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StartseiteInterviewRaab ist "für den Sender ein toller PR-Gag"16.02.2013

Raab ist "für den Sender ein toller PR-Gag"

Diskussion um Stefan Raab als Moderator beim Kanzlerkandidatenduell

Stefan Raab soll das Kanzlerkandidatenduell mitmoderieren. Thomas Steg, stellvertretender Regierungssprecher unter Gerhard Schröder, sagt, dass die Moderatorenwahl das "vornehme Recht der jeweiligen Sender" sei.

Thomas Steg im Gespräch mit Friedbert Meurer

Stefan Raab soll das Kanzlerkandidatenduell mitmoderieren. (AP)
Stefan Raab soll das Kanzlerkandidatenduell mitmoderieren. (AP)

Friedbert Meurer: Thomas Steg war stellvertretender Regierungssprecher unter Kanzler Gerhard Schröder, hat 2009 Frank-Walter Steinmeier dann für die SPD im Wahlkampf beraten. Guten Tag, Herr Steg!

Thomas Steg: Schönen guten Tag, Herr Meurer!

Meurer: Halten Sie das für eine Schnapsidee mit Stefan Raab?

Steg: Ich glaube, am Anfang haben viele geglaubt, das ist eine Schnapsidee. Manche haben wahrscheinlich gedacht, wenn der Raab das macht, ist das die Bankrotterklärung von Politik und Fernsehen gemeinsam, und andere hoffen – offensichtlich auch derjenige, der diese Idee zum ersten Mal öffentlich gemacht hat, nämlich Edmund Stoiber –, dass Stefan Raab so was wie der Retter der Politik im deutschen Fernsehen sein kann. Warten wir mal ab! Zunächst einmal ist es, glaube ich, für den Sender ein toller PR-Gag. Ob es mehr wird: Warten wir ab!

Meurer: Wo sind wir denn schon hingekommen, dass Stefan Raab die deutsche Politik und die mediale Darstellung von Politik retten soll?

Steg: Also, dieses Fernsehduell ist für Millionen von Menschen ein wichtiges Format, weil sie sich ein Bild machen können, ein eigenes Bild machen können über die Kandidaten, in diesem Fall über Angela Merkel und Peer Steinbrück. Und eigentlich wollen sie eine Informationssendung. Die große Gefahr, die jetzt besteht, ist gewissermaßen, dass dieses Format systematisch entwertet wird, nicht mehr ernst genommen wird. Und dass viele vielleicht die Sorge haben, dass Politik sich lächerlich macht, wenn jemand wie Stefan Raab, der ansonsten nicht als derjenige gilt, der ernsthafte Fernsehsendungen moderiert, jetzt dieses Format mit moderiert. Meine Sorge ist weniger, dass Raab irgendwie unangenehm auffallen könnte – viele finden das wahrscheinlich ganz spannend, wie Merkel und Steinbrück sich ihm gegenüber verhalten –, meine Sorge ist eher, dass da vier Moderatoren sich so was wie einen Schönheitswettbewerb leisten werden und sich gegeneinander ausstechen wollen. Insofern wird das schon ein bisschen problematisch.

Meurer: Also, Raab hat ja schon gesagt, er will brav am Katzentisch sitzen. Ob man es ihm glaubt oder nicht, wird man sehen. Warum glauben Sie, dass die anderen drei ihr Verhalten verändern werden?

Steg: Ach, na ja, die Vergangenheit hat doch gezeigt, dass dieses Fernsehduell im deutschen Fernsehen mit vier Moderatoren doch überbesetzt ist. Und eigentlich wird dieses Fernsehduell gemacht, damit man den beiden Kandidaten auf den Zahn fühlt. In der Vergangenheit, 2009 ganz besonders, aber auch schon 2005 hatte man eher den Eindruck, dass es darum geht, dass die Moderatoren sich selbst eifersüchtig beobachten und versuchen, den anderen auszustechen. Und am Ende wird es ein Wettbewerb, wer ist der beste, der eloquenteste Moderator in diesem Duell, und nicht, wer ist der beste Kandidat.

Meurer: Das war ja zuletzt ein bisschen steif gewesen. Um über die Chancen zu reden, Herr Steg: Bringt ein Stefan Raab frischen Wind in die Sache?

Steg: Ach, na ja, zumindest bringt er jetzt im Vorfeld eine ungeheure Aufmerksamkeit. Und viele, viele sind einfach neugierig und werden wahrscheinlich dieses Duell auch unter dem Blickwinkel sehen, wie machen sich die Kandidaten, wie macht sich Raab und wie funktioniert das Zusammenspiel etwa mit Anne Will oder Maybrit Illner, sofern diese beiden Frauen von ihren Sendern nominiert werden? Also, das könnte ein bisschen Auflockerung bringen!

Meurer: Würde ein Stefan Raab tatsächlich beeinflussen können, dass eine Angela Merkel sich anders verhält im TV-Duell?

Steg: Also, ob sich Angela Merkel anders verhalten wird, da würde ich ganz, ganz entspannt sein! Ich glaube, sie wird sich nicht davon irritieren lassen. Und ich kann auch nur sagen: Die Erwartung wird sein, welchen Eindruck hinterlassen die Kandidaten, wie gehen sie mit Stefan Raab um, gelassen, schlagfertig, witzig? Und ich glaube, beiden Kandidaten ist zuzutrauen, dass sie eine geeignete Form finden, auf Stefan Raab zu reagieren.

Meurer: Schlagfertigkeit ist ja eine Stärke von Steinbrück. Was würden Sie ihm raten?

Steg: Also, ich würde Peer Steinbrück und auch Angela Merkel raten, ganz gelassen das auf sich zukommen zu lassen. Da gibt es jetzt eine schöne Diskussion. Und am Ende sollte man auch sagen, er ist einer von drei Moderatoren, wenn es so kommt. Und ich würde kein Sparring empfehlen, weder mit Oliver Welke, noch mit Harald Schmidt, sondern beiden Kandidaten empfehlen: Die Zuschauer wollen wissen, was das für Kandidaten sind als Personen, wie sie handeln wollen, wie sie agieren wollen, welche Politik sie machen wollen. Und insofern sich nicht verstellen und einen authentischen Eindruck vermitteln. Darum geht es!

Meurer: Die Satire-Show, "heute show" im ZDR, das ist eine tolle Sendung, bekommt Preise, aber insgesamt: Muss man nicht sagen, verkommt Politik in den Medien nicht langsam zur Witzshow?

Steg: Ich würde nicht allgemein davon sprechen, dass das in den Medien ein durchgängiger Trend ist. Es gibt sehr viele, sehr seriöse Medien. Sie arbeiten bei einem außerordentlich seriösen Sender, der Politikinhalte vermittelt, die deutschen Qualitätszeitungen haben unverändert einen hohen Anspruch. Tatsache ist, dass sich Mediengewohnheiten verändert haben und sehr viele Menschen gerade im Fernsehen Politik mit einer Mischung aus Unterhaltung dargeboten haben wollen. Und es spricht im Grunde genommen nichts gegen gute politische Unterhaltung und nichts gegen unterhaltsame Politik. Aber es darf nicht eine platte Entertainisierung geben.

Meurer: Die Kanzlerin sagt, das müssen die Sender entscheiden, wen sie als Moderator aufstellen. Mal an Sie gefragt als jemand, der doch die Dinge hinter den Kulissen kennt: Wird da jetzt vielleicht doch hinter den Kulissen geschraubt, Stefan Raab zu verhindern?

Steg: Nein, das nehme ich nicht an. Das ist, seitdem es das Fernsehduell gibt in Deutschland, in der Tat das Privileg oder das vornehme Recht der jeweiligen Sender, die Moderatoren selbst zu bestimmen. Die Regeln, die Redezeiten, auch, wer die erste Frage bekommt oder wer die letzte Antwort hat, das wird alles mit den Kandidaten und ihren Mitarbeitern abgestimmt. Aber die Moderatoren werden von den Sendern festgelegt. Und da hat die Kanzlerin richtig reagiert, das soll denen überlassen bleiben. Und ob am Ende ProSiebenSat.1 tatsächlich an Stefan Raab festhalten wird, wir werden es sehen!

Meurer: Der PR-Berater Thomas Steg, einst hat er Gerhard Schröder gedient als stellvertretender Regierungssprecher, über die Idee und den Plan, dass Stefan Raab das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück moderieren soll. Herr Steg, danke schön, Wiederhören, schönes Wochenende!

Steg: Herr Meurer, tschüss!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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