
Die Beteiligung ist nach Beobachtungen eines Reporters der Nachrichtenagentur dpa bislang rege. Nach Angaben der Wahlkomisssion gaben innerhalb der ersten drei Stunden knapp 15 Prozent der Wähler ihre Stimme ab.
Die Kaukasusrepublik pflegte bislang traditionell enge Beziehungen zu Moskau. Die Regierung signalisierte zuletzt aber verstärktes Interesse an einer Anbindung an die Europäische Union. Entsprechende Botschaften gingen Anfang Mai vom EU-Armenien-Gipfel aus. Erst vor wenigen Tagen war US-Außenminister Rubio in der Hauptstadt Eriwan. Kritiker monierten das westliche Vorgehen als Wahlkampfhilfe für die Regierungspartei.
Opposition ist fragmentiert
Ministerpräsident Paschinjan strebt mit seiner Partei "Zivilvertrag" eine dritte Amtszeit an. Die Opposition ist fragmentiert. Zu ihren einflussreichsten Akteuren zählen der unter Hausarrest stehende Oligarch Karapetjan mit seiner Partei "Starkes Armenien" und Ex-Präsident Kotscharjan, der das Wahlbündnis "Armenien" führt. Beide gelten als prorussisch. Russlands Staatschef Putin hatte das Land in der vergangenen Woche vor wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Annäherung an die Europäische Union gewarnt.
Verhältnis zu Aserbaidschan weiter Thema
Ein weiteres Wahlkampfthema war das Friedensabkommen mit dem langjährigen Erzfeind Aserbaidschan. Armenien hatte es im vergangenen Jahr nach der Niederlage im jüngsten Krieg unterzeichnet und dabei seinen Verzicht auf die seit Jahrzehnten umkämpfte Region Bergkarabach erklärt. Viele der drei Millionen Armenier sind damit nicht einverstanden.
Aserbaidschan wird traditionell von der Türkei unterstützt, Armenien eigentlich von Russland. Moskau blieb jedoch, vermutlich auch wegen der Herausforderungen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine, beim jüngsten Waffengang um Bergkarabach weitgehend passiv, was bei vielen in Armenien Unmut ausgelöst hat.
Experte: "Demokratischer Vorreiter in der Region"
Der Leiter des Südkaukasus-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung, Jakob Wöllenstein, sagte im Deutschlandfunk, die USA und die EU hätten Interesse an dem Land mit Blick auf einen möglichen Handelskorridor im Kaukasus. Zudem sei Armenien ein demokratischer Vorreiter in der Region. Viele seien der Auffasssung, das Land gehöre als ältestes christliches Land zum großen Bereich der europäischen Zivilisation. Wöllenstein fügte hinzu, in Umfragen gebe eine Mehrheit der armenischen Bevölkerung an, langfristig einen EU-Beitritt zu wollen, und gleichzeitig eine balancierte Außenpolitik, die versuche viele Partnerschaften einzugehen.
Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.







