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StartseiteInformationen am MorgenZurückgekehrte sind empfänglich für Terrorgruppen27.11.2019

Rückkehr nach AfghanistanZurückgekehrte sind empfänglich für Terrorgruppen

Nach Afghanistan Zurückgekehrte und Abgeschobene sind nach einer Studie besonders empfänglich für Rekrutierungsversuche von terroristischen Gruppen. Eine Reintegration in die afghanische Gesellschaft sei schwierig, denn die Rückkehrer seien durch die Flucht oft stark verschuldet und arbeitslos.

Von Marie-Thérèse Harasim

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Afghanen stehen nach ihrer Rückkehr an der Passkontrolle in Kabul. 45 abgelehnte Asylbewerber wurden mit dem Sonderflug in Afghanistans Hauptstadt Kabul abgeschoben. (dpa / Michael Kappeler)
Afghanen stehen nach ihrer Rückkehr an der Passkontrolle in Kabul (dpa / Michael Kappeler)
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Wie viele in die EU geflüchtete Afghanen sind eigentlich in ihr Heimatland zurückgekehrt? Während die EU von rund 19.000 Zurückgekehrten im Zeitraum von 2015 bis 2017 ausgeht, spricht Afghanistan von etwa 8.500 und das innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Die Zahlen unterscheiden sich stark – für die Macher einer Untersuchung zur Lage der Rückkehrer ein Indiz dafür, dass sich die afghanische Regierung nicht wirklich für die Flüchtlinge interessiert habe. Für die Untersuchung wurden 50 Rückkehrer und Abgeschobene befragt.

Die Untersuchung zeige, dass Zurückgekehrte und Abgeschobene besonders empfänglich für Rekrutierungsversuche von terroristischen Gruppierungen seien, so Hadi Marifat von der afghanischen Menschenrechtorganisation AHRDO und Autor der Studie. Er sieht dafür viele Gründe:

"Viele können nicht in ihre Heimatprovinzen zurückkehren. 58 Prozent fühlen sich dort nicht sicher, sodass sie häufig in irgendwelchen Städten wohnen. 15 der Befragten hatten keine Wahl: Sie mussten in ihre Heimatregionen zurückzukehren, obwohl ihre Sicherheit bedroht ist und sie sich in Lebensgefahr begeben."

Viele Rückkehrer verschuldet

Außerdem würden die Rückkehrer von Präsident Ghani als unpatriotisch abgestempelt. Statt also Hilfe bei der Reintegration zu bekommen, werde diese durch die afghanische Regierung zusätzlich erschwert. 40 der Befragten gaben an, sich für die Finanzierung der Flucht nach Europa stark verschuldet zu haben. Sie kostete rund das zehnfache eines afghanischen Durchschnittgehaltes. Weil die meisten der Rückkehrer arbeitslos sind, sind sie nicht in der Lage, ihre Schulden zu begleichen. Viele würden sich deswegen nicht trauen, zu ihren Familien zurückzukehren.                                                                                

"Afghanistan hat viele Sicherheitsprobleme. Mit den Rückkehrern gibt es eine verzweifelte Gruppe mehr: Zwölf Prozent wollen sich an der afghanischen Regierung rächen, weil sie der Meinung sind, dass sie von der afghanischen Regierung hintergangen wurden, als diese 2016 das Abschiebeabkommen mit der EU unterzeichnete", sagt Marifat.

Das 2016 Inkraft getretene Abkommen regelt die Rückführung von in die EU migrierten Afghanen, im Gegenzug wurden dem Land von der EU umfangreiche finanzielle Hilfen zugesagt.

Evaluierung vom BAMF fiel positiv aus

Die Ergebnisse der Untersuchung widersprechen einer Evaluierung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur freiwilligen Rückkehr. Sie ist in der vergangenen Woche vorgestellt worden und zog eine positive Bilanz. Ramona Lenz von Medico International sagt dazu:

"Man muss hinter diese freiwillig ein großes Fragzeichen setzen, was auch unsere Partner aus Afghanistan nochmal bekräftigt haben. Die Freiwilligkeit besteht in der Regel darin, zwischen zwei geringeren Übel wählen zu können also entweder, ich warte, bis ich abgeschoben werde, ich habe vielleicht schon einen Abschiebebescheid und kann mich dann noch zu einer freiwilligen Rückkehr entscheiden. Es ist keinesfalls eine Entscheidung, die zwischen ich kann bleiben und ich gehe zurück, getroffen wird und die Menschen, die freiwillig, sogenannt freiwillig zurückkehren, stehen vor den gleichen Problemen, wie die Abgeschobenen."

Mit Blick auf die sich stetig verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan sagt sie: "Wir fordern die Innenminister auf, einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan zu beschließen."

Eine Forderung, die sie an die Innenministerkonferenz in der nächsten Woche richtet.

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