Venezuela
Rodríguez legt Amtseid ab - Trump geht nicht von schneller Neuwahl aus

In Venezuela hat die bisherige Vizepräsidentin Rodríguez offiziell das Amt als geschäftsführende Präsidentin übernommen. Nach Einschätzung von US-Präsident Trump wird es trotz entsprechender Verfassungs-Vorgaben in den nächsten 30 Tagen keine Neuwahl geben.

    Delcy Rodriguez (l), Nachfolgerin des durch US-Spezialeinheiten gefangen genommenen venezolanischen Präsidenten Maduro, wird als geschäftsführende Präsidentin vereidigt.
    Delcy Rodriguez (l), wird als geschäftsführende Präsidentin in Venezuela vereidigt. (Stringer / dpa)
    Das Land müsse zunächst wieder "in Ordnung gebracht" werden, sagte Trump dem Sender NBC News. Venezuelas Verfassung sieht vor, dass bei einer dauerhaften Abwesenheit des Präsidenten zunächst die Vizepräsidentin die Amtsgeschäfte übernimmt. Diese muss innerhalb eines Monats eine Neuwahl ansetzen. Ob die neue Staatsführung die aktuelle Lage als dauerhafte Abwesenheit bewertet, ist allerdings unklar.

    Maduro beteuert Unschuld

    Die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez legte inzwischen ihren Eid als geschäftsführende Präsidentin ab. Sie erklärte, sie werde sich für "Frieden und Ruhe" in ihrem Land einsetzen. Derweil beteuerte Präsident Maduro bei seiner ersten Anhörung vor einem Gericht in New York seine Unschuld. Er betrachte sich weiterhin als Staatschef Venezuelas. Die US-Justiz wirft ihm "Drogenterrorismus" vor.
    In einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats warf der venezolanische Botschafter Moncada Washington einen Bruch des Völkerrechts vor. US-Botschafter Waltz sprach hingegen von einem Akt der Strafverfolgung. Auch habe Maduro zuvor mehrere diplomatische Angebote ausgeschlagen. Russland und China verlangten in der Sitzung die Freilassung Maduros und seiner Ehefrau.

    Stegner fordert klare Stellungnahme Deutschlands

    Der SPD-Politiker Stegner forderte eine klare Stellungnahme der Bundesregierung. Stegner, der Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages ist, sagte im Deutschlandfunk, eine Verletzung des Völkerrechts, wie es die USA mit ihrem Eingreifen in Venezuela begangen hätten, bleibe ein Rechtsbruch und müsse auch so benannt werden. Das Verhalten der US-Regierung sei nichts weiter als Großmachtpolitik. Er riet den europäischen Staats- und Regierungschefs, stärker zusammenzuarbeiten und auf die eigenen Stärken zu setzen.
    Bundesaußenminister Wadephul hatte gestern im Deutschlandfunk an die USA appelliert, internationales Recht zu achten. Gleichzeitig sagte er, die Lage sei hoch komplex. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzler Merz.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

    Venezuela - Zur aktuellen Lage
    Reportage von der Grenze zu Venezuela – Blick aufs Heimatland (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 06.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.