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StartseiteSprechstundeAuf Ursachensuche im Schlaflabor03.03.2020

Schlafstörungen im AlterAuf Ursachensuche im Schlaflabor

Mit Kabeln am Kopf, Gurten um Bauch und Brust und Sensoren am Finger werden in Schlaflabors verschiedene Daten erhoben, die Aufschluss über die Ursache von Schlafstörungen geben. Daraus ergeben sich für die Patienten häufig konkrete Behandlungsmöglichkeiten.

Von Mirko Smiljanic

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Der Mann mit Brille ist oben vom Kopf her fotografiert, der Rest des Körpers ist nur unscharf zu sehen. Er hält ein Sofakissen im Arm. (dpa / Maximilian Schönherr)
Gestörter Schlaf ist die Ursache für Tagesmüdigkeit (dpa / Maximilian Schönherr)
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Schlafen im Schlaflabor Verklebt, verkabelt und überwacht

Malteser Krankenhaus St. Hildegardis in Köln, neun Uhr abends. Letzte Besucher verlassen die Klinik, die Eingangstür wird verschlossen, langsam kehrt Ruhe ein - fast zumindest. Im ersten Stock herrscht reges Treiben: Patientinnen und Patienten in Straßenkleidung melden sich bei einer Schwester, einige sitzen schon in spartanisch eingerichteten Zimmern, neben sich Taschen mit Wäsche für eine Nacht. So wie diese 70-jährige Kölnerin. Warum ist sie hier?

"Weil ich unter einer gewissen Tagesmüdigkeit leide, und wenn ich aufstehe morgens mich nie so wirklich ausgeschlafen fühle."

Die Ursachen ihrer Tagesmüdigkeit liegen im gestörten Schlaf, so Doktor Alexander Prickartz, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin sowie Leiter des Schlaflabors:

"Die Patientin leidet unter einer komplexen schlafbezogenen Atmungsstörung, das bedeutet, ihre Atmung ist nicht tagsüber sondern tatsächlich nur im Schlaf gestört - es kommt zu Atemaussetzern."

Nächtliche Atemaussetzer stören den Schlaf

Seit ein paar Wochen behandelt Prickartz die nächtlichen Atmungsstörungen mit einer Nasenmaske. Über diese Maske wird der Patientin Luft mit leichtem Überdruck zugeführt. Folge: Sie kann nachts besser atmen. Leider nur funktioniert die Maske noch nicht richtig, weshalb der Schlaf der Patientin heute Nacht gründlich vermessen wird:

"Sie bekommen Kabel an den Kopf zur Vermessung der Gehirnströme, Augenbewegungen, Kinnbewegungen, sie bekommen Gurte um Thorax und Abdomen, also Bauch und Brust, um die Atembewegung vom Körper festzustellen. Sie bekommen einen Sensor an den Finger, der die Sauerstoffsättigung im Blut feststellt, sie bekommen ein kleines EKG angeklebt und noch Elektroden an die Beine, damit man sehen kann, ob sich der Patient nachts im Bett hin- und her bewegt."

Schlafverfolgung in Echtzeit

So verkabelt zu schlafen, erklärt Schlaflabor-Mitarbeiter Jochen Vogel, sei schon eine Herausforderung, bei den meisten klappt es aber. Alle Daten laufen im Kontrollraum zusammen und werden auf Servern gespeichert. Gleichzeitig verfolgen Mitarbeiter in Echtzeit den Schlaf der Patientinnen und Patienten:

"Hier wird zum Beispiel angezeigt, in welcher Körperlage sich der Patient befindet, deswegen haben wir eine Kamera mitlaufen, damit wir das im Bild sehen können, hier drunter sehen Sie das Schlafprofil, hier ist der Patient wach, dann kommt ein leichterer Schlaf, ein tieferer Schlaf, dann der Tiefschlaf, das wechselt immer so hin und her, und hier ist er im REM-Schlaf."

Die Analyse der Daten gibt im Idealfall Aufschluss über die Ursachen des gestörten Schlafs und im nächsten Schritt natürlich über Behandlungsmöglichkeiten. Die gibt es in fast allen Fällen. Bis dahin wünschen wir der Kölnerin aber erst einmal eine geruhsame Nacht:

"Vielen herzlichen Dank."

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