Kind geklappt hat, dann durften sie mich nicht einfach weglegen oder vergessen. Warum? Dann drohte der Mutter und dem Kind Krankheit oder sogar Tod! Ob das der Tierpräparator wusste, als er mich aus Tansania mitnahm?"

Geschichte der Exponate spielerisch vermitteln

Die stilisierte Holzpuppe wurde im Jahr 1912 der Sammlung geschenkt und über 100 Jahre später 2016 im Rahmen der Ausstellung "Kistengeflüster" in Dresden gezeigt.  

"Kistengeflüster war so ein Experiment, um zu sehen, wie können wir auf eine lebendige und eine spielerische Weise, diese Geschichte, die Biografie der Dinge, an Besucher vermitteln, die nicht so viel wissen von Kolonialgeschichte und Provenienz-Forschung."   

So die niederländische Anthropologin Nanette Snoep. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit den Ergebnissen der Provenienz-Forschung umzugehen und Transparenz zu schaffen. Eine ist die konkrete Beschriftung, zum Beispiel mit dem Etikett "Raubgut".  

"In England wurde das jetzt in einem riesen Projekt gemacht, dass man gesagt hat, wer ist eigentlich Sklavenhalter gewesen. Es ist erforscht worden in einem historischen Projekt, und da sind dann in der National Portrait Gallery, an die Portraits ist dann ergänzt worden: "a Slaveholder",

Ulrike Lindner, Professorin für die Geschichte Europas und des europäischen Kolonialismus an der Universität Köln.

"Und so in der Art kann ich mir das auch in deutschen oder europäischen Museen vorstellen, dass sowas erstmal benannt wird, dass dann zum Beispiel auch die Besitzverhältnisse umgekehrt werden, dass die afrikanischen Länder Besitzer sind, die es nur ausleihen, und dass man mit den dortigen Museen und Wissenschaftlern überlegt, wie man so etwas gestalten kann. Das man nicht einfach sagt, so, ihr kriegt das jetzt, und damit ist der Fall erledigt, sondern dass es eben in einer wirklich stärkeren Kooperation stattfindet."

Forderung nach Transparenz

Rund achtzig bis neunzig Prozent der Objekte in deutschen Völkerkundemuseen lagern in Depots. Keiner weiß so genau, was in den einzelnen Kisten verborgen ist.

"Deutschland hat natürlich unglaubliche große ethnologische Sammlungen, auch wenn es nur eine sehr kurze Kolonialgeschichte hat, hat es eine der größten, bedeutendsten ethnologischen Sammlungen europaweit"

Während ihrer Tätigkeit am Musée du quai Branly in Paris, dem nationalen Museum für außereuropäische Kunst, war Nanette Snoep verantwortlich für die digitale Inventarisierung von 300.000 Objekten.

"Das große Problem ist hier, insbesondere für deutsche ethnologische Museen, dass diese Sammlungen manchmal nicht komplett inventarisiert sind, aber insbesondere sie sind noch nicht digitalisiert oder nur teilweise, und sie sind auch noch nicht online. So für Forscher in Afrika, in Australien oder in Asien, die haben kein Zugang auf diese Sammlungen, die müssen dann wirklich nach Europa reisen, nach Deutschland, um die Dokumentation unserer Sammlungen kennen zu lernen. Das ist natürlich ein Problem, deswegen können wir noch nicht sagen, dass wir wirklich transparent schon mit unseren Sammlungen umgehen."

Neuen Aufwind hat die Debatte bekommen durch den Aufruf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und Länder, die eine Einbettung der Restitutionsfrage in die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte fordern.

Eine der Initiatorinnen ist die Historikerin Ulrike Lindner:

"Es gibt zum Beispiel in Kamerun einen Königsstuhl, der ist dem Gouverneur damals geschenkt worden, der ist heute im Völkerkundemuseum in Berlin, und da hat eine Kolonialhistorikerin schon vor längerer Zeit erforscht, wie das zusammenhing mit gleichzeitig einer Präsentation dieses Königs, der sich in deutschen Uniformen dann dem Gouverneur präsentiert hat und sich auch als Person ganz anders präsentiert hat, als die deutsche Kolonialverwaltung das wollte, nämlich nicht als Untergebener, sondern als gleichwertiger Herrscher. Und solche Geschichten sollten auch im Zusammenhang mit den Objekten stärker in den Vordergrund gerückt werden, und das wäre auch im Sinne der Menschen in den Ex-Kolonien, die sich eben auch als Akteure verstehen wollen."

Die Chance bestehe jetzt darin - so die Historikerin - zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich mit dem Thema beschäftigten, und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammenzubringen.

Rückgabe technisch unmöglich

"Das birgt die Chance, dass diese Arbeiten stärker in den Vordergrund, in die Öffentlichkeit, kommen und dass die auch gebündelt werden können, dass die zusammengeführt werden können, und es ein stärkeres Bewusstsein für diese Geschichte der europäischen Moderne gibt, die eben nicht rein europäisch ist, sondern mit den Ex-Kolonien verflochten ist, mit dem Imperialismus, mit dem Ausgreifen Europas in die Welt stark verbunden ist, und das ist ja vielen Menschen einfach nicht gegenwärtig, nicht bekannt, und da birgt es eine große Chance."

Die heftige Diskussion um die Rückgabe geraubter Kulturgüter wird in Europa überwiegend in Frankreich und Deutschland geführt. Afrikanische Wissenschaftler vermissen die gleichwertige Teilhabe an der Debatte.

Flower Manase, Leiterin der historischen und pädagogischen Abteilung des Nationalmuseums von Tansania in Daressalam

"Die Diskussion über die Rückgabe afrikanischer Kunstwerke ist wichtig, aber sie ist völlig unausgewogen. Länder wie Deutschland geben den Ton an. Doch eigentlich sollte bei der Debatte nicht Europa im Mittelpunkt stehen sondern Afrika, wir, die Betroffenen, und wie wir mit der Situation umgehen."

Der Journalist und Autor Werner Bloch  besuchte Flower Manase anlässlich einer Konferenz des Goethe Instituts Ende vergangenen Jahres in Daressalam.  Vor Ort erfuhr er, dass es dem Museum an Geld und Kapazitäten mangele, um Objekte aufzunehmen. Das Museum sei chronisch unterfinanziert, dabei wolle die Wissenschaftlerin das Museum zu einem Ort der Forschung ausbauen.  

Auch Prof. Germain Loumpé aus Kamerun zeigt sich skeptisch:

"Die Rückgabe der Objekte ist materiell und technisch unmöglich. Man kann das gar nicht zurückschicken. In den deutschen Völkerkundemuseen lagern ungefähr eine Million Objekte. Ich weiß nicht, wie man das alles nach Afrika schicken soll? Wohin? An wessen Adresse? Das ist schlicht unmöglich!"

Wissenschaft in Afrika verbessern

Es mangelt an Geld, an Know how - und nicht nur daran: Auch die Wissenschaft benötigt Unterstützung - so Andreas Mehler, Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts und Professor für Entwicklungspolitik an der Universität Freiburg:

"Vielfach beklagen unsere afrikanischen Kollegen, dass wir eine sehr asymmetrische Wissensproduktion weltweit haben. Wenn Sie schauen, wo die großen Wissenschaftsverlage sitzen, wer veröffentlicht wird, wo die Weltkongresse stattfinden, dann ist diese Klage sicher berechtigt. MIASA kann im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitragen, einen Teil der Asymmetrien abzubauen."  

MIASA ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Projekt zum Aufbau eines Instituts an der University of Ghana und anderen Standorten mit dem Ziel, die besten Köpfe weltweit zusammenzubringen, nicht zuletzt aus Deutschland und Afrika.

Der Mosambikaner Elisio Macamo, Beiratsmitglied und Soziologieprofessor am Zentrum für Afrikastudien Basel:

"Ich hoffe, dass das Projekt seine Mission erfüllen wird, die Wissenschaft in Afrika zu verbessern, speziell die Grundlagenforschung. Letztendlich ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der Bedarf in Afrika ist riesig, und man braucht mehr solcher Initiativen."

Andreas Mehler sagt:

"Wir sind überzeugt davon, dass es eine Auswirkung hat, sowohl auf die Forschungsfrage als auch auf Zugang und Perspektive, wenn ich mich an einem bestimmten Ort mit einem Thema beschäftige, ob das nun Klimawandel ist, die Zukunft der Demokratie oder Restitution von kolonialer Raubkunst."

Das war der Hintergrund eines Workshops Mitte Dezember an der Universität Ghana, der sich mit der sich mit Problemen der Restitution und Rückführung geraubter afrikanischer Objekte in europäischen Museen befasst hat.

Andreas Mehler:

"Wir hatten Museumsverantwortliche, Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Geschichtswissenschaft und Archäologie, Ethnologie, Politikwissenschaft, aber eben auch einen Chief und eine Queen Mother, also traditionelle Autoritäten, die eine Verantwortung für Kulturobjekte beanspruchen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Benin, aus Togo, aus Kamerun, Namibia, Nigeria, Ghana, Deutschland, Schweiz und Großbritannien."

Im Vordergrund stand die afrikanische Perspektive auf die gegenwärtige sehr heftig diskutierte Restitutionsfrage, unter anderem ging es auch darum, ob es überhaupt legitime Rückforderungen aus Afrika gibt, ob es die Möglichkeit der sicheren Verwahrung gibt und wie derzeit in der Forschung zwischen Nord und Süd zu diesem Thema kooperiert wird.

Am Ende stand eine Resolution, in der die Teilnehmer forderten, in zweifelsfreien Fällen die Rückgabe von Kulturgütern sofort in die Wege zu leiten.

"Dort, wo auch gesichert ist, dass sie übernommen werden können. Zweitens gibt es eine gemeinsame Verantwortung europäischer und afrikanischer Stellen, um afrikanische Museumsinstitutionen auszubauen und somit sicher zu stellen, dass geraubte Objekte nach ihrer Rückgabe angemessen untergebracht werden. Drittens fordern aber, und das ist aus meiner Sicht auch das wichtigste, die Teilnehmer mehr Teilhabe und Transparenz. Nur in Teilen europäischer Museen ist der Besuch afrikanischer Wissenschaftler wirklich willkommen. Diese wollen aber wissen, was tatsächlich noch alles in den Kellern lagert. Also es muss zum Prinzip werden, dass Objektinventare zur Verfügung gestellt und Museumslagerräume für afrikanische Experten geöffnet werden."

Austausch mit Hindernissen

Die Forderung nach reziproker Forschung würde im Fall afrikanischer Kulturgüter bedeuten, dass nicht nur immer wieder afrikanische Objekte und Gesellschaften Gegenstand europäischer Forschung sind, sondern afrikanische Wissenschaftler zum Beispiel auch die Sammelpraxis oder die Gesetze des internationalen Kunstmarktes erforschen können oder Europa zum Gegenstand afrikanischer Forschung wird.

Das scheitert häufig schon an den simpelsten Voraussetzungen, wie Nanette Snoep aus ihrer Arbeit an Ethnologischen Museen weiß:

"Für die Zukunft und die Relevanz solcher Museen müssen wir natürlich mit Menschen aus den Herkunftsländern arbeiten woher diese Gegenstände kommen. Das sind nicht nur klassische Wissenschaftler, das kann alles sein. Ich sag immer Thinkers and Creatives, das können Künstler sein, das können Voodoo-Priester sein, das können Historiker sein, Psychologen, Schriftsteller oder Ethnologen. Aber dann haben wir sofort das Problem der Mobilität."

Für ihre Ausstellung "Megalopolis - Stimmen aus Kinshasa", die noch bis zum 31.März  im Grassi-Museum für Völkerkunde in Leipzig, zu sehen ist, beantragte das Museum 24 Visa für die Beteiligten, um ihre eigene Ausstellung zu gestalten.

"Das war natürlich eine schöne Idee, aber dann kam sofort die Realität, weil diese Leute kein Visum bekamen. Und wir haben Monate und Monate, fast Jahre daran gearbeitet, um ein Visum zu bekommen für diese Künstler. Am Ende ist es uns gelungen, aber die kamen nur drei Wochen vor der Eröffnung dieser Ausstellung, haben wir Ende November in Leipzig eröffnet, aber das ist natürlich keine angenehme Weise, um zusammen Ausstellung zu machen."

Die bittere Pointe daran:

"Diese Ausstellung "Megalopolis - Stimmen aus Kinshasa" war gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, ja wenn man dann schon Probleme hat für Visa, wie ist es dann für kleinere Projekte?"  

Und selbst wenn solche Projekte in Zukunft reibungsloser klappen sollten, selbst wenn Transparenz geschaffen wurde darüber, woher Objekte stammen und wem sie ursprünglich mal gehört haben, was dann?

Prof. Germain Loumpé aus Kamerun

 "Die Mehrzahl der afrikanischen Kunstobjekte in Europa sind ethnische Objekte. Afrika ist immer noch eine Stammesgesellschaft. Die afrikanischen Staaten bestehen aus Ethnien. Trotzdem leben sie in einem übergeordneten Nationalstaat, der das kulturelle Erbe treuhänderisch verwaltet, aber das bringt oft Konflikte mit sich.

Im Zweifelsfall gehen die Völker, denen die Objekte ursprünglich geraubt wurden, leer aus.

Der Politologe Prof. Andreas Mehler:

 "Denken Sie beispielsweise an Fang-Masken. Die Fang leben heute in Gabun, Kamerun und Äquatorialguinea, wer könnte für sie sprechen? Jedenfalls nicht allein nationale Regierungen."

Rechtliche Rahmenbedingungen fehlen

So genannte Transborder-Communities, also Gruppen, die durch koloniale Grenzen aufgespalten wurden, müssen sich intern abstimmen und sind auf die Kooperation mehrerer Länder angewiesen.  

Andreas Mehler fordert deshalb, dass im Zweifelsfall suprastaatliche Einrichtungen entscheiden müssten.  

"Das gilt für beide Seiten. Auf europäischer Ebene gilt es schon eine Positionierung zu bekommen der EU, weil wir es mit etablierten Netzwerken zwischen europäischen Museen und einem schwunghaften Handel mit afrikanischen Objekten seit dem Beginn des 20.Jahrhunderts in Europa zu tun hatten. Aber in Afrika haben wir auch eine uneinheitliche Sensibilität, die African Union könnte man vielleicht fordern, aber wichtiger wahrscheinlich noch, was die so genannten nationalen Suborganisationen tun."

Und noch ein Problem ergibt sich aus der Debatte, so die Historikerin Ulrike Lindner.  Man braucht …

 "…  gesetzliche Rahmenbedingungen, weil es sonst schwierig ist, Kulturgüter aus Europa zurückzugeben, weil die sind ja meistens im Besitz des Staates, also sie sind Allgemeingut, und es ist schwierig, solche Dinge einfach abzugeben ohne ein bestimmtes Prozedere, und es wäre gut, wenn es dafür einen rechtlichen Rahmen gäbe, den dann Museen oder auch Sammlungen wie anatomische Sammlungen, die Gebeine haben, einfach folgen könnten."

Es geht auch um Machtverhältnisse und Institutionen. Wer sitzt am Verhandlungstisch und wer wird übergangen? Welche Legitimität haben diejenigen, die verhandeln? Geht es um Abmachungen zwischen nationalen Regierungen, oft auch mit zweifelhafter Legitimität oder um lokale Ansprüche?

Fragen, die den Politikwissenschaftler Andreas Mehler bewegen:

 "Ein zweiter Punkt, das ist das Stichwort Vergangenheitspolitik. Eine solche Vergangenheitspolitik betreiben ja nicht nur europäische Regierungen sondern auch afrikanische, und da ist interessant, was fordern die zurück und was nicht, und wie wird ausgestellt, zum Beispiel um eine ungebrochene nationale Heldengeschichte zu schreiben, die aber auch immer ausschließenden Charakter haben kann. Restitution kann somit auch Verlierer produzieren, und das interessiert auch politisch."

Die Debatte um die Rückgabe kolonialer Raubkunst steht erst am Anfang. Ob die "Agentur für Internationale Museumskooperation" - initiiert vom Auswärtigen Amt, Museen, dem Bundestag und Kultureinrichtungen da weiterhilft - ist fraglich.

Doch so viel ist klar, einfach wird die Restitution geraubter Kulturgüter nicht, für keine Seite.

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