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StartseiteSport AktuellResignation und Wut02.07.2020

Russische LeichtathletikResignation und Wut

Der russische Leichtathletik-Verband RUSAF hat die vom Leichtathletik-Weltverband verhängte Geldstrafe in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro nicht gezahlt. Den russischen Athletinnen und Athleten droht ein internationales Startverbot und womöglich das Olympia-Aus für Tokio. Sie sind wütend und fühlen sich verraten.

Von Thielko Grieß

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Stabhochspringerin Marija Lassizkene bei den russischen Leichtathletik-Meisterschaften 2019. (www.imago-images.de)
Stabhochspringerin Marija Lassizkene bei den russischen Leichtathletik-Meisterschaften 2019. (www.imago-images.de)
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Die Russische Leichtathletik-Föderation hat das Geld für die geforderte Strafzahlung nicht zusammen bekommen. Jewgenij Jurtschenko, der Präsident des Sportverbandes, klagte im Staatsfernsehen:

"In den vergangenen Tagen haben wir nicht bloß eine laute Erklärung darüber gehört, uns in diesem schwierigen Moment finanziell zu unterstützen. Aber diese Versprechen haben sich nicht in konkretes Geld verwandelt."

Das Sportministerium, das auch ein Adressat für finanzielle Hilfe gewesen wäre, hat sich mit einem Brief an den Weltverband gewandt. Die Sportler dürften nicht unter Sanktionen leiden, heißt es darin.

Unter Aktiven ist die Frustration groß

Unter manchen Leichtathleten und ihren Trainern hat die Situation zu großem Frust geführt. Sie sehen sich bestraft, aber nicht verantwortlich für die Folgen von Dopingvergehen Anderer in vergangenen Jahren. Sie kritisieren auch die eigenen Funktionäre: Statt nun um Erlass oder Aufschub zu bitten, müssten die dafür sorgen, dass die Strafe gezahlt werden, um die nächste Generation von Sportlern vor Schaden zu bewahren.

Der Trainer der dreifachen Weltmeisterin im Hochsprung, Marija Lassizkene, wurde auf Instagram emotional: Es sei Verrat, wie mit den Sportlern umgegangen werde. Erst drei Tage vor Ende der Frist, und damit zu spät, habe die "Imitation geschäftigen Treibens" eingesetzt.

Stabhochspringern Anschelika Sidorowa, auch sie schon einmal Welt- und Europameisterin, zeigte sich auf Instagram resigniert: "Ich verliere den Mut." Auch diese Saison sei wichtig.

Nur noch wenig Hoffnung auf eine rechtzeitige Lösung hat Andrej Schljapnikow, der einst für die Sowjetunion an den Start ging. "Es kann sein, dass sie nicht zugelassen werden. Alles ist möglich, dass an unserem Beispiel anderen ein Lehrstück gezeigt wird, dass Doping eine schlechte Sache ist. Die Maßnahmen können sehr hart sein, leider. Ich denke dennoch, dass der Weltverband den russischen Athleten entgegenkommt und ihnen gestattet, unter neutralem Status anzutreten."

World Athletics zeigt sich enttäuscht

Der Weltleichtathletikverband teilte am Nachmittag mit, weder eine Zahlung noch eine Information, wann mit ihr zu rechnen sei, sei eingegangen. Man habe auf Veränderung gehofft, doch der mangelnde Fortschritt sei sehr enttäuschend. Der russische Verband lasse seine Athleten im Stich. Man wolle sich Ende Juli weiter mit der Sache beschäftigen.

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