Sagen & MeinenWenn "Sicherheitskräfte" keine Sicherheit herstellen

In Nachrichten und Berichten hören wir immer wieder von "Sicherheitskräften". Dabei wird der Begriff auch dann verwendet, wenn diese Kräfte alles andere als Sicherheit herstellen, meint Stefan Fries. Medien sollten in solchen Fällen mehr Mut zur Ungenauigkeit haben.

Von Stefan Fries | 30.04.2021

In Bago in Myanmar stehen sich am 8. März 2021 Polizei und Demonstranten auf einer Straße gegenüber.
Polizeieinsatz bei einer Demonstration gegen den Militärputsch in Myanmar (IMAGO / Penta Press)
Es ist ein Begriff aus den Nachrichten, an den wir uns schon gewöhnt haben, weil Medien ihn seit Jahren wie selbstverständlich benutzen: Sicherheitskräfte. Dabei merken wir kaum noch, dass er in der Regel dann verwendet wird, wenn es genau um das Gegenteil von Sicherheit geht. Wenn Polizisten in Diktaturen und Autokratien Demonstranten zusammenknüppeln – wie in Belarus. Oder wenn Militärs auf friedliche Protestierende schießen – wie in Myanmar.
Ein Soldat steht an der blockierten Strasse die zu Myanmar's Parlament führt, 1.Februar 2021.
Staatsstreich in Myanmar – Was der Putsch des Militärs bedeutet
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Der Begriff ist bequem für Medien, als "Sicherheitskräfte" können sie verschiedene Einheiten von Polizei, Militär, Spezialeinheiten, Geheimdiensten und Schlägertrupps zusammenfassen, deren Unterscheidung für uns hier tatsächlich nicht in jedem Fall wichtig ist.
Sicherheit bringen diese Leute aber nicht für die Bevölkerung, sondern nur für die Machthaber. Mit dem Begriff nehmen wir also deren Perspektive ein, die Perspektive von Antidemokraten und Menschenfeinden.
Medien sollten in solchen Fällen mehr Mut zur Ungenauigkeit haben und lieber so etwas sagen wie: "Einheiten von Polizei und Militär" oder "Einsatzkräfte des Regimes". Denn wir sollten uns nicht an so absurde Formulierungen gewöhnen wie: "Sicherheitskräfte gingen gewaltsam gegen friedliche Bürger vor".
Sagen & Meinen: Der Sprachcheck
Viel zu oft setzen sich fragwürdige Begriffe und Euphemismen in Medien fest, zum Beispiel das "Gute-Kita-Gesetz", das "Familiendrama" oder der "Lockdown". Solche Formulierungen hinterfragen wir in der Reihe "Sagen & Meinen – der Sprachcheck".