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StartseiteHintergrundRussische Söldner in Afrika 14.02.2020

Putins SchattenarmeeRussische Söldner in Afrika

Russland will die Zusammenarbeit mit Afrika ausbauen. Bislang liefert Moskau Waffen und geht Militärkooperationen ein. Beobachtern zufolge kommen auch Söldner zum Einsatz, so etwa in Libyen. Das offenbar in Abstimmung mit dem direkten Umfeld von Präsident Wladimir Putin und unter Missachtung russischer Gesetze.

Von Gesine Dornblüth und Bettina Rühl

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Mann in Soldatenkleidung mit Gewehr kriecht durch Tunnel (ZPress_the_virginian-pilot)
Maskierte Söldner, die ihre Befehle auf Russisch brüllen. Der Fernsehsender Al Jazeera hat nach eigenen Angaben militärische Übungen in der Zentralafrikanischen Republik gefilmt. (ZPress_the_virginian-pilot)
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Afrikanische Soldaten in Tarnuniform rücken zwischen verlassenen und halb verfallenen Gebäuden vor, suchen immer wieder Deckung, aus Furcht vor einem weiteren Angriff aus dem Hinterhalt. Die Offiziere sind hellhäutig und maskiert, brüllen ihre Befehle auf Russisch. Der Angriff in der Zentralafrikanischen Republik ist nur eine militärische Übung, der Fernsehsender Al Jazeera hat sie gefilmt. Erstaunlich dabei ist, dass die Ausbilder maskiert sind. Schließlich macht Russland kein Geheimnis aus seiner militärischen Präsenz in der Zentralafrikanischen Republik, einem rohstoffreichen Land, das sich in einem abgründigen Bürgerkrieg befindet.

Journalisten bei Recherche zum Geheimeinsatz getötet

Vor knapp einem halben Jahr informierte der russische Außenminister Sergej Lawrow den UN-Sicherheitsrat über den Umfang der Mission:

"In der Zentralafrikanischen Republik haben russische Ausbilder in den letzten anderthalb Jahren mehr als 3.000 Soldaten der Armee dieses souveränen Landes geschult."

Zu diesem Zweck habe Russland, so Lawrow in New York weiter, 170 zivile und fünf militärische Ausbilder in die Zentralafrikanische Republik entsandt. Was Lawrow nicht sagte: Bei den Ausbildern handelt es sich vermutlich um Söldner - ein heikles Thema. 2018 wurden drei russische Journalisten in der Zentralafrikanischen Republik getötet, sie hatten zum geheimen Einsatz von Söldnern der so genannten "Wagner"-Gruppe in der Zentralafrikanischen Republik recherchiert. Es gibt viele Indizien dafür, dass deren Kämpfer Waffenlieferungen in das Bürgerkriegsland koordinieren und Soldaten ausbilden. Auch wenn Walerij Sacharow, russischer Sicherheitsberater des Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, das zurückweist. Im Interview mit Al Jazeera bestreitet er am Rande des Übungsgeländes den Einsatz von Söldnern.

"Zwischen den Verteidigungsministerien der Zentralafrikanischen Republik und Russlands wurde ein Vertrag unterzeichnet. Das hier sind Reservisten. Sie gehören nicht zu einem privaten Militärunternehmen wie Wagner. Sie sind Reservisten des Verteidigungsministeriums. Es ist übliche Praxis, für die militärische Ausbildung auf Reservisten zurückzugreifen."

Russische Gesetze verbieten Söldnereinsatz im Ausland

Russische Medien berichteten vor rund fünf Jahren das erste Mal über die Gruppe Wagner. Damals kämpften die russischen Söldner in der Ostukraine auf Seiten der Separatisten. Benannt ist die Gruppe nach ihrem Anführer, einem ehemaligen Offizier der russischen Armee mit dem Kampfnamen "Wagner". Bald kamen erste Tote in Zinksärgen zurück. In Russland wurden die Fälle vertuscht, Gefallene durfte es offiziell nicht geben: Russische Gesetze verbieten den Einsatz von Söldnern im Ausland. Doch "Wagner" selbst wurde von Präsident Putin mit dem Orden "Held Russlands" ausgezeichnet.

Trotz aller Dementis und gesetzlicher Verbote: Es gibt viele Hinweise darauf, dass es sich bei den Ausbildern in der Zentralafrikanischen Republik tatsächlich um Söldner der privaten russischen Militärfirma "Wagner" handelt.

Der Sender "Rossija 1" brachte vor einem halben Jahr eine Exklusiv-Reportage aus dem - angeblich von regulären russischen Reservisten - betriebenen Ausbildungscamp in der Zentralafrikanischen Republik. Der gesamte Beitrag war darauf angelegt, die Existenz von Wagner-Kämpfern zu widerlegen. Doch dann zeigt die Kamera einen Aushang: "Zehn Gebote eines Kämpfers". Gebot Nummer 1 lautet: "Verteidige die Interessen Russlands immer und überall." Unter den Buchstaben schimmert das Wasserzeichen der "Gruppe Wagner" hindurch, wie auf offiziellem Briefpapier.

  (EPA) (EPA)Rückkehr der SöldnerPrivatarmeen, die in den Krieg ziehen: Das gab es in den 1990er-Jahren in mehreren Ländern Afrikas und das gibt es jetzt in Afghanistan und dem Irak. Wirklich neu ist das aber nicht, sagt der Historiker Christian Jansen und verweist auf die Geschichte.

Recherchenetzwerk ortet Gruppe Wagner in Afrika

Ruslan Lewijew arbeitet für das internationale Recherchenetzwerk "Conflict Intelligence Team". Es beschäftigt sich seit Jahren mit russischen Söldnern, analysiert öffentlich zugängliches Material im Internet, arbeitet mit lokalen Informanten zusammen, spricht mit Angehörigen.

"Es waren tatsächlich ein paar offizielle russische Militärangehörige als Berater in der Zentralafrikanischen Republik. Wir haben sie auf Fotos in Sitzungen mit lokalen Kommandeuren erkannt. Das waren hochrangige russische Offiziere. Sie erarbeiten Strategien. Für die praktische Ausbildung sind dagegen Söldner zuständig ... Wir gehen von 150 bis 200 Personen aus."

Russische Söldner der Gruppe Wagner, sagt Lewijew, seien längst auch in anderen afrikanischen Staaten aktiv.

"Wir gehen davon aus, dass die Zentralafrikanische Republik der erste Einsatzort der russischen Söldner in Afrika war. Dann kamen der Sudan, Südsudan und andere Staaten dazu. (...)

Khartum als Logistik-Knotenpunkt für das russische Militär

Der Sudan dient als eine Art Logistik-Knotenpunkt für das russische Militär. Wenn Technik oder Personal nach Libyen oder in die Zentralafrikanische Republik gebracht werden müssen, geschieht das oft über den Flugplatz Khartum."

Im Herbst berichteten lokale afrikanische Medien von russischen Todesopfern in Mosambik: Fünf Söldner sollen von Aufständischen getötet worden sein. Die russischen Behörden dementierten.

Das tun sie auch, wenn es um den Einsatz der russischen Privatarmee in Libyen geht. Russland unterstützt General Chalifa Haftar gegen die international anerkannte Regierung in Tripolis.

Wladimir Putin bemühte sich, eine klare Grenze zu ziehen zwischen seiner Regierung und den Kämpfern.

"Selbst wenn es dort russische Staatsbürger gibt, dann vertreten sie nicht die Interessen Russlands und bekommen kein Geld vom russischen Staat."

Berichte über verletzte Söldner in Petersburger Privatklinik

Das würde auf die Wagner-Truppe passen: deren Kämpfer handeln offiziell nicht im Auftrag der Regierung, stehen nicht im Sold des russischen Staates. Wolfram Lacher von der Stiftung Wissenschaft und Politik forscht seit vielen Jahren zu Libyen, ist regelmäßig vor Ort.

"Was ich bestätigen kann von libyschen Quellen, also sowohl von Vertretern der Kräfte, die gegen Haftar kämpfen, als auch von Augenzeugen in Gebieten, die von Haftars Kräften kontrolliert werden, ist, dass Söldner oder Kräfte aus Russland oder Osteuropa vor Ort sind und kämpfen. Und das seit September, und dass deren Anzahl zwischen September und November letzten Jahres rapide angestiegen ist."

Anfang Januar berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, in Syrien und Libyen verwundete russische Söldner der Gruppe Wagner würden in einer St. Petersburger Privatklinik behandelt, vermutlich kostenlos. Weiter heißt es in dem Bericht, die Klinik gehöre Leuten aus dem persönlichen Umfeld Wladimir Putins.

"Putins Koch" Prigoschin soll Aktivitäten der Wagner-Kämpfer finanzieren

Und dann ist da noch ein Video aus dem Jahr 2018, das die Moskauer Zeitung "Nowaja Gaseta" entdeckt hat.

Zu sehen ist zunächst, wie der Chef des russischen Generalstabs, Gerassimow, den libyschen General Haftar begrüßt. Ein kahlköpfiger Mann im blauen Anzug steht daneben. Es ist Jewgenij Prigoschin. Der Geschäftsmann aus St. Petersburg wurde als "Putins Koch" bekannt. Er versorgt die russische Armee mit Lebensmitteln. Außerdem steht er hinter der sogenannten "Troll-Fabrik" in St. Petersburg, deren Mitarbeiter Desinformation in sozialen Netzwerken betreiben. Und "Putins Koch" Prigoschin soll die Aktivitäten der Wagner-Kämpfer finanzieren. Wenig später sitzt Prigoschin am Verhandlungstisch, auch das ist auf dem Video zu sehen, direkt neben dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schojgu. Wohl kaum, um den Speiseplan zu besprechen, wie die "Nowaja Gaseta" süffisant bemerkt.

In Syrien tauchte die "Gruppe Wagner" 2015 auf, um dort - ganz im Sinne der russischen Regierung - auf der Seite Assads zu kämpfen. Offizielle russische Bodentruppen gab es dort nicht. Nach Erkenntnissen des "Conflict Intelligence Team" waren zeitweise zwischen 500 und 1.000 "Wagner"-Kämpfer in Syrien im Einsatz, sie erfüllten Aufgaben einer regulären Armee, meist an vorderster Front, auch bei schweren Gefechten.

Vom russischen Luftwaffenstützpunkt in Syrien starten häufig Flugzeuge in Richtung Afrika. Klar ist, dass Russland seine Präsenz in Afrika generell ausbaut, nicht nur militärisch.

40 Staats- und Regierungschef beim Russland-Afrika-Gipfel

Das russische Sotschi im vergangenen Herbst. Russlands Präsident Wladimir Putin begrüßte die Teilnehmer des ersten Russland-Afrika-Gipfels. Laut russischen Zeitungsberichten war es eines der teuersten Gipfeltreffen, das Russland in den vergangenen zehn Jahren ausgerichtet hat. Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs reisten an.

"Erlauben Sie mir einen Toast auszusprechen auf den Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit für die Entwicklung einer vollwertigen, beiden Seiten nutzenden Zusammenarbeit, auf Wohlstand, eine friedliche Zukunft und ein Aufblühen unserer Länder und Völker. Vielen Dank, liebe Freunde, dass Sie heute hier sind, gemeinsam mit uns, in Russland, in Sotschi. Vielen Dank."

Bisher verharren die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und den afrikanischen Staaten auf niedrigem Niveau, das räumte auch Wladimir Putin ein. Aber das soll sich ändern.

"Wir werden diese Pläne natürlich von staatlicher Seite unterstützen. Die Konzerne Gazprom, Rosneft, Lukoil setzen aussichtsreiche Öl- und Gasprojekte auf dem Kontinent um. Alrosa fördert Diamanten. Yandex hilft den afrikanischen Staaten in den Bereichen Informationssicherheit und digitale Wirtschaft."

Für Touadéra ist die Russland-Kooperation attraktiver als die EU

Auch wolle Russland die afrikanischen Staaten stärker im Kampf gegen Terrorismus, Extremismus und beim Schutz vor anderen Sicherheitsbedrohungen unterstützen, so Putin. Davon profitiert die russische Rüstungsindustrie. Denn bei dem Gipfel wurden zahlreiche bilaterale Vereinbarungen über eine militärisch-technische Zusammenarbeit unterzeichnet. Unter anderem soll Russland Waffen im Wert von vier Milliarden US-Dollar liefern, auch in Kriegs- und Krisengebiete.

Walerij Sacharow, der russische Berater des Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, macht daraus im Interview mit dem Sender Al Jazeera auch gar keinen Hehl.

Sacharow weist auch darauf hin, dass die Waffenlieferungen womöglich genau das sind, was die Zusammenarbeit mit Russland für den zentralafrikanischen Präsidenten Faustin Touadéra attraktiv macht - attraktiver als die Kooperation mit der Europäischen Union. Sie unterhält ebenfalls eine Ausbildungsmission in dem Bürgerkriegsland, darf aber aufgrund von EU-Bestimmungen keine Waffen ins Land bringen.

"Unsere Ausbilder bieten eine militärische Grundausbildung, die sechs Monate dauert. Anschließend statten wir die Soldaten aus. Das EU-Programm hatte Probleme mit der Bewaffnung. Deshalb konnten die zentralafrikanischen Soldaten am Ende ihres Trainings noch immer nicht vollständig mit Waffen umgehen."

Moskau schloss in vier Jahren 19 Militärabkommen mit Afrika

Die russischen Regularien sind also weniger streng. Und Militärkooperationen mit Russland sind für afrikanische Staaten ganz offensichtlich interessant. Benno Müchler leitet das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo:

"Russland hat in den vergangenen vier Jahren 19 Militärabkommen mit verschiedenen afrikanischen Staaten geschlossen. Einerseits bietet Russland Militärexpertise, also Beratung bei Strategien, bei Fragen der Rüstung, bei Fragen militärischer Aktion, andererseits aber auch ganz konkret militärisches Material. Das kann von Hubschraubern bis zu Panzern bis hin zu Modellen einer Kalaschnikow auch dieses sein."

In Moskau trauern Menschen um die Journalisten Alexander Rastorgujew, Kirill Radtschenko und Orchan Dschemal. (picture alliance/Sergei Savostyanov/TASS/dpa)In Moskau trauern Menschen um die Journalisten Alexander Rastorgujew, Kirill Radtschenko und Orchan Dschemal. (picture alliance/Sergei Savostyanov/TASS/dpa)Recherchen in Afrika - Renommierte russische Journalisten getötetBei einer Recherchereise über russische Söldner in der Zentralafrikanischen Republik sind drei russische Journalisten getötet worden. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Die Reporter waren für ein Projekt des Kremlkritikers Michail Chodorkowski unterwegs.

Die Kooperationen zwischen afrikanischen Staaten und Russland eröffnen weitere Betätigungsfelder für die "Gruppe Wagner" - und für ihren Finanzier, den Geschäftsmann Prigoschin.

Denn dessen Interessen in Afrika seien vielfältig, erläutert Rechercheur Ruslan Lewijew.

"In der Zentralafrikanischen Republik wurde zum Beispiel mit finanzieller Hilfe Prigoschins ein Lokalradio gegründet, das die nötigen Themen setzt. Prigoschin finanziert auch Veranstaltungen, die der Freundschaft zwischen Russland und der Zentralafrikanischen Republik dienen. Und wir haben in Foto- und Videoreportagen gesehen, dass Angehörige der Gruppe Wagner in entlegenere Regionen des Landes fahren, um dort mit Rebellenführern über die Förderung von Rohstoffen zu verhandeln. Offensichtlich nicht immer erfolgreich. Aber das zeigt, dass die Söldner nicht nur auf der Seite der Regierung tätig sind, sondern auch mit den Rebellen arbeiten."

Gas- und Ölförderungsanteile für den Wagner-Finanzier

In Syrien haben russische Söldner auch Ölquellen freigekämpft und gesichert. Laut einer Recherche der "Nowaja Gaseta" sollen Firmen von Wagner-Finanzier Prigoschin dafür Anteile an der Gas- und Ölförderung erhalten haben.

Geht es in Afrika darum, Wirtschaftsvorhaben abzusichern? Ruslan Lewijew vom "Conflict Intelligence Team" hält das für wenig wahrscheinlich. Die Wagner-Kämpfer seien für solche Einsätze zu schlecht ausgebildet:

"Dort nehmen sie Leute, die schon vor langer Zeit in der Armee waren, die im Donbass gekämpft haben; das sind keine Leute, die an neuesten Waffen ausgebildet wurden."

Objekt- und Personenschutz machten andere. Wolfram Lacher, Libyen-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, schätzt die militärische Leistung der russischen Söldner anders ein als Lewijew – zumindest in Libyen:

"Zunächst einmal ist wichtig zu sehen, dass die russischen Söldner zu einem Zeitpunkt auf den Plan getreten sind, im September, als der Krieg in einer Pattsituation war. Und in genau dieser Situation hat dann die Ankunft der russischen Söldner schrittweise das Blatt für Haftar gewendet."

Das liege womöglich nicht nur an deren Fähigkeiten, sondern auch an ihrem Material.

"Was wir auch gesehen haben seit September, Oktober 2019 ist, dass die Treffsicherheit der Artillerie Haftars und Mörser und anderer Geschütze, das die Treffsicherheit sich wesentlich verbessert hat, seitdem die russischen Söldner vor Ort sind. Es wird also direkt in Zusammenhang gebracht. Es ist möglich, dass die neues Gerät mitgebracht haben."

Einig sind sich Lewijew und Lacher darin, dass es Russland nicht in erster Linie darum geht, mit seinem militärischen Eingreifen den Zugang zu Rohstoffen abzusichern.

"Wenn es wirklich um große Interessen ginge in Libyen, dann hätten wir hier ein wesentlich intensiveres Engagement gesehen. Nein, ich glaube, es geht wirklich darum, dieses Vakuum, das die Europäer und Amerikaner hier lassen, auszunutzen, um hier mit sehr geringem Einsatz großen Einfluss auszuüben."

Russische Söldner "werden leichter zu Opfern"

Pro-russíscher Söldner im Mai 2014 in der Ost-Ukraine (picture alliance / AP Photo)Pro-russíscher Söldner im Mai 2014 in der Ost-Ukraine (picture alliance / AP Photo)Russland im Syrien-Krieg - Die Toten der "Gruppe Wagner"Seit fast zwei Jahren beteiligt sich Russland am Krieg in Syrien. Von einem beginnenden zivilen Wiederaufbau ist im Staatsfernsehen die Rede. Doch die Kämpfe gehen weiter. Und die Zahl der Gefallenen steigt, unter ihnen Angehörige einer russischen Privatarmee, die es offiziell gar nicht gibt.

Aber nicht immer ist das eine russische Erfolgsgeschichte: Andreas Heinemann-Grüder forscht an der Universität Bonn zur Gruppe Wagner. Der Konfliktforscher weist auf die Unerfahrenheit der russischen Söldner in Afrika hin.

"Sie haben zu wenig geheimdienstliche Informationen über das Territorium. Sie kennen die Sprachen nicht, sie haben Probleme bei der Interaktion mit den lokalen Kräften, sie können auch nicht auf eine militärische Infrastruktur zurückgreifen, also Logistik, mit der sie sich dann auch zurückziehen können. Der Nachschub ist nicht geklärt. Sie exponieren sich, werden leichter zu Opfern."

Für ihn steht fest: Verglichen etwa mit US-amerikanischen privaten Militärfirmen sei die Gruppe Wagner zwar wesentlich intransparenter; ansonsten aber seien die Unterschiede eher gering.

"Man nutzt sozusagen irreguläre Gewaltakteure, um mit denen Operationen durchführen zu können, die nach dem Kriegsvölkerrecht eigentlich mit regulären Militärs nicht machbar sind, und dass die dann sich verselbständigen, das Phänomen gibt‘s eigentlich überall."

Bei allen Ungewissheiten: Söldner der Gruppe Wagner mischen immer häufiger im Interesse der russischen Regierung mit, gerade in Afrika. Es ist offensichtlich, dass dies in Abstimmung mit dem direkten Umfeld von Präsident Putin geschieht.

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