Interview / Archiv 19.05.2018

Royale Hochzeit von Harry und Meghan"Hoffentlich ein Zeichen, dass das königliche Haus politischer wird"Tony Paterson im Gespräch mit Philipp May

Prinz Harry und Meghan Markle fahren nach ihrer Hochzeit in einer Kutsche in Windsor (imago / i Images)Sehr gut für das Image der Royal Family: Das Hochzeitspaar Prinz Harry und Prinzessin Meghan (imago / i Images)

Die königliche Familie sei in politischen Fragen immer neutral geblieben, sagte der britische Journalist Tony Paterson im Dlf. Er hoffe jedoch, dass Prinz Harry und seine Frau, Prinzessin Meghan, die Möglichkeit haben werden, sich stärker politisch zu äußern, da sie weit hinten in der Thronfolge stünden.

Philipp May: In Berlin erreiche ich jetzt den britischen Korrespondenten des "Independent" für Deutschland, Tony Paterson, und zwar auf dem Festnetz, also wahrscheinlich eine deutlich bessere Leitung. Schönen guten Tag!

Tony Paterson: Ja, guten Tag!

"Möglichkeit, sich gemeinsam zu freuen in den dunklen Brexit-Zeiten"

May: Herr Paterson, können Sie dieses Ballyhoo da nachvollziehen?

Paterson: Ja, absolut. Ich meine, The Royal Family ist seit mindestens Diana eine Selfmade Soap Opera, und es läuft wahnsinnig gut, es verkauft sich sehr gut, und diese Entwicklung ist, denke ich, absolut zu verstehen. Wenn man die Gesichter und die Leute anschaut im Fernsehen, zumindest im BBC, wie ich das heute Morgen gemacht habe, die Atmosphäre ist ganz gut und die Leute freuen sich absolut. Es ist eine Möglichkeit, sich gemeinsam zu freuen in den dunklen Brexit-Zeiten.

May: Heute Morgen haben Sie geschaut, haben Sie gesagt, aktuell läuft der Fernseher nicht bei Ihnen?

Paterson: Mein Fernseher nicht, nein. Ich hab das im Netz, im BBC direkt angeschaut. Ich weiß nicht, ob ich das hier bei mir im Fernseher reinkriege.

May: Mit welchen Gefühlen schauen Sie denn auf das Ereignis?

Paterson: Ich denke, das ist eher absolut neutral. Ich sehe das als eine gelungene Gelegenheit für die Royal Family, sich zu verfestigen in Großbritannien, die bringen eine große Show auf die Bühne, und das verstärkt die britische Monarchie in unruhigen Zeiten enorm, und das ist gelungen. Ich denke, es bewegt sich mit Harry, der ist vielleicht der sechste in der Linie, der als Thronfolger überhaupt denkbar ist.

Er hat wesentlich mehr Spielraum, er kann sich viel lockerer benehmen und äußern als zum Beispiel William und Kate, und das macht er. Und auch die Tatsache, dass Meghan Markle aus einer afroamerikanischen Familie stammt, ist sehr gut für das Image der Royal Family, das bietet ein lockeres Image an und alles ganz gut für die Familie. Ob das gut für Großbritannien ist, ist eine andere Sache.

"Der Brexit war eine verpasste Möglichkeit, etwas zu sagen"

May: Nichtsdestotrotz, wenn man die Berichte über das britische Königshaus in den deutschen Medien verfolgt hat, dann war ja der Tenor, die Royals, die sind derzeit so wichtig wie noch nie vielleicht für dieses gespaltene Land, weil sie eben das Land einen. Würden Sie da mitgehen?

Paterson: Ja, da würde ich absolut zustimmen, aber ich denke, das Problem aus meiner Sicht ist und war, ist, dass die königliche Familie absolut neutral ist, immer ziemlich neutral geblieben ist. Die einzige Ausnahme war vielleicht Queen Elizabeth zu Zeiten des Referendums über Schottland, wo Schottland innerhalb des United Kingdom bleiben soll. Und sie hat damals gesagt, die Engländer oder die Briten, die Schotten sollten sehr sorgfältig darüber nachdenken, ob sie diesen Schritt wagen, also Austritt aus dem United Kingdom. Das Gleiche hat sie ja leider nicht gemacht im Fall von Brexit, aber durch die Tatsache, dass Großbritannien momentan durch den Brexit so sehr gespalten ist, hat die Königin natürlich eine sehr wichtige und gestärkte Rolle bekommen.

May: Das heißt, das Königshaus sollte politischer werden?

Paterson: Ich meine, ihre Devise war immer, nichts kommentieren, nicht politisch werden, aber es gibt Zeiten, wo das vielleicht nötig sein sollte. Nach meinem Standpunkt habe ich gesagt, ich denke, Brexit war eine Möglichkeit, eine verpasste Möglichkeit, was zu sagen. Das hat sie nicht gemacht. Man kann sagen in Großbritannien, okay, das ist nicht deren Rolle, aber wenn man sich andere Königsfamilien in Europa anschaut, zum Beispiel Spanien, das Königshaus dort und ihre Rolle gegen General Franco zum Beispiel …

May: Oder jetzt im Katalonien-Konflikt.

Paterson: Ja, okay, aber ich meine, die haben eine gewisse politische Rolle gespielt, ob es stimmt oder nicht, aber die haben was zu sagen gehabt. Ob das Königshaus in Großbritannien so bleiben soll, wird wahrscheinlich immer so sein, das ist, weil es so populär ist und auf diesem Kurs fährt, aber vielleicht gibt es bei Harry und Meghan Markle die Möglichkeit, was zu sagen.

"Meghan und Harry werden mehr Spielraum bekommen als William und Kate"

May: Guter Hinweis, jetzt kommt ja eben diese Meghan Markle, eine dezidiert feministische US-amerikanische Schauspielerin, die sich ja auch politisch äußert. Wie passt das denn zum britischen Königshaus?

Paterson: Ja, das ist eine sehr interessante Frage. Ich meine, sie verbreitet Botschaften auf Twitter oder hat das bisher getan, die Frage ist, wird das noch möglich sein, werden Meghan und Harry die Möglichkeit haben, sich mehr politisch zu äußern, weil sie so weit weg sind eigentlich vom Thron, dass die da eine Möglichkeit bekommen könnten. Ich hoffe das.

In anderen Hinsichten sind die beiden sehr viel menschlicher als Kate und William. Die haben Probleme, worüber gesprochen wird, bei Kate und William eher nicht so. Hoffentlich ist das ein Zeichen, also sind diese beiden ein Zeichen dafür, dass das königliche Haus ein bisschen lockerer und ein bisschen humaner und ein bisschen politischer wird.

May: Ich gebe zu, bei mir im Studio läuft der Fernseher, und ich habe gerade Sarah Ferguson gesehen. Da fällt mir gerade die nächste Frage ein: Glauben Sie, ihr ist klar, worauf sich Meghan da überhaupt eingelassen hat, also Meghan selbst? Es sind ja eben schon andere an dieser Rolle gescheitert, am Königshaus, Sarah Ferguson zum Beispiel.

Paterson: Absolut. Diana auch zum Beispiel. Sie hat gar nicht gewusst, was da los ist. Ich denke, dass sie ein viel offeneres Verhältnis haben, und die Tatsache, dass die beiden so weit weg sind vom Thron, dass die Chance, dass er überhaupt jemals König sein wird, sehr gering ist. Dass die Königin, also die werden viel mehr Spielraum bekommen als zum Beispiel William und Kate.

Aber ob sie weiß, worauf sie sich eingelassen hat, das ist eine sehr interessante Frage. Sie ist eine kluge Frau, sie ist auch politisch, ob sie weiß, ob es ihr absolut bewusst ist, dass ihre politische Rolle zumindest vorerst ziemlich eingeschränkt sein wird, das weiß ich nicht.

May: Sagt Tony Paterson, Berlin-Korrespondent der britischen Zeitung "Independent". Herr Paterson, vielen Dank für das Gespräch!

Paterson: Nichts zu danken!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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